Zuversichtlich trotz grosser Herausforderung
Quelle: Brother Schweiz

Zuversichtlich trotz grosser Herausforderung

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses und deren Auswirkungen bereiten der Schweizer ICT-Branche starke Kopfschmerzen, wie der Swico ICT Index für das zweite Quartal 2015 zeigt. Die von «Swiss IT Reseller» befragten Unternehmen zeigen sich allerdings zuversichtlich und glauben, die aktuellen Herausforderungen meistern zu können.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2015/04

     

Laut dem Swico ICT Index für das zweite Quartal 2015 ist die Stimmung in der Schweizer ICT-Branche äusserst negativ – insbesondere aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und des daraus resultierenden starken Frankens. Diese Einschätzung der Lage wird von den von «Swiss IT Reseller» befragten Unternehmen in den Teilbranchen IT-Technology, Software, IT-Services und Consumer Electronics allerdings nur stellenweise geteilt. Vielmehr scheinen sich die Unternehmen der aktuell schwierigen Situation stellen zu wollen und sind grösstenteils auch davon überzeugt, diese meistern zu können. Entsprechend beurteilen sie die Stimmung in der Schweizer ICT-Branche denn zwar als herausfordernd, aber nicht durchs Band als negativ.

IT-TECHNOLOGY


Die von «Swiss IT Reseller» befragten Hersteller und Vertreiber von IT-Technologien (Hardware) schätzen ihre aktuelle Geschäftslage denn mehrheitlich als gut ein. So erklärt etwa Wilhelm Petersmann, Managing Director von Fu- jitsu Schweiz: «Wir haben ein stetig wachsendes Lösungs- und Service-Geschäft. Aufgrund der Qualität unserer Hardware sind wir trotz einer schwierigen Marktlage auch in diesem Geschäftssegment bei Kunden gut positioniert.» Cesare Marasco, CMO bei Brother Schweiz, meldet derweil: «Wir werden unser bald endendes Geschäftsjahr den Erwartungen entsprechend abschliessen können.» Und auch Christophe Monnin, CEO a.i., Director Data Protection & Availability Division bei EMC Computer Systems, beurteilt die Geschäftslage seines Unternehmens als gut: «Dafür sprechen nicht nur die Auftragslage und der Aufwärtstrend beim Umsatz, sondern auch die aussichtsreichen Gespräche mit unseren Kunden.» Dabei wird Monnin noch etwas konkreter: So bezeichnet er die Auftragslage für das zweite Quartal 2015 als vielversprechend und erwartet eine Verbesserung im Vergleich zum zweiten Quartal 2014. «Es gibt eine grössere Nachfrage im Markt, insbesondere in der Finanz- und Pharmabranche», begründet Monnin diese Prognose. Dasselbe Bild zeichnet er bezüglich Umsatz. Auch hier rechnet Monnin für das zweite Quartal 2015 – ebenfalls dank der Nachfrage in der Finanz- und Pharmaindustrie – mit einer Steigerung. Zurückhaltender zeigt sich bezüglich Auftragslage Marasco von Brother Schweiz: «Wir erwarten eine verhalten positive Entwicklung der Auftragslage, unsere Partner sind nach der wechselkursbedingten Unsicherheit wieder
zuversichtlicher.»
Beim Umsatz hingegen prognostiziert Marasco für das zweite Quartal 2015 ein «eher rückläufiges Umsatzresultat» – aufgrund der Euro-Wechselkurssituation, die bereits auf die Preise drücke. Bei Fujitsu rechnet man derweil trotz schwieriger Marktbedingungen mit einem Wachstum beim Umsatz. Petersmann führt aus: «Der Kostendruck ist hoch, viele Kunden möchten für mehr Leistung weniger Geld bezahlen. Diese Entwicklung betrifft alle Anbieter, natürlich auch uns. Allerdings sind wir in der Schweiz gut im Geschäft, die Kunden vertrauen uns.» Nichtsdestotrotz erwartet der Managing Director bezüglich Auftragslage im Bereich Hardware nur ein bescheidenes Wachstum. Optimistischer zeigt er sich beim Lösungs- und Service-Geschäft, wo das Unternehmen mit Zuwachsraten im zweistelligen Bereich rechnet. Vorsichtig zeigt sich Arno Zindel, Channel Director Partner & Distribution bei Canon Schweiz, bezüglich Umsatzerwartung für das zweite Quartal 2015: «Die aktuelle Wechselkursvolatilität hat zu einer Verunsicherung im Channel und bei den Endkunden geführt. Bestimmte, nicht businesskritische Projekte werden zeitlich verschoben und Channel-Partner sind mit ihren Dispositionen und der Lagerhaltung deshalb vorsichtig, was direkte Auswirkungen auf die Auftrags- und Umsatz- erwartung hat.»

