Mitel setzt auf Stabilität und Flexibilität
Quelle: Mitel

Mitel setzt auf Stabilität und Flexibilität

Unify-Übernahme, Insolvenzverfahren, neuer CEO: Bei Mitel war zuletzt einiges los. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und der UC-Anbieter rüstet sein Vertriebsnetzwerk mit neuem Partnerprogramm für aktuelle Business-Potenziale.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/03

   

Mitel blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. In der UCC-Branche hatte es Anfang 2025 hohe Wellen geschlagen, dass nach Avaya (2017) nun auch der kanadische Anbieter ein Restrukturierungsverfahren nach dem Chapter-11-Verfahren einleiten musste. Schnell wurden Bedenken laut, dass eine weitere der einst dominierenden vier UC-Marken (Avaya, Mitel, Unify, Alcatel-Lucent Enterprise) ins Straucheln geraten sein könnte. Doch Mitel versicherte: Es handle sich um ein kontrolliertes Vorgehen, um die eigene Kapitalstruktur zu optimieren und die Schuldenlast zu reduzieren, die sich nach Privatisierung und Zukäufen angehäuft hatte.

Und das Verfahren ist dann auch tatsächlich beachtlich reibungslos abgelaufen – und aufgrund eines sogenannten Prepacked-Plans zudem besonders schnell. Bereits im Juni 2025 meldete Mitel den Abschluss, Verbindlichkeiten in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar konnten abgebaut, die damit verbundenen Zinszahlungen um rund 135 Millionen Dollar jährlich reduziert werden. «Heute beginnt ein neues Kapitel für Mitel und damit auch ein neuer Optimismus für die Zukunft der Telekommunikation», konstatierte Cas Rangel, Vorsitzender des Vorstandes der Mitel User Group, im Zuge der Abschlussverkündung. «Eine Umstrukturierung ist nie einfach, aber sie ist ein klares Zeichen für Stärke, Fokus und Zukunftsorientierung. Ich bin überzeugt, dass die Kunden einen stärkeren, agileren und reaktionsschnelleren Partner erwarten können, der besser positioniert ist, um Innovationen voranzutreiben, seine Kunden zu unterstützen und dauerhaften Mehrwert zu schaffen.»


Dennoch folgte nur wenige Monate später ein weiterer Einschnitt: die Ernennung von Mike Robinson zum neuen CEO beziehungsweise der Abschied von Tarun Loomba, der Mitel unter anderem durch die Covid-Pandemie, die Übernahme von Unify sowie zuletzt das Chapter-11-Verfahren geführt hatte. Robinson sei aber ein ausgewiesener Experte darin, Organisationen in der Post-Restrukturierungsphase zu langfristiger Stabilität und Wachstum zu führen, hiess es zu seiner Berufung.

Offene Kommunikation

Stabilität ist nach den vergangenen Jahren sicherlich keine schlechte Zielsetzung – auch für die Partner. Immerhin war der gesamte UCC-Bereich von strukturellen Umbrüchen, Konsolidierung, pandemiebedingten Turbulenzen und nicht zuletzt einer immer stärkeren Konkurrenz aus dem klassischen IT- beziehungsweise Collaboration-Umfeld geprägt. Hinzu kamen die unternehmenseigenen Entwicklungen bei Mitel.


Dennoch zeigt sich Drazen-Ivan Andjelic, Head of Channel DACH und General Manager Alpine bei Mitel, optimistisch, vor allem auch mit Blick auf die Effekte des Chapter-11-Verfahrens im Channel. Er ist überzeugt, dass die Nachricht der Restrukturierung keine grössere Verunsicherung unter Partnern und auch Kunden ausgelöst habe. Im Gegenteil. Laut dem Geschäftsführer konnte der UC-Anbieter durch frühzeitige und offene Kommunikation die Partner schnell für sich gewinnen, während die Kunden grundsätzlich keine Auswirkungen des Prozesses bemerkt hätten. «So sind wir gestärkt aus dem Verfahren hervorgegangen und befinden uns nun in einer gesunden Position.» Zudem könne Mitel die durch die reduzierte Zinslast freigewordenen Mittel gezielt an anderer Stelle in technologische Entwicklungen und weiteres Wachstum investieren.

Integration abgeschlossen

Auch an anderer Stelle macht Mitel Fortschritte. Das kanadische Unternehmen konnte die Integration der Ende 2023 von Atos übernommenen Unify abschliessen – und auch an dieser Front für Kontinuität und Stabilität sorgen. Partnerprogramm, Incentives und Produktportfolio sind vereinheitlicht, einzig die einstigen Unify-Produktbezeichnungen Open Scape und Unify Phone sowie einige Kundenverträge sind letzte Überbleibsel der Siemens-Vergangenheit. Darüber hinaus ist das Kapitel Unify aber geschlossen, die (Channel-)Strukturen abschliessend harmonisiert – sofern dies überhaupt notwendig war. Denn: «Es hat sich von Tag eins wie eine Familie angefühlt», erklärt Andjelic, der vor seiner Zeit bei Mitel selbst viele Jahre für Unify beziehungsweise Atos tätig war. Und der Zukauf hat sich gelohnt: Heute blickt Mitel durch den Zusammenschluss auf ein kombiniertes weltweites Netzwerk aus über 6000 Partnern und konnte zudem einige weisse Flecken in Portfolio und Go-to-Market-Strategie schliessen.


