Blickpunkt Häfliger

Awarditis Digitalis - oder wenn die IT auf der Strecke bleibt

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2018/07 – Seite 1
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7. Juli 2018 -
Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie viele Preisverleihungen es in der Schweizer IT-Branche gibt? Das können Sie gar nicht. Denn die Schweizer IT-Award-Landschaft ist mittlerweile dermassen zerklüftet, dass ob der vielen Themen und der schieren Flut an Preisverleihungen ganz sicher niemand mehr den Überblick behalten kann. Das Phänomen, dass in Teildisziplinen der Informatik Auszeichnungen vergeben werden, ist zwar nicht neu. Bereits früher gab es diese Tendenz zur Vielfalt. Doch sie hat in den letzten Jahren nochmals stark zugenommen. Ich will aber hier gar nicht erst damit anfangen, nach besonders augenfälligen und ausgefallenen Beispielen zu suchen, um die doch erhebliche – freundlich gesagt – Breite zu veranschaulichen.

Von den Anfängen...

Früher waren es so einfach fassbare Bereiche wie der IT-Handel mit seinem vor beinahe zwei Jahrzehnten ins Leben gerufenen "Swiss IT Reseller Disti Award" oder der wenige Jahre später von der Schwester-Zeitschrift "Swiss IT Magazine" lancierte Swiss IT Award für herausragende Schweizer IT-Projekte in Kundenunternehmen, welche der Branche zu einer Art selbst verliehenem Gütesiegel verhalfen. Erwähnt seien an dieser Stelle auch die Best of Swiss Web Awards, welche der Ende der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrtausends aufkeimenden Webagenturen-Branche zur Ehre gereichen sollte. Bedauerlich, aber eigentlich nebensächlich ist, dass ausgerechnet die Auszeichnung zum besten Schweizer Chefinformatiker mit dem Swiss CIO Award keine Schweizer Idee ist. Denn der Swiss CIO Award wird seit sieben Jahren in Folge von einer österreichischen Event-Firma organisiert.

...zur ausufernden Award-Flut

Aber eben: zusätzlich zu den "grossen" Kategorien gibt es mittlerweile für alles und jeden in der Informatik eine eigene Auszeichnung. Es haben in den letzten Jahren derart viele Preise unterschiedlichster Güte und Herkunft unser Land überflutet, dass ich mich frage, wozu das überhaupt noch gut sein soll. Denn was eigentlich gut gemeint ist – nämlich eine Disziplin und deren Vertreter ausreichend zu würdigen und gleichzeitig mit der Anerkennung den Wettbewerb anzukurbeln –, schlägt meiner Meinung nach seit Längerem ins glatte Gegenteil um. Seien wir ehrlich, anstatt der IT zu mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu verhelfen, rufen all die Preisverleihungen doch eher eine Überdrussreaktion hervor. "Nicht noch einen Award!", ist man da geneigt zu rufen.
 
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