Bruttomarge und Preise


Ebenfalls Einfluss wird die Wechselkursthematik auf die Bruttomarge und die Preise im zweiten Quartal 2015 haben. So konstatiert Zindel von Canon: «Der währungsbedingte Preiszerfall schlägt sich automatisch auf die Nettopreise und somit auf die Bruttomarge nieder. Wie hoch die Abnahme der Bruttomarge effektiv ist, hängt aber auch von weiteren Faktoren, wie zum Beispiel dem Bezug von Ware aus dem Dollar-Raum oder den allgemeinen Einkaufskonditionen der Reseller, ab.» Ebenfalls von einer Abnahme der Bruttomarge geht Monnin von EMC aus, wenn auch nur leicht im Vergleich zum Vorjahr. Er begründet seine Einschätzung: «Die Margen geraten zunehmend unter Druck durch die Umwälzungen in der IT-Branche, die Konkurrenz und den Preiszerfall im Markt. Auch Währungsschwankungen können einen Einfluss haben.» Unterstützung erhält er hierbei von Marasco von Brother: «Die Margen geraten generell unter dem paritätsnahen Euro-Wechselkurs unter Druck. Dies, obwohl gerade die IT-Branche im Vergleich zum europäischen Ausland bereits heute kompetitive Preise aufweist.» Entsprechend geht Marasco denn auch davon aus, dass die Preise sich wechselkursbedingt im Vergleich zum Vorjahr gegen unten bewegen werden – «wobei der Spielraum der IT-Branche klein ist». Zindel fügt hierzu allerdings an: «Dienstleistungen, welche grösstenteils mit lokaler Wertschöpfung in Schweizer Franken angeboten werden, sind weniger von der Preiserosion betroffen.»

Investitionen


Trotz der aktuellen Herausforderungen planen die IT-Technologie-Unternehmen Investitionen. So legt etwa EMC den Investitionsfokus auf den Channel, da man in den nächsten 18 Monaten einen Channel-Anteil von 80 Prozent erreichen will. «Zurzeit liegt dieser bei ungefähr 60 Prozent», so Monnin. Auch bei Canon fokussiert man seine Tätigkeiten auf die Channel-Entwicklung, wobei insbesondere die direkte Unterstützung der Partner in allen Belangen im Mittelpunkt stehen soll. Ebenfalls keine Ausnahme stellt hier Fujitsu dar. «Im Zentrum unserer Strategie stehen 2015 die weitere Optimierung von Service-Management, Verkauf und der Ausbau des Channels», erklärt Petersmann. Gleichzeitig will das Unternehmen seine Marktbearbeitung in der Westschweiz ausbauen und seine Bemühungen im Mid-Market-Segment intensivieren.

Fachkräftemangel


Ein weiteres, von EMC genanntes Investitionsfeld ist zudem die Talentrekrutierung und -bindung. Das erstaunt wenig, ist der Fachkräftemangel in der IT-Branche doch schon seit längerem in aller Munde. Monnin von EMC erklärt dazu: «Der Fachkräftemangel ist für uns wie auch für alle anderen Unternehmen in der IT-Branche ein Thema. Es ist schwierig, gut qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren. Deshalb legen wir viel Wert auf die Talentrekrutierung und -bindung und die interne Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.» Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Fujitsu Schweiz, wie Petersmann ausführt: «Tatsächlich brauchten wir bereits in den letzten drei Jahren für die Rekrutierung guter Leute mehr Zeit als früher. Aktuell suchen wir nach Solution Architects, Service Delivery Managern und Technical Consultants.» Gar von einer Verschärfung der Situation bezüglich Fachkräftemangel geht man bei IBM aus. Werner Stocker, Head Systems and Technology Group und Mitglied der Geschäftsleitung bei IBM Schweiz, erklärt: «Der Fachkräftemangel bleibt eine grosse Herausforderung und wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung noch verstärken, wenn wir es nicht schaffen, vermehrt junge Leute für IT-Berufe zu begeistern. Deswegen engagiert sich IBM seit Jahren intensiv in der Aus- und Weiterbildung.» Stocker glaubt aber auch, dass dies nicht ausreichen wird, um den drohenden Arbeitskräftemangel auf Dauer zu entschärfen: «Nur durch Offenheit auch im Bereich der Zuwanderung stellen wir sicher, dass die Schweizer Wirtschaft weiter konkurrenzfähig bleibt.»

