KI in der Schweiz: Höchste Zeit für ein ­Positionspapier

Die Schweiz – ein europäischer und globaler Hub für Künstliche Intelligenz. Warum Swico dieses Ziel einfordert und gegen einen Swiss Finish in Sachen KI-Regulierung ist.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2024/07

     

Die Schweiz startet aus einer hervorragenden Ausgangsposition in die neue Ära der KI. Sie verfügt über hochqualifizierte Arbeitskräfte, Hochschulen auf höchstem globalem Niveau und innovative Unternehmen, die die grössten und besten Marktteilnehmer übertreffen. Dank ihrer Wirtschaftsstruktur hat die Schweiz das Potenzial, zu den Gewinnern der «KI-Wirtschaft» zu zählen. Als Belohnung winken ökonomischer und sozialer Fortschritt. Davon ist Swico überzeugt. Als Verband der Digitalisierer vertritt Swico die Interessen von über 750 Mitgliedern aus der ICT- und Internetbranche, welche als Entwickler, Anbieter, Hoster sowie als Nutzer eine zentrale Rolle bezüglich KI einnehmen.

Die Position und Forderungen von Swico

Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Evaluationen des Bundesrates zu einer allfälligen Regulierung von KI in der Schweiz, hat Swico Anfang Juli ein Positionspapier veröffentlicht. Darin stellen wir konkrete Forderungen, um die Schweiz optimal auf die Herausforderungen und Chancen der KI-Ära vorzubereiten:

1. Wir fordern, dass die Schweiz auf ein reines KI-Technologiegesetz verzichtet. Stattdessen soll sie sich an bestehenden nationalen und internationalen Prinzipien und Best Practices orientieren und Innovationsräume gestalten. So schaffen wir Rechtssicherheit, stärken unsere Innovationskraft und den Zugang zu wichtigen internationalen Märkten.


2. Wir fordern, dass die Schweiz die KI-Zukunft aktiv mitgestaltet. KI wird die Wirtschaft auf der ganzen Welt für immer verändern. Die Schweiz hat heute das Potenzial, zum bedeutenden Hub für die globale KI-Wirtschaft zu werden. Wir wollen Technologieführerin sein, wenn nun weltweit Unternehmen zu Tech-Unternehmen werden.

3. Wir fordern, dass die Schweiz die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschung und Industrie weiter stärkt. Um die Schweiz als führendes Innovationsland zu positionieren, müssen Investitionen in KI-Forschung und -Entwicklung verstärkt und Innovationshürden abgebaut werden.

4. Wir fordern, dass die breite Bevölkerung Zugang zu Digital- und insbesondere KI-Wissen erhält – über einfach erreichbare und attraktive Angebote, die laufend weiterentwickelt werden. Damit die Gesellschaft auf die digitale Zukunft mit KI optimal vorbereitet ist.

Vergleich der Internationalen Regulierungsansätze

Die EU legt mit dem AI-Act vor allem Wert auf sicherheitstechnische Erwägungen in ihrer Gesetzgebung. In den USA hingegen liegt der Fokus auf der Förderung von KI-Talenten, Bildung, Forschung und Innovation, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Das Vereinigte Königreich verfolgt einen sektorübergreifenden und ergebnisorientierten Ansatz ohne spezifisches KI-Gesetz, basierend auf fünf Grundprinzipien: Sicherheit, Transparenz, Fairness, Rechenschaftspflicht und Rechtsmittel. Die Bedenken gegenüber KI sind weltweit ähnlich: Es geht um Transparenz, Fairness, Nicht-Schaden, Manipulation, Verantwortlichkeit, Haftung, Schutz der Privatsphäre sowie Datenschutz und -sicherheit.

Förderung statt Regulierung in der Schweiz

Angesichts der weltweit aufkommenden Regulierungsvorschläge zur Künstlichen Intelligenz muss die Schweiz ihre eigene Position finden. Es ist entscheidend, dass sie in dieser Diskussion aktiv mitwirkt und gleichzeitig ein förderliches Umfeld für alle schafft, die an KI interessiert sind, diese anwenden, erforschen und weiterentwickeln möchten. Nur so können wir sicherstellen, dass die Schweiz weiterhin ein attraktiver Standort für Innovation und Technologie bleibt. Für eine erfolgreiche Transformation hin zur KI-Wirtschaft benötigt die Schweiz weiterhin enge Kooperationen zwischen KMUs, Konzernen und Hochschulen auf weltweitem Top-Niveau. Solche fruchtbare Partnerschaften sind essenziell für eine selbstgestaltete und aktive Transformation.

Der KI-Hub Schweiz

Schweizer Unternehmen haben bereits heute eine Vielzahl an KI-Lösungen entwickelt, die typisch sind für unseren Innovationsgeist im Land. Zühlke etwa setzt KI für mehr Sicherheit im selbstständigen Wohnen im Alter ein. Die KI-Lösung erkennt Muster in den Stromverbrauchsdaten von älteren Menschen in ihrem Zuhause und alarmiert bei Unregelmässigkeiten Angehörige oder eine Notrufzentrale automatisch. Als Branche haben wir uns bereits in verschiedenen Initiativen ausdrücklich zu hohen ethischen Standards bekannt – so etwa mit dem Swico Code of Conduct. Damit sorgen wir proaktiv für vertrauensvolle KI-Anwendungen verbunden mit hohem Innovationsgrad. Mit Ambition und attraktiven Lösungen kann die Schweiz ihre Position als führender Hub für künstliche Intelligenz weiter ausbauen und die Vorteile dieser technologischen Revolution voll ausschöpfen.

Der Autor

Quelle: Thomas Entzerot
Simon Ruesch ist Mitglied der Geschäftsleitung von Swico und vertritt in seiner Rolle als Head Legal & Public Affairs aktiv die Interessen der Schweizer Digitalbranche. Seine Erfahrungen umfassen unter anderem leitende Positionen im Public Affairs und Community Management eines globalen ICT-Beschaffers, bei der Schweizerischen Bankiervereinigung mit Fokus auf Digital-Themen sowie als politischer Mitarbeiter eines Mitglieds des Nationalrats. Ruesch hat einen Master in International Affairs & Governance von der Universität St. Gallen (HSG) und einen CAS in International Policy and Advocacy von der ETH Zürich.


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