Die zum Jelmoli-Konzern gehörende Dipl. Ing. Fust AG hat rückwirkend auf Anfang Jahr vom Maus-Konzern die sieben Standorte und das Personal der Elektro-Plus-Fachmärkte in Hinwil, Emmen, Oftringen, St. Gallen, Basel, Mels/Sargans, und Villars übernommen. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.
Bei den Läden handelt es sich allesamt um Grossmärkte von über 2000 Quadratmetern. Der Standort Basel wird in den St. Jakob-Park verlegt. Die sieben Fachmärkte erwirtschafteten im letzten Jahr den bescheidenen Umsatz von 104 Mio. Franken und, so die Pressemeldung, ein positives Betriebsergebnis.
Da die Firmenzentrale in Oensingen aufgehoben wird, erhalten die dort arbeitenden Leute Stellenangebote von den Zentralen von Fust (Oberbüren SG oder Niederwangen BE) bzw. von Portable Shop (Fällanden ZH).
Trend zu Grossmärkten
Mit der Übernahme verfügen Digital Home und Fust jetzt über 18 grossflächige Fachmärkte von über 1000 Quadratmetern Grösse. Jelmoli plant in den Grossmärkten branchenspezialisierte Ladenkonzepte im bewährten Shop-in-Shop-Stil umzusetzen. Fust hat seit einiger Zeit begonnen, die Filialgrösse massiv zu erhöhen, um so mit dem Shop-in-Shop-Konzept die unterschiedlichsten Angebote in einem Laden zu vereinen.
In den 18 Grossmärkten sollen künftig Produkte der Ladenketten Digital Home (Telecom, PC Hard- und Software, Digital Video und Foto), The Portable Shop (Notebooks, Handhelds), Sound Vision (Unterhaltungselektronik) und Fusts traditionelle Elektrohaushaltgeräte angeboten werden.
Wieso hat der Maus-Konzern, der bereits die City-Disc-Kette veräussert hat, die Elektro-Plus-Märkte abgestossen? Thomas Stiefel, der Gründer von Portable Shop und Initiator des Shop-in-Shop-Konzepts von Digital Home, zu IT Reseller: «Man hat wohl einfach nicht die Grösse erreicht, um von Einkaufsvorteilen zu profitieren. Für uns ist es natürlich ein Super-Deal. Jelmoli hat den Trend zu Grossmärkten erkannt, will sich mit seinem Konzept aber bewusst von bestehenden Grossflächen-Discountern abheben.»
Ähnlich, aber doch anders
In den Grossmärkten wird nach dem bewährten Shop-in-Shop-Konzept gearbeitet: «Jeder Bereich hat seinen eigenen Namen, seinen eigenen Auftritt, seinen eigenen Marktleiter und am wichtigsten, sein eigenes, auf die Produkte geschultes Personal.» Es soll einem also bei Digtal Home / Fust nicht passieren, dass man zwar für einen Staubsauger, nicht aber für eine digitale Videokamera die nötige Beratung bekommt.
In den Grossmärkten soll noch ein weiterer Anbieter, vorzugsweise aus dem Media-Bereich (Bücher, CDs, DVDs), vertreten sein. Wird dies, ähnlich wie in der Multimedia Factory im Jelmoli-Haupthaus, Direct Media sein? Stiefel: «Gespräche sind mit verschiedenen Anbietern am Laufen, wir können uns sogar vorstellen, den Bereich selber abzudecken. CDs und DVDs dürfen auf keinen Fall fehlen.»
Von der Wanne bis zum Vaio
Dass Stiefel, wenn er schon Heimelektronik verkauft, auch gleich die Musik und Filme dazu vermarkten will, ist verständlich. Was aber hat es mit der Ankündigung auf sich, dass neben den erwähnten Shops auch noch Fusts Küchen- und Badrenovationen mitangeboten werden sollen?
Überspannt man bei Jelmoli jetzt den Bogen? Der Mann, der mit dem Shop-in-Shop-Konzept der Ladenkette Digital Home die serbelnde PC-Ecke in den Fust-Läden aus dem Sumpf geholt hat, wird wohl eine Antwort dafür bereit haben, wieso man neben Telefone, PCs, Videorecorder und Notebooks auch noch Badewannen-Verkäufer und Fliesenleger stellt.
Und prompt kontert er: «Fust hat bereits jetzt in ca. 20 Fachmärkten einen Küche-/Bad-Teil neben den Haushaltgeräten. Dieses Angebot soll deshalb auch in den E-Plus-Märkten aufgenommen werden, wenn es genügend Platz hat und wenn nicht schon in der Nähe ein Fust-Standort ist. Fust ist schliesslich einer der grössten Küchenbauer der Schweiz.»
Weit gewichtiger erscheint uns aber folgendes Statement: «In den Elektro-Plus-Fachmärkten wird zur Zeit mit PCs, Telekom und Unterhaltungselektronik 70 bis 80 Prozent des Umsatzes gemacht, nur 20 bis 30 Prozent mit den Elektrogeräten. Wenn wir die Jungendlichen in die Läden kriegen, können wir damit die ganze Familie ‚abholen‘.»
In der Tat ist es bereits bei Fust gelungen, die ganze Familie mit Angeboten über die Haushaltsgeräte hinaus zu bedienen. Die Familie mit Eigenheim braucht nicht nur eine Stereoanlage, einen Fernseher, einen PC für die Kids und eine Digicam für den Papi, sondern auch eine Waschmaschine, eine Küche und für alle ein Badezimmer. (mh)
«PC-Absatz hält sich in Grenzen.»
IT Reseller: Am 1. Oktober 1999 hat Portable Shop das PC-Geschäft von Fust übernommen. Wie läuft das Geschäft mit PC-Hardware eineinhalb Jahre danach?
Thomas Stiefel: «Der Absatz von PCs hält sich bei uns in Grenzen. Aus zwei Gründen halten wir am Angebot aber fest: Erstens ist der PC der Einstieg in die digitale Welt und zweitens ist er immer noch die Schnittstelle zu Multimedia-Peripherie, PDAs und Handys, zum Hauptgeschäft von Digital Home also.»
Fust und Portable Shop: Bald eine Milliarde Umsatz
Die zum Jelmoli-Konzern gehörende Dipl. Ing. Fust erwirtschaftete im Jahr 2000 mit gut 1000 Mitarbeitern einen Umsatz von 545 Mio. Franken. Die auch zu Jelmoli gehörende Portable Shop AG erreichte letztes Jahr mit 350 Mitarbeitern einen Umsatz von 170 Mio. Franken.
Zu Portable Shop gehört auch die Ladenkette Digital Home, die ursprünglich aus dem Telekommunikations- und PC-Bereich von Dipl. Ing. Fust AG entstand und die im Shop-in-Shop-Konzept in Fust- und Portable-Shop-Läden integriert ist. Fust ist mit total 140 Läden, Portable Shop / Digital Home mit 50 Standorten schweizweit vertreten.
Durch die Übernahme der Electro-Plus-Fachmärkte (Umsatz 104 Mio. Franken im 2000) wird Fust und Portable Shop in diesem Jahr einen geschätzten Umsatz von 900 Mio. Franken erreichen. Nächstes Jahr dürfte also die Milliarden-Grenze durchbrochen werden.