Herausforderungen

Nebst der Suche nach geeigneten Fachkräften sehen sich die IT-Technologie-Unternehmen mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Und auch hier wird die Währungsthematik häufig ins Feld geführt. So erklärt Stocker von IBM: «Die Schweiz ist nach wie vor ein sehr kompetitiver Markt, aber der starke Schweizer Franken stellt unsere Kunden vor grosse Herausforderungen. Der Kostendruck in den Unternehmen ist weiter gestiegen und zwingt zur Verringerung der Fixkosten und zur kontinuierlichen Verschlankung der Strukturen und Prozesse.» Cesare Marasco von Brother rechnet damit, dass der Druck auf die Preise und somit auf die Margen anhalten wird: «Wir werden noch mehr Sorgfalt in die Beurteilung jeder einzelnen Tätigkeit und Investition legen.» Und auch Petersmann von Fujitsu Schweiz geht davon aus, dass die Währungsthematik die Preise und Margen der Hersteller nachhaltig beeinflussen könnte. Daneben stehe nach wie vor der weitere Ausbau des Lösungs- und Service-Geschäfts im Vordergrund.
Monnin von EMC hebt derweil den digitalen Umbruch als grosse Herausforderung hervor: «Hardware ist nur noch eine unabdingbare Voraussetzung, um in einer anwendungsbasierten IT-Welt zu bestehen. Die wirklichen Herausforderungen liegen deshalb auch im Bereich Software, mobile Applikationen und Cloud Computing.»

Und Zindel von Canon bezeichnet es als Herausforderung, dass sich die Kunden heute zunehmend online informieren und den Grossteil ihres Evaluationsprozesses bereits abgeschlossen haben, bevor sie mit dem Handel in Kontakt treten. «Dieser Prozess muss mit einer aussergewöhnlichen Customer Experience, die einen Mehrwert bietet, entscheidend beeinflusst werden. Man muss sich deshalb den neuen
Informations- und Kommunikationstechnologien annehmen und seine Kunden kennen, um seine Kommunika- tion einzigartig zu machen und neue Vertriebskanäle zu etablieren», so der Channel-Chef.

Agenda


Fragt man die Unternehmen danach, welche Themen zuoberst auf ihrer Agenda stehen, so kommt man an der Cloud und an Big Data kaum vorbei. Monnin von EMC erklärt: «Bei uns stehen die Themen Hybrid Cloud, Big Data, Flash und Converged Infrastructure zuoberst auf der Agenda, denn dies sind auch die Themen, welche bei unseren Kunden Priorität haben und entscheidend sind für ihre Strategien.» Auch bei Canon werden Themen rund um Cloud, aber auch um Connectivity und Mobility, aktuell stark nachgefragt und von Canon entsprechend intensiv betreut und ausgebaut, während Petersmann von Fujitsu Schweiz ebenfalls Cloud und Mobility sowie Big Data und Netzwerke als Themen nennt. Und auch IBM bildet hier keine Ausnahme, wie Stocker ausführt: «IBM fokussiert auf Bereiche mit hoher Wertschöpfung, wie auch unsere Akquisitionen in den Bereichen Cloud, Software und Services zeigen. Wir sind überzeugt, mit Cloud, Big Data/Analytics, Social, Mobile und Security gut gerüstet für die Zukunft zu sein.»

