Quantencomputer werden unter anderem bei IBM in Rüschlikon entwickelt. Sie sehen aus wie moderne Kunstwerke, und man kann sie auf einem Besuchsrundgang ansehen. Mit und an Quantencomputern wird geforscht und entwickelt. Doch bald werden sie auch von Konzernen und Anwenderinnen und Anwendern genutzt. Sie werden unseren digitalen Alltag verändern. Und sie werden zu einem strategischen Faktor für Unternehmen.
Vom Hype zur Relevanz
Quantum Computing gilt als Technologie für besonders schwierige Probleme – für solche, die selbst mit den leistungsfähigsten Rechnern heute nicht lösbar sind. Quantencomputer werden nicht nur in der Materialforschung und der Chemie zu Durchbrüchen führen, sondern auch die Finanzmodellierung oder Risikobewertung verändern. Gemäss einer Studie der Boston Consulting Group hat Quantencomputing das Potenzial für eine Wertschöpfung von über 500 Milliarden US-Dollar. Quantencomputer sind also wirtschaftlich hoch relevant. Oder anders gesagt: Mit ihnen lässt sich sehr viel Geld verdienen.
Viele Unternehmen investieren bereits aktiv: «Quantencomputing aggregiert im Durchschnitt 11 Prozent der F&E-Budgets», sagt Oliver Ottow, Forschungsleiter bei IBM. 2023 waren es noch 7 Prozent. Besonders stark sind die Branchen Luftfahrt und Verteidigung, der staatliche Sektor, Finanzdienstleistungen sowie Gesundheit und Life Sciences (siehe Grafik).
Wir müssen Quantum-Ready sein
Für die ICT-Praxis bedeutet dies die Einbettung von Quantencomputing in bestehende IT-Landschaften, um Quantum Readiness zu erreichen. «Die Zukunft der Datenverarbeitung wird aus Quantencomputing, KI und klassischer Datenverarbeitung bestehen», sagt Ottow. Quantencomputer ersetzen klassische Systeme nicht, sondern erweitern sie gezielt dort, wo ihre Stärken liegen. In der ICT-Branche gilt es deshalb, frühzeitig Kompetenzen aufzubauen, hybride Architekturen zu verstehen und Use Cases systematisch zu evaluieren.
Aber nicht nur das. Mit Quantencomputern können Passwörter geknackt werden, die wir heute für hundertprozentig sicher halten. Mathematische Probleme, die für normale Computer äusserst schwer zu lösen sind, sind für Quantencomputer ein Kinderspiel. Besonders dringlich ist deshalb die quantensichere Kryptografie: Grosse Player wie Google wollen die Migration auf Post-Quanten-Kryptografie bis 2029 abgeschlossen haben. Auch andere Firmen müssen ihre Systeme auf Post-Quanten-Kryptografie umstellen.
Denn Angreifer sammeln bereits heute verschlüsselte Daten, um sie später mit Quantencomputern zu entschlüsseln, nach dem Motto: Harvest now, decrypt later. Die Risiken: vertrauliche Daten, die an die Öffentlichkeit gelangen, manipulierte Authentifizierungen, Fälschung digitaler Signaturen. Die gute Nachricht ist laut Oliver Ottow: «Quantum-sichere Technologien existieren und werden standardisiert.»
Was Schweizer Unternehmen jetzt konkret tun sollten
Für Schweizer Unternehmen heisst das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Kryptosysteme, Datenklassifikationen und Migrationspfade zu überprüfen. Für die ICT-Praxis lassen sich drei Handlungsfelder ableiten:
Awareness schaffen: Führungskräfte und IT-Teams sollten die Grundlagen und Potenziale verstehen.
Anwendungsfälle identifizieren: Besonders dort, wo komplexe Optimierung oder Simulationen entscheidend sind.
Quantum-Sicherheit vorbereiten: Frühzeitige Planung für Post-Quantum-Kryptografie ist essenziell.
Quantum Computing ist kein Zukunftsthema mehr, sondern ein strategischer Faktor für Innovationsfähigkeit und Sicherheit. Oder wie Oliver Ottow es zusammenfasst: «The time to act is now!»
Der Autor
Quelle: Thomas Entzeroth
Der gebürtige Engadiner Jon Fanzun ist seit August 2024 Geschäftsführer des Branchenverbands
Swico. Mit über 20 Jahren Führungserfahrung in der nationalen und internationalen Politik verfügt er über ein breites Netzwerk in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Als Sondergesandter für Cyberdiplomatie vertrat er die digitalen Interessen der Schweiz auf internationaler Ebene.