Ex Libris im Wandel

Ex Libris strafft sein Filialnetz und überdenkt sein Sortiment. Online wird zudem eine Zusammenarbeit mit Digitec angestrebt.
4. November 2012

     

Ex Libris streicht sein Filialnetz zusammen. Nachdem in diesem Jahr bereits sechs Filialen geschlossen wurden, sollen bis im Frühling 2014 bis zu 20 weitere Standorte wegfallen. «Wo Mietverträge auslaufen, wird mit Blick auf die Rentabilität der Standort neu evaluiert», heisst es dazu von Ex Libris. Nach der Straffung des Filialnetzes werden noch rund 90 Filialen übrigbleiben, wobei genaue Angaben schwierig seien, da die Filialen «in einem rollenden Prozess aufgrund ihrer Rentabilität beurteilt werden», wie Daniel Röthlin, Geschäftsleiter von Ex Libris, gegenüber «Swiss IT Reseller» erklärt. Kündigungen sollen dank frühzeitiger Personalplanung möglichst vermieden werden. «Das bedeutet, dass wir bereits heute schon neue Mitarbeiter nur noch befristet angestellt haben. Langjährige Mitarbeiter in betroffenen Filialen können auf diese Weise an frei gewordene Stellen nachrücken», erläutert Röthlin.


Tiefer Euro gleich sinkende Marge

Begründet wird der Abbau von Filialen unter anderem durch die Verlagerung der Umsätze in den Online-Handel. Bereits heute verdient Ex Libris laut eigenen Angaben jeden dritten Franken mit dem Online-Shop. Nebst den veränderten Einkaufsgewohnheiten wird aber auch der Euro-bedingte Preiszerfall als Grund für die Straffung des Filialnetzes angegeben. Röthlin führt aus: «Aufgrund des schwachen Euros haben sich, nicht zuletzt aufgrund unseres Druckes auf die Schweizer Lieferanten, zum Grossteil auch unsere Einkaufspreise gesenkt. Diese Tatsache kann man zur Verbesserung der Marge nutzen, dann verdient man sogar mehr, oder aber man gibt diesen Einkaufsvorteil an die Kunden in Form tieferer Verkaufspreise weiter, und genau das haben wir auch getan.» Durch die tieferen Verkaufspreise ist aber auch die Marge auf die Produkte gesunken. Gemäss Röthlin seien die Filmpreise in den letzten zwei Jahren um 17 Prozent gesunken, die Preise von Games im Schnitt um 19 Prozent. Den tieferen Deckungsbetrag, der sich durch die gesunkenen Preise ergebe, könne niemals über erhöhte Stückzahlen kompensiert werden. Röthlins Fazit lautet deshalb: «Tut man etwas gegen die Hochpreisinsel Schweiz, verdient man wesentlich weniger.»

Filiale als Service-Center

Allerdings muss man sich angesichts der laufenden Verlagerung des Vertriebs von Musik, Games und vermehrt auch Bücher in den digitalen Kanal aber auch fragen, ob Ex Libris nicht grundsätzlich sein Geschäftsmodell überdenken muss. Dessen ist sich auch Röthlin bewusst. Zwar entwickle sich das Kerngeschäft mit den Büchern weiterhin über dem Marktdurchschnitt, aber: «Es ist eine Illusion anzunehmen, dass der Detailhandel bei digitalen Produkten die gleiche zentrale Rolle spielen wird wie bei den physischen.» Laut dem Ex-Libris-Geschäftsleiter würden sich die Filialen immer mehr zu Service-Center für eigene oder fremde Dienstleistungen entwickeln. So hätten in diesem Jahr bereits über 80'000 Online-Kunden von Ex Libris die Filiale als Abholstation genutzt. Und auch für das Abwickeln von Online-Retouren oder das Bezahlen von Online-Rechnungen würden Tausende Kunden die Filialen besuchen. Doch damit nicht genug: «Auch die Sortimente brauchen eine neue und glaubwürdige Profilierung – basierend auf den bestehenden Warengruppen. Themen wie Reisen, Kinder, aber auch Wissen werden bei uns momentan auf ihre Umsetzbarkeit geprüft», erklärt Röthlin.

Zusammenarbeit mit Digitec

Dass die Schliessung der Filialen in einem Zusammenhang mit dem Engagement der Ex-Libris-Mutter Migros bei Digitec steht, verneint Röthlin vehement. «Die Überschneidung im Angebot ist marginal – im Gegenteil, wir betrachten unsere Sortimente als komplementär.» Als Abholstationen für Digitec-Produkte seien die Ex-Libris-Filialen zudem aufgrund der Grösse und Infrastruktur völlig ungeeignet, zu teuer und nicht optimal mit einem Fahrzeug erreichbar. Jedoch kündigt Röthlin auch an, dass man schon vorhabe, mit Digitec zusammenzuarbeiten. Man sehe in Verbindung mit der jeweiligen Kernkompetenz durchaus Chancen, die man wahrzunehmen gedenke. Allerdings nicht im stationären Handel, sondern online. Röthlin dazu: «Ex Libris und Digitec streben im Bereich Online eine Zusammenarbeit an und suchen nach Synergien.» Wo diese Synergien liegen könnten, will er zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht verraten. (mw)



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