Konjunkturelle Entwicklung und Stimmung


Mehr Uneinigkeit herrscht bezüglich der Einschätzung der Stimmung in der Branche im Vergleich zu vor einem Jahr. Petersmann von Fujitsu Schweiz erklärt: «Die Währungsthematik hat die Stimmung nicht verbessert.» Und Stocker von IBM meint: «Die Frankenstärke macht der Branche natürlich zu schaffen und wirkt sich entsprechend auf die Stimmung aus. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück und warten erst mal ab.» Auch Zindel von Canon spürt eine gewisse Vorsicht in der Branche. Er zeigt sich aber zuversichtlich: «Sobald sich die Unsicherheit bezüglich Volatilität der Wechselkurse gelegt hat, dürfte sich die Stimmung in der Branche wieder signifikant aufhellen.»
Bereits jetzt positiv fallen derweil die Einschätzungen von Brother Schweiz und EMC aus. Marasco von Brother erklärt: «Die IT-Branche lebt von Innovationen. Diese sind weiterhin breit ersichtlich und werden vorangetrieben. Somit ist die Grundstimmung weiterhin positiv.» Und Monnin von EMC empfindet die aktuelle Stimmung gar als besser als noch vor einem Jahr.

Swico ICT Index Q2/2015

IT-Technology
Der aktuelle ICT Index des Verbandes der ICT-Anbieter, Swico, zeigt: Die Schweizer ICT-Branche blickt pessimistisch in die Zukunft. Strömten die teilnehmenden Unternehmen für das erste Quartal 2015 noch Zuversicht aus, schätzen sie die Lage für das zweite Quartal 2015 klar negativ ein. So ist der Swico ICT Index innert Quartalsfrist um 15,4 Punkte auf 98,3 Punkte gefallen – die Stimmung ist also mit einem Index-Wert unter 100 im negativen Bereich und der Wert so tief wie noch nie seit der Einführung des Swico ICT Index. Dies legt für den Swico den Schluss nahe, dass der Einfluss der Aufhebung des Euro-Mindestkurses auf die Schweizer ICT-Branche gravierend ist. So haben die Unternehmen denn auch über alle Segmente hinweg den starken Schweizer Franken als grösste Herausforderungen genannt.
In der Teilbranche IT-Technology (Hardware) liegt der Index für das zweite Quartal 2015 bei 84,4 Punkten. Wurde die Stimmung für das zweite Quartal 2014 mit 106,6 Punkten und für das erste Quartal 2015 mit 103 Punkten noch klar positiv eingeschätzt, ist sie nun massiv ins Negative gerutscht. Entsprechend pessimistisch wird denn auch die Auftragslage beurteilt: Die Prognosen für die Sales Pipeline (Projekte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit akquiriert werden können, bei welchen aber der Vertrag noch nicht unterzeichnet ist), den Auftragseingang und den Wert des Auftragsbestandes sind gesunken. Und auch bezüglich Business Performance herrscht wenig Optimismus. Während Umsatz, Bruttomarge und Preise sinken werden, werden die Betriebskosten leicht ansteigen. Als grösste Herausforderungen wird der starke Franken genannt und auch die Gewinnung neuer und die Betreuung bestehender Kunden wird als sehr kritisch eingeschätzt. Dies bestätigt auch die Befragung entsprechender Unternehmen durch «Swiss IT Reseller» im nebenstehenden Artikel. Insgesamt wird die Dynamik für das zweite Quartal 2015 negativ eingeschätzt. So wird etwa eine negative Konjunkturentwicklung erwartet und auch die Investitionstätigkeit wird im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal abnehmen.

SOFTWARE

Die Software-Hersteller in der Schweiz sind grösstenteils zufrieden. Zumindest geben dies die von «Swiss IT Reseller» befragten Unternehmen bei der Frage nach der aktuellen Geschäftslage zu Protokoll. Unisono bezeichnen sie diese als gut. Urs Berli, Leiter Marketing und Verkauf bei der Vertec Gruppe, erklärt dazu: «Einerseits kommt uns die zunehmende Automatisierung in der Dienstleistungsbranche entgegen, andererseits unsere klare Fokussierung auf unsere Zielgruppe.» Und Urs Amrein, Marketing Manager und Partner von Opacc Software, betont: «Die Geschäftslage ist nach wie vor gut. Bestehende Kunden investieren in Erweiterungen und neue Funktionen, wie zum Beispiel Enterprise Shop und Enterprise CRM.» Jean-Jacques Suter, CEO von Sage Schweiz, zeichnet derweil gerade bezüglich bestehender Kunden ein etwas anderes Bild: «In Bezug auf die Neukunden ist die Geschäftslage gut bis sehr gut. Bei bestehenden Kunden, die mit Investitionen eher zuwarten, ist die Lage entsprechend befriedigend. Doch wir sind zuversichtlich, dass sich die abwartende Haltung im Laufe des Jahres noch ändert.» Dabei begründet Suter die Zurückhaltung bestehender Kunden damit, dass sie mit ihrer aktuellen Software gut aufgestellt seien, während bei den Neukunden ein starkes Wachstum bei der Auftragslage verzeichnet werde. «Das führen wir auf den klaren Bedarf von erhöhter betriebswirtschaftlicher Kontrolle in der aktuell angespannten Wirtschaftslage zurück», erklärt der CEO.

