Zibris: Im Büro zu Hause
Quelle: Zibris

Zibris: Im Büro zu Hause

Die Zibris-Chefs wollen nicht eifach nur ein Büro – sie wollen sich und ihren Arbeit­nehmern ein zweites Zuhause schaffen. Dafür hat der Storage-Disti viel investiert.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2023/09

     

«Wir unterscheiden in dem Sinn nicht zwischen Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern – für uns sind das alles Partner», entgegnet Mariano Isek, Managing Director und Mitinhaber des auf Storage-Lösungen spezialisierten Distis Zibris, wenn er nach dem wichtigsten Eckpfeiler der Firmenkultur in seinem Unternehmen gefragt wird. In dieser Aussage widerspiegelt sich denn auch eines der zentralen Elemente, die im Gespräch mit ihm und seinem Geschäftspartner Claudio Brogna immer wieder zum Thema werden: Sie suchen partnerschaftliche – ja, fast familiäre – Verhältnisse zu allen Personen, mit denen sie im Arbeitsalltag interagieren. «Das Produkt ist immer nur eines: Etwas, das man eben verkauft. Das wirklich Wichtige ist aber der Mensch. Es geht immer darum, sich gegenseitig zu helfen. Das ist unser Ziel», wie Isek ausführt.


Das Credo, das Isek und Brogna für sich und ihre Firma hochhalten und das sich in vielen Punkten der Zibris-Philosophie wiederfindet: Der Mensch steht im Zentrum. Immer. Und das merkt man – an den Räumlichkeiten, am Umgangston im Unternehmen und auch an den Prinzipien und Regeln, nach denen die beiden Inhaber ihre Firma führen. Und wie alles im Leben ist das für manche perfekt und für manche eben nicht.

Wohlfühloase

Hätte man eine Stunde ganz alleine für sich in den Räumlichkeiten, nach welcher man die Unternehmensphilosophie erraten müsste, würde man wohl auch selbst drauf kommen: Hier wuseln nicht nur Arbeiterbienen, hier will sich jemand wohlfühlen und es anderen ebenfalls wohlig gestalten. Es gibt viel Platz ausserhalb der einzelnen Arbeitsplätze, einen grosszügigen Event-Raum, Pflanzen und zahlreiche Aktivitäten, wie etwa einen Billard-­Tisch, eine Foto-Box in Form einer Tanksäule und eine einladende Bar mit üppiger Getränkeauswahl. Wer auch immer das alles geplant und gebaut hat – es war klar, dass es nicht «nur» das Büro eines Speicher-Distis sein soll.


So ist das ganze Zibris-Reich primär darauf ausgelegt, ein Hub zu sein. Ein Ort, an dem man Raum findet, sich zu begegnen und, wie es Isek betont, die erwähnten Partnerschaften zu pflegen. Das passiert etwa in Form von Events, Workshops und Schulungen, die Zibris hier für seine Partner durchführt. Auch, so Isek, seien seine Büros eine Plattform, die seine Kunden und Lieferanten zuweilen selbst als Arbeitsplatz nutzen könnten. Konzipiert haben die Geschäftsführer ihre heiligen Hallen, in die sie vor fünf Jahren umgezogen sind, fast von Grund auf selbst. «Wir haben das Gebäude im Rohbau übernommen. Ich habe ursprünglich mal Zeichner gelernt und das alles selbst geplant», wie Isek beim Gang durchs Zibris-HQ sichtlich stolz verrät.

Es muss leben

«Das alles» umfasst so einiges. Ein Grossteil der rund 30 Mitarbeitenden von Zibris arbeitet in den Büroräumlichkeiten, die zwar offen, aber schlau unterteilt sind. Das Raumgefühl ist modern und heimelig zugleich, indem mit Pflanzen, Meeting-­Boxen und Akustik-Raumtrennern kleine Zonen geschaffen wurden. Gleich neben den Büroarbeitsplätzen findet sich das säuberlich geordnete Lager sowie ein Staging- und Montageraum.

