Erlebnisqualität als Energiefresser
Quelle: Swico

Erlebnisqualität als Energiefresser

Der Gesamtenergieverbrauch der Unterhaltungs- und Büroelektronik nimmt weiter ­ ab – wenngleich nicht mehr so rasant. Eine vom Bundesamt für Energie jährlich in Auftrag gegebene Analyse deckt die Zahlen auf.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2023/01

     

In der Schweiz waren 2021 rund 30,5 Millionen Elektronikgeräte für IT, Büro und Unterhaltung in Gebrauch. Das sind 51,6 Prozent mehr als im Jahr 2000 (20,1 Millionen). Im selben Zeitraum ist ihr Energieverbrauch um 44,8 Prozent zurückgegangen – trotz höherer Leistung und längerer Nutzungsdauer. Eine beachtliche Effizienzsteigerung innerhalb von 21 Jahren (Grafik 1).

Gründe für den hohen Verbrauchsrückgang sind der technische Fortschritt sowie veränderte Kaufpräferenzen – weniger Desktops, dafür mehr Notebooks und Tablets. Aber auch die seit 2010 geltenden Mindestanforderungen an den Stand-by-Verbrauch oder die Einführung von Energie-Etiketten und Labels wie Energy Star beeinflussen die Ökobilanz positiv.

Kurzfristige Vergleiche

Vergleicht man nur die letzten beiden Jahre miteinander, so hat der Bestand der Unterhaltungs- und Büroelektronik um 1,7 Prozent abgenommen. Der Energieverbrauch kann mit einem Minus von 1,5 Prozent nur noch knapp Schritt halten. Hauptverantwortlich ist der Trend zu grösseren Fernsehbildschirmen.

Welchen Einfluss haben Fernseh­bildschirme auf den Energieverbrauch?

Auch wenn der Absatz von TV-Geräten schrumpft – gegenüber dem Vorjahr um beachtliche 9,6 Prozent –, verhält es sich beim Stromverbrauch ­anders: Hier ist der Gesamtverbrauch im gleichen Zeitraum sogar um 4,7 Prozent gestiegen und liegt neu auf 413 Millionen kWh. Energiefresser ist der immer grössere Anspruch an Erlebnisqualität: grössere Bildschirme, Full-­HD- oder 4K-Auflösung, höherer Kontrastumfang.


Hatte ein TV im Jahr 2000 noch durchschnittlich eine Bildschirmfläche von 0,19 Quadratmeter, waren es 2021 bereits 0,84 Quadratmeter. Das Mass entspricht einer Bilddiagonale von 136 Zentimetern oder 53 Zoll. Das Kinofeeling zu Hause hat jedoch seinen Preis: Jeder Quadratzentimeter Bildschirmfläche verlangt ein Quäntchen mehr Energie. Gegenüber dem Vorjahr stieg der durchschnittliche jährliche Energieverbrauch der Neugeräte pro Quadratmeter Bildschirmfläche um 4,5 Prozent auf 189 kWh (Grafik 2).

Energieeffizienz bei TV-Geräten am Limit?

Angebot und Nachfrage nach energiesparenden Produkten haben den Verbrauch über die letzten Jahrzehnte gesenkt. Die neue Etikettierungsskala sowie verschärfte Messmethoden sollen helfen, noch mehr Strom zu sparen. Dennoch scheint es, als wäre die Energieeffizienz bei Fernsehgeräten nach 21 Jahren langsam am Limit. Würde sich die Nachfrage nach grossen Fernsehbildschirmen für die nächsten Jahre einpendeln, könnten zeitgleich neue Technologien reifen. Dies liegt nicht nur im Interesse der Hersteller, sondern der Gesellschaft. Denn auch Komfortansprüche haben Grenzen – zum Beispiel in Form von Raumdimensionen.

Gesamtübersicht Energieeffizienzanalyse von Elektrogeräten 2022

Seit rund 20 Jahren werden für die wichtigsten Elektrogeräte die jährlichen Verkaufszahlen und die Anteile der jeweiligen Energieeffizienzklassen in der Schweiz erfasst. Über Modellrechnungen wird abgeschätzt, welche Bestände es in jeder Kategorie gibt und wieviel Energie diese pro Jahr verbrauchen.



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