Samuel Rentsch, CEO und Partner von IT-Logix, führt die gute Geschäftslage seines Unternehmens darauf zurück, dass IT-Logix sich in einem «attraktiven Wachstumsmarkt» bewege. «Allein im ersten Quartal 2015 sind mehr Spontananfragen von potentiellen Kunden eingegangen als im vorhergehenden zweiten Halbjahr 2014, und Marketingmassnahmen sowie Verkaufsinitiativen liefern bereits ansprechende Indikatoren und Resultate», ergänzt er. Markus Fischer, Country Manager Schweiz bei Axon Ivy, freut sich derweil darüber, dass man dank der Expansion in die USA und nach Singapur jetzt auch für international tätige Schweizer Unternehmen ein interessanter Partner sei und ist mit der Geschäftslage insgesamt sehr zufrieden. Er bezeichnet denn auch die Auftragsbücher als deutlich voller. Ähnlich schätzt Rentsch von IT-Logix die Lage für das zweite Quartal 2015 ein: «Wir gehen heute davon aus, dass sich unsere Auftragslage gegenüber dem zweiten Quartal 2014 weiter verbessern wird. Dabei meine ich sowohl zusätzliches Auftragsvolumen, aber auch strategisch betrachtet die Attraktivität der Projekte, welche zunehmen wird.» Berli von der Vertec Gruppe wiegelt derweil ab: «Nach einem guten 2014 mit starkem Wachstum vor allem in Deutschland ist nach dem SNB-Entscheid für uns unklar, wie weit Schweizer Firmen Investitionen zurückhalten werden. Insofern ist das Neukundengeschäft in der Schweiz für das zweite Quartal 2015 schwierig abschätzbar.» Gleichzeitig spüre man aber auch eine sehr starke Nachfrage bei bestehenden Kunden, die Vertec vertieft nutzen wollen. Entsprechend rechnet man bei Vertec für das zweite Quartal 2015 mit einem Umsatzwachstum, zumindest auf Konzernebene. Berli erklärt: «Wir sind nach dem traditionell starken Jahresendgeschäft in all unseren Märkten mit vollen Auftragsbüchern ins 2015 gestartet.» Gar von einem «signifikant höheren Umsatz als im Vorjahreszeitraum» geht man derweil bei IT-Logix aus. «Die Anfang 2014 getätigten Investitionen in die Produktpalette und beim Verkauf werden deutlich zu Buche schlagen», so Rentsch. Und auch bei Opacc Software rechnet man mit einem höheren Umsatz als im zweiten Quartal 2014.

Bruttomarge und Preise


Gleich bleiben wird im zweiten Quartal 2015 indes die Bruttomarge bei Opacc Software – Preisanpassungen seien keine vorgesehen, erklärt Amrein dazu. Berli von Vertec rechnet hingegen mit einem Wachstum der Bruttomarge und ergänzt: «Der gesteigerte Markterfolg in Deutschland führte bei der Vertec Gruppe dazu, dass wir in den letzten Monaten unser Team in Hamburg ausgebaut haben. So können wir die Projekte nun immer mehr mit lokalen Ressourcen umsetzen. Umgekehrt sind wir immer weniger gezwungen, Dienstleistungen zu exportieren, die Schweizer Franken erbracht und in Folge des stärkeren Schweizer Franken noch teurer wurden.» Ein moderates Wachstum der Marge prognostiziert Rentsch von IT-Logix, «zumal viele der anstehenden Projekte im konzeptionellen Umfeld und beim Fachbereich angesiedelt sind». Stagnieren werden laut Einschätzung von Rentsch hingegen die Preise: «Die Auswirkungen des Schocks nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind zwar nicht direkt spürbar, aber latent besorg- niserregend.» Derselben Meinung ist auch Amrein von Opacc Software, der davon ausgeht, dass die Preise für Lizenzen und Dienstleistungen gleich bleiben werden.

