Die Ausgaben für sogenannte souveräne Cloud-Infrastrukturen (Infrastructure as a Service, IaaS) werden in den kommenden Jahren stark steigen und zu einer Verschiebung von globalen hin zu lokalen Cloud-Anbietern führen. Das geht aus einer aktuellen Prognose des Marktforschungsunternehmens
Gartner hervor. Demnach werden die weltweiten Investitionen in souveräne Cloud-IaaS im Jahr 2026 ein Volumen von rund 80 Milliarden US-Dollar erreichen. Das entspricht einem Anstieg von 35,6 Prozent gegenüber 2025.
Hintergrund dieser Entwicklung ist vor allem die wachsende geopolitische Unsicherheit. Organisationen ausserhalb der USA und Chinas investieren laut Gartner verstärkt in nationale oder regionale Cloud-Infrastrukturen, um digitale und technologische Unabhängigkeit zu gewinnen und Wertschöpfung im eigenen Wirtschaftsraum zu halten. Haupttreiber der Nachfrage bleiben staatliche Stellen, danach folgen stark regulierte Branchen sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Mit Blick auf die Regionen rechnet Garnter für 2026 im Nahen Osten und Afrika (plus 89 Prozent), im Asien-Pazifik-Raum (plus 87 Prozent) sowie in Europa (plus 83 Prozent) mit dem grössten Wachstum. Beim absoluten Ausgabenvolumen liegen China mit prognostizierten 47 Milliarden US-Dollar und Nordamerika mit 16 Milliarden US-Dollar weiterhin an der Spitze. Das Wachstum fällt dort jedoch mit rund 20 Prozent deutlich moderater aus. Für 2027 rechnet Gartner zudem damit, dass Europa Nordamerika beim Ausgabenniveau überholen wird.
Ein zentraler Trend ist laut
Gartner in diesem Kontext die sogenannte "Geopatriation", also die gezielte Rückverlagerung digitaler Workloads in nationale oder regionale Cloud-Umgebungen. Infolge entsprechender Projekte dürften etwa 20 Prozent der derzeit bei globalen Anbietern betriebenen Workloads zu lokalen Cloud-Providern wechseln. Für grosse internationale Cloud-Anbieter wächst damit der Wettbewerbsdruck. Lokale Provider gewinnen Marktanteile, während Regierungen zunehmend eine stärkere regionale Verankerung von Plattformen verlangen, um regulatorische Vorgaben und nationale Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Nach Einschätzung von Gartner reicht es nicht mehr aus, digitale Souveränität ausschliesslich als Sicherheits-, Regulierungs- und Compliance-Thema zu behandeln. Globale Anbieter müssten länderspezifische Souveränitätsanforderungen strategisch berücksichtigen, um im lokalen Cloud-Geschäft wettbewerbsfähig zu bleiben.
(sta)