Seit November steht im Zürcher Josy-Areal eine grüne Box. Wer sein altes Handy, Laptop oder Tablet dort einwirft, gibt es nicht zum Recycling, sondern gezielt zur Wiederverwendung. Was simpel klingt, ist für uns als
Swico Recycling ein neuer Ansatz. Wir sind seit drei Jahrzehnten Partner für die letzte Phase im Lebenszyklus von Elektronik. Jetzt testen wir in einem Pilotprojekt, ob wir diese Phase in einzelnen Fällen noch verlängern können – als Ergänzung, nicht als Ersatz.
Was die erste Pilotphase gezeigt hat
Während eines Jahres haben wir an zwölf Sammelstellen schweizweit ReUse-Boxen neben die regulären Recyclingbehälter gestellt. Dann haben wir analysiert: insgesamt 4565 Geräte, davon 1686 aus dem ReUse-Behälter und 2879 aus dem normalen Recycling. Zwischen 7 und 19 Prozent der gezielt für ReUse abgegebenen Geräte waren tatsächlich noch brauchbar. Bei Laptops lag die Quote am höchsten.
Das heisst im Umkehrschluss: Die meisten Geräte bleiben Elektroschrott. Zu alt, zu kaputt, durch Cloud-Sperren blockiert. Besonders bei Smartphones überschätzen Konsumentinnen und Konsumenten, was ihr Gerät noch wert ist. Aber – und das ist entscheidend – die Einschätzung der Leute stimmt tendenziell. Denn aus dem normalen Recycling-Kanal kommen noch viel weniger wiederverwendbare Geräte.
Warum wir das Potenzial prüfen
Mit jedem Smartphone, das ein zweites Leben bekommt, werden Rohstoffe, Energie und Emissionen gespart. Die Produktion neuer Geräte ist der grösste Umweltfaktor im Lebenszyklus von Elektrogeräten. Wenn wir durch ReUse auch nur einen kleinen Teil der Geräte länger nutzen, hat das eine Wirkung. Die Frage, die wir uns stellen, ist: Wird dieses Potenzial in der Schweiz ausgeschöpft?
In der zweiten Phase des Projekts gehen wir deshalb einen Schritt weiter: Ein speziell entwickelter grüner Sammelcontainer steht derzeit in Zürich auf dem Josy-Areal. Unsere speziell entwickelten Sammelgebinde werden danach bei zwei weiteren Sammelstellen im Kanton Zürich und in Zug platziert, um weitere Geräte für die Entwicklung des Business Case sammeln zu können. Parallel dazu werden zusätzliche Funktionstests mit spezialisierten Partnern durchgeführt.
Damit wollen wir den Business Case validieren: Denn ReUse muss sich rechnen – ökologisch wie wirtschaftlich.
Keine Kompromisse beim Datenschutz
Ein Punkt ist dabei nicht verhandelbar: Die Datensicherheit. Wir empfehlen allen, ihre Geräte vor der Abgabe auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Sollten trotzdem noch Daten drauf sein, werden diese durch unsere Projektpartner nach ISO-27001-Standard professionell gelöscht, digital oder physisch. In dieser Hinsicht gibt es keinen Kompromiss.
Recycling bleibt unser Kern
Was für die einen Elektroschrott ist, hat für andere noch Wert. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Aber die systematische Prüfung, welche Geräte im System von
Swico noch länger nutzbar wären, ist unser Beitrag.
Deshalb testen wir nach 30 Jahren Recycling neue Wege. Nicht als Ersatz für unser Kerngeschäft, sondern als sinnvolle Ergänzung. Dabei gilt: Nur Geräte, welche die User explizit in die Boxen für die Wiederverwendung legen, werden für ein zweites Leben berücksichtigt: Recycling und Wiederverwendung bleiben zwei getrennte Kanäle. Ob ReUse als Ergänzung funktioniert, wird sich zeigen. Wir bleiben am Ball.
Der Autor
Quelle: Thomas Entzeroth
Der gebürtige Engadiner Jon Fanzun ist seit August 2024 Geschäftsführer des Branchenverbands
Swico. Mit über 20 Jahren Führungserfahrung in der nationalen und internationalen Politik verfügt er über ein breites Netzwerk in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Als Sondergesandter für Cyberdiplomatie vertrat er die digitalen Interessen der Schweiz auf internationaler Ebene.