Investitionen


Mit einem investitionsstarken zweiten Quartal 2015 rechnet Rentsch von IT-Logix. Dabei stehen Themen wie Big Data, Hadoop und Predic- tive Analytics im Vordergrund. Und: «Intern stehen Investitionen in die Dienstleistungsqualität auf dem Programm, welche in einer EFQM-Zertifikation münden sollen.» Bei Axon Ivy steht dieses Jahr der Ausbau von Lösungen im Vordergrund, wie Fischer zu Protokoll gibt. Zudem wolle man hierzulande den Channel ausbauen und auch die Expansion in die USA und nach Asien sei mit entsprechenden Investitionen verbunden. Berli von Vertec will indes die beiden Standorte Zürich und Hamburg stärken und etablieren. Und er ergänzt: «Daneben investieren wir rund um die Version 6.0 unserer Software in neue Apps, Cloud-Angebote sowie Erweiterungen der Funktionsbasis.»

Herausforderungen


Entsprechend bezeichnet Berli denn auch wenig überraschend die Fertigstellung der neuen Version 6.0, die diesen Sommer auf den Markt kommen soll, als grösste aktuelle Herausforderung. Die grösste Herausforderung bei Axon Ivy ist derweil eine organisatorische, wie Country Manager Fischer ausführt: «Die Anfang 2015 lancierte Fokussierung des gruppenweiten BPM-Geschäfts unter dem Dach der neugegründeten Axon Ivy beinhaltet einerseits Chancen, andererseits bedingen diese Anpassungen zusätzlich zum Tagesgeschäft ein hohes Engagement aller Beteiligten. Dieser Integrationsprozess wird per Mitte Jahr abgeschlossen sein.» Suter von Sage stellt sich derweil die Frage, wie man die Schweizer KMU unterstützen könne, damit sie erfolgreich durch die schwierige Wirtschaftslage kommen. «Schliesslich machen sie 99 Prozent der Unternehmen und zwei Drittel der Arbeitsplätze im Land aus. Gerade bei Kleinstunternehmen sehen wir noch grosses Potential, da diese noch reaktiv mit Word und Excel arbeiten», so Suter. Und bei IT-Logix ist die zentrale Herausforderung, die Wachstumsstrategie mit Augenmass weiterführen zu können und gleichzeitig die Dienstleistungsqualität weiter auszubauen.

Agenda


Zuoberst auf der Agenda steht den auch die Kundenzufriedenheit, wie Rentsch von IT-Logix ausführt. Weitere Themen sind zudem Predic- tive Analytics, On-Premise-Cloud und Hybrid- szenarien sowie Big Data. Auch Fischer von Axon Ivy nennt Cloud Computing und Big Data als Themen, die zuoberst auf der Agenda stehen. Zudem beschäftigt sich sein Unternehmen mit Mobile-Technologien – «denn sie ermöglichen massgebende Wettbewerbsvorteile durch konsequente Digitalisierung der Geschäftsprozesse». In dieselbe Kerbe haut Berli von Vertec: «Das mobile Arbeiten für CRM- und ERP-Anwendungen wird immer wichtiger. Die Nutzer wollen mit ihrem Smartphone, Tablet oder Laptop unterwegs nicht nur die Wetteraussichten und die Sportresultate abrufen können, sondern auch Leistungen oder Spesen erfassen und Kundendaten oder Projektinformationen abrufen.» Entsprechend müssen moderne CRM- und ERP-Systeme diesen Bedürfnissen nachkommen und die nötige Datensicherheit gewährleisten, so der Leiter Marketing und Verkauf. Und auch bei Opacc Software und Sage Schweiz steht das Thema Mobile oben auf der Agenda, will doch Opacc-Marketing-Manager Amrein die stationären und mobilen Bedürfnisse mit ERP, Enterprise Shop und Enterprise CRM kombinieren. Suter von Sage gibt derweil zu Protokoll: «Im Fokus stehen Mobilität und Einfachheit. Zum Beispiel erlaubt das neue mobile Business-Intelligence-Tool unseren Kunden, Zahlen und Fakten aus Buchhaltung und Verkauf verständlich aufbereitet auszuwerten, damit wichtige Business-Entscheide auch unterwegs möglich werden.»