Auch in der Schweiz hat Mitel durch Unify nochmals deutlich an Reichweite gewonnen. Während der kanadische Anbieter hierzulande historisch vor allem stark im KMU-Umfeld vertreten war, hatte sich die ehemalige Siemens Enterprise Communications primär im Grosskundenbereich etabliert. Entsprechend breit aufgestellt ist das zusammengeführte Schweizer Partnernetzwerk heutzutage, das nun ganz kleine bis ganz grosse Kunden versorgt. Laut dem General Manager arbeitet Mitel in der Schweiz mit mehreren Hundert aktiven Partnern zusammen und deckt beispielsweise den KMU-Bereich nahezu lückenlos ab. Lediglich im klassischen Midmarket, also bei mittelständischen Kunden, sieht er weiterhin Potenzial, das der Anbieter gemeinsam mit dem Channel angreifen möchte. Das aber ausschliesslich mit bestehenden Partnern. «Wir haben alle Partner, die wir brauchen, um gemeinsam wachsen zu können», unterstreicht Andjelic.

Unterstützung bei Spezialisierung

Der richtige Hebel für weiteres Wachstum ist bei ­Mitel also nicht etwa die Erweiterung des Vertriebskanals, sondern stattdessen die stärkere Spezialisierung, hier im Speziellen die Fokussierung auf vertikale Märkte wie Healthcare, Finanzwesen, Blaulichtorganisationen oder auch den Public Sector. In diesen Bereichen sind die Anforderungen für IT-Dienstleister jedoch meist besonders hoch, da nicht selten Integrationen in Drittanbieterlösungen und nicht zuletzt individuelles Branchen-Know-how notwendig sind. Kleine Partner können sich das laut Andjelic schon allein ressourcentechnisch selten leisten. Daher sind besonders mittelständische Dienstleister gefragt.


Seitens Mitel soll wiederum ein kürzlich überarbeitetes globales Partnerprogramm auf dem Erfolgsweg unterstützen. Bisher nur in Nordamerika verfügbar, zeichnet Mitel Partner ab sofort weltweit in insgesamt sieben Bereichen (Gesundheitswesen, Gastgewerbe, Finanzdienstleistungen, Künstliche Intelligenz etc.) aus, um ihr Fachwissen hervorzuheben. Das soll ihre Sichtbarkeit im Markt steigern, während ein punktebasiertes Wertesystem Investitionen unter anderem in Wissensauf- und -ausbau belohnt. «Unser Fokus ist klar: Wir möchten unseren Partnern Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Erfolg ermöglichen», erklärt Eric Hanson, Chief Marketing Officer bei Mitel mit Blick auf das neue Channel-Programm. «Dieses einheitliche Programm baut auf den im Juni letzten Jahres geschaffenen Grundlagen auf und stärkt die Konsistenz in unserem globalen Ökosystem.»

Konstant hybrider Produktansatz

Parallel dazu rückt Mitel sein hybrides Produktportfolio in den Fokus, um sich in einem wettbewerbsstarken Umfeld differenzieren zu können. Während das Gros der anderen UCC-Anbieter mit Nachdruck in die Cloud und auf den Umstieg von Capex- auf Opex-Modelle drängt, will sich der kanadische Hersteller weiterhin durch Wahlfreiheit und Flexibilität auszeichnen. Unternehmen können sich daher nach wie vor für eine On-Premises-Infrastruktur oder eine Mischung aus selbst, von Partnern oder von Mitel gehosteten Lösungen entscheiden – und das dauerhaft, wie Andjelic versichert. Das soll für Kunden gerade auch in der aktuellen wirtschaftlichen Situation für finanzielle Planbarkeit sorgen. Immerhin spüren die Anbieter im UCC-Umfeld ebenfalls die derzeitige Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten. Wahlfreiheit, die langfristige Unterstützung bestehender Lösungen und überdies die Verlässlichkeit eines kanadischen (und nicht etwa US-amerikanischen) Herstellers signalisieren auch hier Kontinuität und Stabilität, ermöglichen kleine Investitions- und Innovationsschritte in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. «So können wir den Kunden immer gewährleisten, dass sie auf dem aktuellsten Stand sind», so der Head of Channel DACH und General Manager Alpine abschliessend im Gespräch.

Mitel verlagert Telefonfertigung nach Bocholt

Quelle: Mitel
Ende des vergangenen Jahres hat Mitel beschlossen, die Produktion seiner IP-Telefone in die Hände von Gigaset aus dem deutschen Bocholt zu legen. Mit den bereits zuvor von Gigaset für Mitel produzierten ODM-Geräten umfasst die neue Kooperation in Summe einen Umfang von mehr als einer Million Telefonen pro Jahr. Durch den Fertigungsstandort sollen insbesondere europäische Kunden von kürzeren Lieferzeiten, hoher Liefersicherheit und konstanten Qualitätsstandards profitieren. Für den zuvor strauchelnden Hersteller Gigaset ist der Auftrag ein Erfolg. Nach der Übernahme durch die VTech-Gruppe im Jahr 2024 ist das Unternehmen organisatorisch und wirtschaftlich wieder stabil aufgestellt und erweitert seine Fertigungskapazitäten nun auch im Bereich der CMS-Produktion.


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