Luc Haldimann - Der Kreative
Quelle: Unblu

Luc Haldimann - Der Kreative

Luc Haldimann muss sich immer wieder kreativ ausleben. Deshalb erstaunt es wenig, dass der 38-Jährige bereits sein sechstes Unternehmen gegründet hat.
31. August 2011

     

«Man sollte nicht schneller fahren, als die Scheinwerfer leuchten, damit man sieht, wie weit man kommt und auch bremsen kann.» Dies der Rat, den Luc Haldimann jungen Leuten mit Unternehmerplänen auf den Weg gibt. Der Tausendsassa, der momentan seinen Fokus vor allem auf sein auf Co-Browsing-Lösungen spe­zialisiertes Start-up Unblu legt, hat in seiner beruflichen Laufbahn schmerzhaft erfahren müssen, was passieren kann, wenn man sich diesen Ratschlag nicht zu Herzen nimmt.


Als nämlich im Jahr 2000 die Internetblase platzte, stand Haldimann mit seinem während des Studiums gegründeten Content-Management-Hersteller Obtree kurz vor dem Börsengang. «Wir haben in dieser Zeit eine Transformation von einer Projektfirma, die ein Produkt hat, zu einer Produktfirma, die Projekte dazu liefern kann, durchgemacht», erzählt Haldimann. Obtree sei schnell gewachsen und habe sowohl Mitarbeiter als auch Umsatz jährlich verdoppeln können. Doch dann brach der Markt zusammen, und Haldimann musste sich vom Börsentraum verabschieden. «Die Möglichkeit, eine gute Bewertung und somit das notwendige Kapital zu bekommen, war so gering, dass wir keine Chance sahen, unsere geplante Strategie umzusetzen», erinnert sich Haldimann.
«Nun mussten wir rudern, um unsere Strukturen wieder an eine Firma anzupassen, die nicht an der Börse ist und nicht mehr die selbe Strategie verfolgt.» So war etwa die Mitarbeiterzahl bereits im Vorfeld ausgebaut worden. Seither weiss Haldimann, dass «Entlassungsgespräche etwas vom Schwersten sind, was es gibt.» Diese Geschehnisse in jungen Jahren haben ihn vorsichtiger gemacht. Heute schaue er zuerst, dass die Finanzierung stehe, bevor man Leute einstelle, in der Hoffnung, dass man dann auch die Finanzierung bekomme.

Immer wieder Neues schaffen

Als Obtree den Turnaround geschafft hatte, verkauften Haldimann und sein Mitgründer das Unternehmen. «Wir waren zu jener Zeit an einem Punkt angelangt, wo wir etwas ruhigeres Gewässer suchten. Wir hatten es geschafft, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, aber es war sehr anstrengend. Und um solide und langfristig auf eigenen Beinen stehen zu können, hätten wir noch einige weitere Massnahmen treffen müssen», erklärt Haldimann die Beweggründe. So wurde Obtree an Ixos verkauft, welches dann seinerseits eineinhalb Jahre später an Opentext ging.

Bei Opentext – wo er das erste Mal wirklich als Angestellter tätig war – fühlte sich Haldimann nicht eingeengt, aber: «Ich konnte nicht mehr so kreativ sein.» Und Kreativität ist für Haldimann sehr wichtig. Als junger Mann machte er in den USA im Rahmen eines Austauschjahres das Privatpilotenbrevet. Das habe ihm Spass gemacht, aber er habe schon dazumal gemerkt, dass dieser Beruf für ihn zu wenig kreativ sei. «Ein Pilot ist ein Taxifahrer in der Luft – überspitzt gesagt. Es sind tolle, ehrenwerte Berufe. Aber ich schaffe gerne Neues.»


So gründete er nach seinem Weggang von Opentext das Beratungsunternehmen Anycase, das er auch heute noch führt. Doch mittler­weile ist mit Unblu ein weiteres Haldimann-Unternehmen dazugekommen. 2006 stolperte er an einem Event über seine künftigen Unblu-Partner. Diese hielten dort einen eindrücklichen Vortrag, erinnert er sich: «Sie spielten mit Technologie im Web herum, die aufzeichnet, was auf einer Webseite passiert und dies nachher als Video abspielt, ohne etwas lokal zu installieren.» Der Prototyp für Unblu war geboren. Haldimann ist Feuer und Flamme für sein jüngstes «Baby» und sprudelt über vor Ideen. Langweilig dürfte es ihm also auch in Zukunft nicht werden. Vor allem auch nicht angesichts der Tatsache, dass er 2007 nebst seinen Firmen noch Swiss Made Software aus dem Boden gestampft hat. Das Label erlaubt es Schweizer Software-Produzenten, die mindestens 60 Prozent ihres Produktes hierzulande herstellen und deren Kernprozesse ebenfalls in der Schweiz stattfinden, ihre Lösungen als «swiss made» zu deklarieren.

Demut schützt vor dem Fall

Und von was träumt er noch? «Ich bin eigentlich ein recht genügsamer Mensch. Ich habe vieles schon in jungen Jahren erlebt.» Er würde aber mit seinem Produkt Unblu gerne einen Beitrag an die Umwelt leisten. Denn er ist überzeugt, dass sich mit der Co-Browsing-Lösung Reisezeiten reduzieren lassen. «Ich selber bin praktisch komplett auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen, die Umwelt bedeutet mir viel.» Ansonsten ist der 38-Jährige zufrieden: «Ich bin glücklich, mit dem was ich mache, und hoffe, dass es gut weitergeht.» Dabei will er stets demütig bleiben: «Ich habe grossen Respekt vor der Natur und vor anderen Personen. Für mich ist wichtig, dass man mit gewisser Demut durchs Leben geht, weil man sich sonst gerne einmal überschätzt.»

Luc Haldimann

Aufgewachsen ist Luc Haldimann (1973) in Muttenz. Bevor er 10 war, bekam er zu Weihnachten einen Commodore 64 geschenkt, was den Start seiner IT-Laufbahn bedeutete. Schnell gelangweilt von den Spielen auf dem Gerät wollte Haldimann mehr damit anstellen und begann zu programmieren. Trotzdem entschied er sich erst in letzter Sekunde für ein Informatikstudium an der ETH. «Ich wollte mein Hobby nicht dadurch verlieren, dass ich es zum Beruf mache. Deshalb plante ich eigentlich, Maschineningenieur zu werden. Schliesslich habe ich mir aber gesagt: Wenn man doch sein Hobby als Beruf ausüben kann, dann sollte man diese Chance nutzen.» Heute ist Haldimann Hauptaktionär von Unblu, und es gehören ihm die Firmen Anycase und C4sure. Zudem hat er das Label Swiss Made Software ins Leben gerufen. Insgesamt war er an der Gründung von sechs Unternehmen betei­ligt: Neben Obtree, Anycase und Unblu auch C4sure, Swiss Made Software und Pervivo. Viel Freizeit bleibt da nicht. «Aber ich versuche, nicht mehr als 50 Stunden pro Woche zu arbeiten.» Seine freie Zeit verbringt Haldimann am liebsten mit seiner Familie im Berner Oberland. (abr)



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