Fachkräftemangel

Uneinig sind sich die Softwarehersteller bezüglich des Fachkräftemangels. Während bei Vertec und Opacc Software der Mangel an qualifizierten Fachkräften kein Thema ist, schätzt man bei Axon Ivy, Sage Schweiz und IT-Logix die Situation etwas anders ein. So erklärt Fischer von Axon Ivy: «Der Fachkräftemangel ist tatsächlich auch bei uns eine echte Herausforderung. Dank einem innovativen Umfeld und spannenden Kunden konnte wir jedoch bis anhin die Vakanzen besetzen.» Und Rentsch von IT-Logix führt aus: «Fachkräftemangel ist ein grosses Thema, ein identifiziertes zentrales Risiko in unserer Branche und betrifft auch unser Unternehmen. Wir investieren viel Zeit und Geld in Personalgewinnung, -pflege und -weiterentwicklung.» Und auch Sage ist hier keine Ausnahme. Suter erklärt: «Als innovatives Software-Unternehmen, welches über ein Drittel der Belegschaft in der Entwicklung beschäftigt, sind wir stark auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Wir spüren den Mangel deshalb vor allem bei der Suche nach geeigneten Software-Entwicklern.»

Konjunkturelle Entwicklung und Stimmung


Als schwer einschätzbar empfindet Rentsch von IT-Logix die generelle konjunkturelle Lage und begründet dieses Urteil mit sich überlagernden Trends und geopolitischen Veränderungen. «Ich gehe davon aus, dass die konjunkturelle Situation in der Schweiz kurzfristig stagnieren wird, da Risiko-Überlegungen und strukturelle Bereinigungen die Investitionen aktuell verlangsamen.» Gar eine sinkende Nachfrage bei Schweizer Kunden – «die vor allem Manpower wie Beratungsleistungen exportieren» – erwartet Berli von Vertec. «Hier ist denkbar, dass sich das eine oder andere Software-Einführungsprojekt auf Folgejahre verschieben könnte, da diese Kunden in Folge des starken Schweizer Frankens mit sinkenden Margen zu kämpfen haben», so Berli. Gleichzeitig betont er aber auch, dass man im Absatzmarkt der Kunden in der EU sowie bei Schweizer Kunden, die lediglich im Binnenmarkt Schweiz agieren, mit einer stabil hohen Nachfrage rechnet. Die Einschätzung von Amrein von Opacc Software sieht derweil wie folgt aus: «Durch die Wechselkursproblematik sind die Firmen gezwungen, noch mehr zu rationalisieren und zu automatisieren und vermehrt in den Onlinehandel zu investieren.» Und Suter von Sage konstatiert, dass die konjunkturelle Lage weiter angespannt bleiben wird, was KMU zu weiterer Effizienz- und Kostenoptimierung bewegen werde. «Dabei werden grosse Player der Branche profitieren und sich durchsetzen. Kleinere Anbieter, die sich nicht erfolgreich in einer Nische positionieren können, werden vom Markt verschwinden», so die Einschätzung des CEO.

Nichtsdestotrotz blicken die Softwarehersteller grösstenteils optimistisch in die Zukunft. So stellt etwa Fischer von Axon Ivy in der Branche eine positivere Grundstimmung als letztes Jahr fest – zumindest bei denjenigen Anbietern und Herstellern, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Und auch bei IT-Logix blickt man aufgrund von Gesprächen mit Kunden und Mitbewerbern in Bezug auf konzeptionelle wie auch technologische Aspekte von Business Intelligence, Data Warehousing und Big Data positiv in die Zukunft. Ebenfalls zuversichtlich zeigt sich Berli von Vertec: «Wir sind optimistisch – zumindest für den spezialisierten Bereich, in dem wir tätig sind.» Amrein von Opacc Software urteilt derweil: «Es sind mehrheitlich immer die gleichen Branchen, die jammern, anstatt sich auf die Gegebenheiten einzustellen und neue Wege zu beschreiten. Unsere Kunden setzen sich mit der aktuellen Situation auseinander und suchen neue Chancen und Möglichkeiten.» Einzig Suter von Sage schätzt die Stimmung in der Branche aktuell als schlechter ein und begründet dies damit, dass die Kunden – sprich die KMU der Schweiz – im Vergleich zum Vorjahr durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen überaus stark gefordert seien.



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