Auf der anderen Seite des Traktes liegt der erwähnte Event-Raum «The Room» mit Bar, Aktivitäten, Esstischen und einer professionell eingerichteten Küche. Hier wird täglich von einem fest angestellten Koch für die Mitarbeiter gekocht, diese können ihren frisch zubereiteten Lunch für faire 10 Franken pro Mahlzeit beziehen. Und nachdem der Teller ausgeputzt ist, werden am Billard-Tisch noch ein paar Kugeln gestossen oder gemütlich ein Espresso getrunken, bevor es zurück an die Arbeit geht. Der Raum ist aber nicht nur zum Plausch da, wie Isek betont – er wird auch für diverse Events wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Seminare et cetera vermietet. Dafür beschäftigt Zibris denn auch zwei festangestellte «The Room»-Mitarbeiter, die diese Veranstaltungen planen und durchführen.


Einen Stock weiter unten hat Zibris, genauer gesagt die Schwesterfirma Blox, die auf den Verkauf exklusiver Büro-Einrichtungen spezialisiert ist, noch weitere Raumfläche. Genutzt wird diese zum einen als Showroom für Blox, zum anderen aber auch als Coworking-Space, den Blox vermietet. Als die Zweitfirma gegründet und der Showroom ins Leben gerufen wurde, hatte Isek den Wunsch, dass dieser kein klinisches Schaufenster bleibt. «Das Ganze soll leben!», wie er erklärt. Derzeit mietet eine Handvoll Kleinstunternehmen Büroflächen im Blox-Showroom. Und auch hier wird die Community gepflegt: Die Leute aus dem Coworking-Space sind dazu eingeladen, das Gastro- und Aktivitätsangebot von Zibris ebenfalls mitzunutzen. Und so haben die Räumlichkeiten respektive deren Gestaltung vor allem ein Ziel, wie die beiden Inhaber erklären: «Wir wollen, dass sich die Menschen hier wohl fühlen!»

Eine sehr klare Handschrift hat auch die gesamte Deko. Wer Zibris kennt, der weiss es schon; wer sich in den Büros bewegt, gezwungenermassen ebenfalls: Hier sind Rocker und Biker am Werk – entsprechend gestaltet ist der Laden. Es gibt die erwähnten Tanksäulen, einen Zapfhahn aus einem Motor, Totenschädel-Modelle und sogar ein paar gut gepflegte Choppers, welche die die Büros zieren.

Kommunistisch-konservativ

Was bei Zibris trotz hochmodern eingerichteten Büros mitschwingt, ist ein Bewusstsein für traditionellere Strukturen. Bei den Räumlichkeiten lässt sich das vielleicht an den Einzelbüros der Chefs ablesen. Nach seinem Führungsstil gefragt, antwortet Isek denn auch mit breitem Grinsen und seinem typischen Humor: «Unser Führungsstil ist kommunistisch-konservativ – wir sagen, was läuft!» Sein Geschäftspartner Claudio Brogna schafft etwas Kontext: «Im Ernst – das wird auch geschätzt, denn so bleiben die Entscheidungswege kurz. Wenn ein Mitarbeiter eine gute Idee hat, wird diese bei uns nicht in Wochen oder Monaten, sondern sofort umgesetzt.» Und Isek ergänzt: «Durch die rege und gepflegte Gesprächskultur werden Dinge aber nicht einfach entschieden. Es entsteht Kreatives, das vom Mitarbeiter ausgeht.»

Dafür, so sind die beiden Inhaber überzeugt, ist aber eben menschlicher Kontakt notwendig. Und damit gelangt schnell man zu einem seit 2020 allgegenwärtigen Thema: der physischen Anwesenheit respektive der Arbeit von Zuhause aus. «Ja, wir machen Home Office – aber das Home ist eben hier», so Isek. Es gebe zwar verschiedene Modelle für die Mitarbeiter, manche arbeiten bis zu 80 Prozent remote, die Anwesenheit wird aber erstens gewünscht und zweitens gefördert. «Wir haben nicht grundsätzlich etwas gegen Home Office. Aber ich habe die Leute gerne nahe um mich herum», so Isek. Denn wenn man diesen Hub schon in dieser Form aufgebaut habe, wäre es ja auch schade, ihn nicht zu nutzen, wie er anfügt.


