Microsoft Copilot: Chancen und Herausfor­derungen aus Sicht der Microsoft-Partner

Der Microsoft 365 Copilot ist da. Der Zugang, den die Partner erhalten, ist aber in gewissen Bereichen eingeschränkt. Eine Auslegeordnung. Text: Lars Zängerle
9. Dezember 2023

     

Kaum ein anderes Microsoft-Produkt hat schon vor der offiziellen Verfügbarkeit so viel Aufmerksamkeit geweckt wie Microsoft Copilot. Wobei man eigentlich nur bedingt von einem Produkt sprechen kann. Denn unter dem Begriff Copilot wird vielmehr die Erweiterung bestehender und bewährter Microsoft-Produkte durch KI-unterstützte Funktionen verstanden. Während Windows Copilot das Win­dows-­11-Betriebssystem erweitert, unterstützt der Github Copilot Entwickler bei der Erstellung von Code. Der Microsoft Security Copilot richtet sich wiederum an die Betreiber eines SOC (Security Operations Center). Die grösste Aufmerksamkeit erhält jedoch der Microsoft 365 Copilot, welcher Microsoft-Apps wie Teams, Word oder Powerpoint erweitert.


Copilot Consulting im Blindflug

Die Überraschung unter den Partnern war sehr gross, als Microsoft die Verfügbarkeit von Microsoft 365 Copilot per 1. November ankündigte. Ebenso gross war aber auch die Enttäuschung über die Bedingungen für den möglichen Bezug. So ist Microsoft 365 Copilot bis heute Gross­unternehmen vorbehalten, welche sich verpflichten, 300 Lizenzen à 30 US-Dollar pro Monat zu kaufen (108'000 Dollar jährlich). Dies galt anfangs auch für Partner, weshalb sogar die grössten Schweizer Partner auf das Angebot verzichteten. Man hat sich in Redmond wohl daran erinnert, dass es für die erfolgreiche Markteinführung den einen oder anderen Microsoft-Partner benötigt, weshalb die Limite für Partner auf 50 kostenpflichtige Lizenzen reduziert wurde. Die Regel, dass der Zugang zum Early-Access-­Programm nur auf sehr restriktiv versendete Einladung erfolgt, blieb aber. Und so kann sich auch heute nur eine Handvoll auserlesener Schweizer Microsoft-Partner entsprechend vorbereiten. Daran wird sich voraussichtlich kurzfristig nichts ändern. Das Gros der Branche und insbesondere kleinere Partner fühlen sich entsprechend übergangen. Denn ohne praktische Erfahrung kann keine professionelle Beratung erbracht werden.


Wer profitiert vom Lizenz-Boost?

Im Rahmen der Einführung von Microsoft 365 Copilot wird das Thema Security und Compliance eine zentrale Rolle einnehmen, um unerwünschtes Oversharing zu vermeiden. Unternehmen, welche ihre Governance bis anhin vernachlässigt haben, werden überfällige Hausaufgaben zu erledigen haben. Viele unterstützende Funktionen sind jedoch erst ab einer Microsoft-365-E5-Lizenz enthalten. Folglich ist zu erwarten, dass mit der Einführung von Microsoft 365 Copilot der Lizenzumsatz angetrieben wird, wovon Microsoft als auch die Partner profitieren.

Da die Verarbeitung von KI-Anfragen sehr viel Rechenleistung benötigt, ist es verständlich, dass sich Microsoft diese mitfinanzieren lässt. Und bedenkt man, dass ein ChatGPT-Abo 20 Dollar kostet, scheint der Preis von Microsoft durchaus legitim. Dass Microsoft-Partner keinerlei Zugang zu Trial-Lizenzen oder Demo-Umgebungen erhalten, ist hingegen erstmalig. Dies führt übrigens zur Situation, dass auserwählte Partner allfällige Demos auf ihrer produktiven Umgebung zeigen müssen, was aus Datenschutzgründen nicht ganz unproblematisch ist.


Eine ungeklärte Frage ist zudem auch, ob und wann die Microsoft-365-­Copilot-Lizenzen über den bei Partnern sehr verbreiteten CSP Channel verfügbar sind. Lizenzen können bis auf Weiteres nicht über Microsoft-­CSP-Partner bezogen werden, womit Letztere entsprechend übergangen werden und stand heute nicht vom zusätzlichen Lizenzumsatz profitieren.


Not macht erfinderisch

Unter den privilegierten Microsoft-365-­Copilot-Partnern herrscht aktuell Einigkeit: Nebst einigen Wow-Momenten, stösst man doch ab und zu an die Grenzen von Microsoft 365 Copilot. Doch in Anbetracht dessen, dass die Reise erst begonnen hat, lässt sich nur erahnen, welche Türen sich für Endbenutzer und IT-Partner noch öffnen werden. KI-unterstützte Funktionen werden in Kürze flächendeckend Einzug halten und nicht mehr wegzudenken sein. Einige Microsoft-Partner haben dies erkannt und sind aufgrund der eingeschränkten Copilot-Verfügbarkeit auf entsprechende Alternativen ausgewichen. So bieten diverse Azure-­basierte AI Services in Kombination mit Power Automate sehr spannende Möglichkeiten, um den eigenen «Copilot» zu bauen. Dank dem Low-Code-Ansatz sind erstaunliche Szenarien ohne Entwicklerkompetenzen und mit vernünftigem Budget realistisch. Betriebswirtschaftlich betrachtet könnte dieser Weg für Microsoft-Partner unabhängig davon spannender sein. Während sich im Rahmen der Einführung von Microsoft 365 Copilot der Partner mehrheitlich auf ressourcenintensive Consulting-Mandate beschränken muss, öffnen sich bei der Entwicklung eigener Lösungen mehr Möglichkeiten für die Veredelung eines eigenen Services.



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