Artensterben erfasst ERP-Spezialisten

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Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2008/04 – Seite 2
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Mehr Inder braucht das Land?

Nicht alle Branchenbeobachter sind indessen davon überzeugt, dass sich der Fachkräftemangel im ERP-Bereich über mehr Lehrlinge auffangen lässt, auch nicht langfristig. Pascal Sieber vom Beratungsunternehmen Sieber & Partners hat in den letzten zwei Quartalen eine zusätzliche Zuspitzung auf dem Arbeitsmarkt festgestellt, die Knappheit nehme zu, man beschäftige wieder vermehrt Quereinsteiger. Avaloq beispielsweise nehme derzeit fast jeden, der nicht zwei linke Hände habe.
Dass ERP-Anbieter direkt von den sinkenden Zahlen bei den Lehrabgängern betroffen sind, glaubt Sieber nicht: «Ich kenne keine ausgebildeten Informatiker, die in die Softwareentwicklung gehen.» ERP-Anbieter müssten vielmehr auf Gymnasiasten hoffen, die eine IT-Ausbildung an der ETH oder ein betriebswirtschaftliches Studium an einer Universität absolvieren und danach als Projektleiter in die IT einsteigen. Die Codierarbeit könne man schliesslich ohne Probleme nach Indien auslagern, das sei in der USA schon gang und gäbe. Die Branche müsse sich deshalb vermehrt um Kontakte mit China oder Indien bemühen, wo Horden von IT-willigen Arbeitskräften ausgebildet würden.

Wie ERP-Anbieter das Problem sehen

Branchenbeobachter sind sich also nicht einig, wie man die Lücke im Arbeitsmarkt langfristig schliessen soll. Wie gehen ERP-Anbieter mit der Krisensituation um? Marc Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung bei Sage, kennt das Problem: «Wir haben im Moment 25 freie Stellen, bei 380 Angestellten.» Sage sucht primär Leute für die Softwareentwicklung und die Projektleitung. Ob Fachhochschul-, Uni- oder ETH-Absolventen besser sind, kann Ziegler nicht beantworten: «Vor allem wollen wir die Stellen wenn möglich mit Schweizern besetzen. Wir wollen für den lokalen Markt möglichst lokal produzieren.» Die Rekrutierung fand bisher vor allem über Zeitungsinserate statt. Man werde aber vermehrt näher an mögliche Kandidaten herantreten und beispielsweise an der Orbit eine Stellenbörse an ihrem Stand aufbauen. Auch an einer Veranstaltung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft macht Sage jetzt Werbung.
Eine einfallsreiche Stellenausschreibungskampagne hat der ERP-Anbieter Bison Schweiz letzthin ausprobiert: Für drei Wochen hängte er an stark befahrenen Strassen in der Zentralschweiz Plakate auf, die auf freie Stellen aufmerksam machten. Laut Heinz Ranner, Leiter Marketung und Kommunikation, hat sich das gelohnt: «Die Aktion wurde offenbar gut gesehen, wir haben kurz darauf einen erhöhten Bewerbungseingang verzeichnen können und auch einige Leute eingestellt.» Auch Bison rekrutiert von Fachhochschulen, Universitäten und ETH gleichermassen, der Mensch und seine Fähigkeiten seien wichtiger als der Abschluss.

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