Dieses alternative Zuhause wurde denn auch während der Pandemie von einigen Zibris-Partnern genutzt, wenn diese wegen strengeren Richtlinien noch nicht in ihre Büros zurückkehren durften. «Die kamen hierher zum Arbeiten. Wir haben so viel Platz, dass wir die Vorschriften zum Abstand problemlos einhalten konnten», so der Managing Director.

Aus Führungsperspektive, da könne er ganz ehrlich sein, beäugt Isek Home Office aber grundsätzlich kritisch. Und es geht ihm einmal mehr vor allem um den Menschen. «Ich will meine Mitarbeiter spüren, und das ist für mich fast unmöglich, wenn die im Home Office sitzen», wie er resümiert. «Zu wissen, wie es einem Mitarbeiter geht und ihn, wenn nötig, unterstützen zu können, ist sehr wichtig für mich.»

Und wie steht es bei Zibris um die aussergewöhnlichste Version der Remote-Arbeit, der Workation? «Das ist das, was Claudio und ich seit 25 Jahren während unseren Ferien machen», so Isek lachend und beantwortet damit auch gleich die Frage – gibt’s bei Zibris nicht.

Und diese Firmenkultur, in der die physische Anwesenheit Teil des familiären Zusammenhaltes und damit der Unternehmensidentität ist, hat laut den Inhabern sogar einen wirtschaftlichen Effekt. «Das darf man ja eigentlich nicht verraten», so Isek mit einem Augenzwinkern, «aber unsere persönlichen Strukturen sind letztlich ein Wettbewerbsvorteil für uns!»

Getränke, Geschenke und Gym-Abo

Von diesem Vorteil bekommt die Zibris-Belegschaft natürlich auch etwas ab. So stellt Zibris wie erwähnt etwa das stark subventionierte Mittagessen und kostenlose Getränke. Neben den üblichen Jubiläumsgeschenken gibts zu jedem Geburtstag einen Arbeitstag geschenkt und die Fitnesscenter-­Mitgliedschaft im Gym direkt unter den Zibris-­Büros wird ebenfalls gesponsort. Auch gegenüber Weiterbildungen zeigt man sich laut den Inhabern sehr offen. «Alles, was der Firma etwas bringt, wird zu 100 Prozent von uns übernommen», so Isek. In der Regel wird dies mit einer 24-monatigen Verpflichtung gekoppelt.


Und natürlich wird die Zibris-Familie auch über die Arbeitszeit hinaus rege gepflegt – unter anderem in Form zahlreicher Events, begonnen beim Kinoanlass im eigenen Event-Room bis hin zu Jubiläumsreisen mit der Belegschaft, die alle fünf Jahre stattfinden. Beim letzten Mal ging’s nach Manchester.

Alles für die Familie

Sucht man ein Wort für das Erfolgsrezept in der Unternehmenskultur bei Zibris, ist dieses wohl «Familie». Und wie in einer Familie üblich, lässt man bei Zibris laut den Inhabern viel Platz und zeigt Verständnis für die Bedürfnisse und privaten Probleme der Belegschaft. «Wenn die Leute beispielsweise ein Problem in der Familie haben, ist es für uns das Wichtigste, dass sie das zuerst lösen können. Dann ist ein Elternurlaub eben auch mal länger, als das Gesetz das vorschreibt», so Isek. Wenn es um Entscheidungen dieser Art geht, stünden gesunder Menschenverstand und Empathie ganz zuvorderst. (win)
Zibris – zum Unternehmen
«Wir sind tätowiert, fahren Harley Davidson, hören Rockmusik – ausserdem sind wir ein ziemlich cooler Value Added Distributor», heisst es auf der Website von Zibris. Gegründet wurde der VAD 1999 von Mariano Isek, der als Managing Director wirkt, und Claudio Brogna, der die Rolle des Sales Director innehat. Die Spezialisierung von Zibris liegt in den Bereichen Server und Storage, in der Archivierung, Virtualisierung und im Cloud-­Umfeld. 2018 bezog Zibris seinen aktuellen Geschäftssitz in Rothen­burg, zu dem auch die Eventlocation «The Room» inklusive vollausgestatteter Bar gehört. Zibris zählt rund 30 Mitarbeitende.


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