Der Fokussierte: Thomas Brändle, Geschäftsführer, Infoniqa Schweiz
Quelle: zVg

Der Fokussierte: Thomas Brändle, Geschäftsführer, Infoniqa Schweiz

Thomas Brändle, Geschäftsführer von Infoniqa Schweiz, arbeitet gern und viel. Das wäre kaum möglich, hätte er nicht seine ganz eigene Strategie, um konzentriert zu bleiben.
4. März 2023

     

Thomas Brändle, Geschäftsführer von Infoniqa Schweiz und Gründer von Run my Accounts, hat das Thema Technologie nicht in die Wiege gelegt bekommen. «Meine Eltern haben eine Bäckerei und Konditorei mit zugehörigem Café in zweiter Generation geführt», wie er berichtet. Die Familie lebte damals in Erlenbach im Kanton Zürich, wo Brändle 1973 das Licht der Welt erblickt hat und aufgewachsen ist. Laut eigener Aussage ist er zwar ein sehr unbegabter Bäcker, «dafür habe ich von meinen Eltern das Unternehmer-Gen geerbt», so Brändle. Eigentlich wollte er als Junge Radio- und TV-Elektriker werden, «denn meine Passion als Kind war das Reparieren von Fernsehern und Radios», erklärt der 49-jährige. «Das Interesse an Technik war bei mir immer gross und das ist mir bis heute auch geblieben.»


Das Problem zur Qualität machen

Doch es gab Hürden für den angestrebten Weg. «Ich war ein sehr schlechter und fauler Schüler in der Primarschule und habe daher die Sek-Aufnahmeprüfung nicht bestanden», so der Infoniqa-Geschäftsführer. Das verunmöglichte die Elektrikerkarriere zwar vorläufig, hielt den jungen Thomas Brändle jedoch nicht davon ab, noch grössere Ziele ins Visier zu nehmen. Und motiviert vom neuen Wunsch, ein Wirtschaftsstudium zu absolvieren, begann er plötzlich, an der Schulbank Gas zu geben. Ein Jahr nach dem Eintritt in die Oberstufe machte er den Schritt in die Sekundarstufe und absolvierte daraufhin auch die Prüfung für das Gymnasium erfolgreich.


Auf die Frage, was dazu geführt hat, dass sich seine Probleme mit dem Lernen scheinbar auf einmal in Luft aufgelöst haben, antwortet er: «Ich konnte mich in der Schule schlecht konzentrieren und war mit meinem Fokus immer irgendwo. An einem bestimmten Punkt habe ich aber gelernt, damit umzugehen und dieses Problem ins Positive zu drehen. Ich bin sehr gut darin geworden, mich zu fokussieren – wenn mich etwas interessiert oder ich etwas ganz Bestimmtes erreichen will.»


Vom Chaos zur Struktur

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der Hochschule St. Gallen (HSG) im Jahr 1999 hatte er 16 Jobangebote auf dem Tisch. «Ich konnte mir aber nicht vorstellen, in eine grosse Firma zu gehen», wie er sich erinnert. «Und so habe ich mit ein paar Kollegen aus meiner Schulzeit eine Firma aufgezogen. Unser Plan war es, SMS-Applikationen zu entwickeln.» Ihr Start-up namens ­Minick entwickelte unter anderem die Picture-Messaging-Plattformen von Diax und Orange, Teletext-Anwendungen für RTL und MTV sowie erste SMS-basierte Mobile-Commerce-Anwendungen.

Brändle agierte bei Minick als Finanzchef. Die Firma wuchs innerhalb von zwei Jahren von einer Handvoll Mitarbeitern auf 120 Arbeitnehmer an. «Wir waren enorm innovativ und immer profitabel. Die schnell wachsende Firma war chaotisch – wir hatten alle noch nicht viel Erfahrung, wie man ein Unternehmen führt», so Brändle. Zwei Jahre nach dem Start verkauften die Gründer die Firma dann auch schon wieder. Im Anschluss zog es den Jung­unternehmer erneut in den Hörsaal – und er absolvierte ein Zweitstudium als Jurist.


«Nach dem zweiten Studium wollte ich dann endlich einmal erleben, wie eine perfekt strukturierte Firma funktioniert. Also bin ich zu IBM gegangen, wo ich Outsourcing-Verträge verhandelt habe», so Brändle. Die Stelle kombinierte für ihn optimal sein Wissen aus Technologie, Finanzen und Recht. «Aber meine Welt war das eigentlich nicht – ich bin eben Unternehmer», wie er resümiert.


Eins nach dem anderen

Mit seinen guten und weniger guten Erfahrungen im Finanzbereich machte sich Brändle oft Gedanken über die Digitalisierung der Buchhaltung. «Ich habe mir überlegt, wie ich meine Kernkompetenzen nutzen kann, um KMU zu befähigen, ihre Buchhaltung effizienter und günstiger abzuwickeln», wie er sich erinnert. Das Ergebnis war die Gründung von Run my Accounts im Jahr 2008.

«Ich habe damals alles selbst gemacht – Programmierung, Marketing, Buchhaltung – und keines davon war mein Spezialgebiet», so Brändle. Möglich war ihm das, indem er sich jeweils gezielt mehrere Stunden oder Tage genommen und sich auf eine bestimmte Aufgabe konzentriert hat. Da ist er wieder – der fokussierte Arbeitsstil, den er früh gelernt hat und laut eigener Aussage auch bis heute pflegt.


Innerhalb von mehr als zehn Jahren baute Brändle sein Unternehmen auf – von der One-Man-Show auf rund 70 Mitarbeitende. Es waren einstweilen schwierige Zeiten, wie er berichtet: «An einem Punkt hatte ich kein Geld mehr in der Firma und noch 500 Franken auf meinem Privatkonto. Das Wasser stand mir bis zum Hals. Aber dank meines festen Willens und der Unterstützung meiner Frau hat es irgendwie geklappt!»

2021 verkaufte er die Firma schliesslich an Infoniqa und wurde kurz darauf zum Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung befördert. Obwohl er kein eigenes Unternehmen mehr besitzt, fühlt er sich in seiner aktuellen Position augenscheinlich pudelwohl. «Ich habe hier viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen. Das reizt mich», wie er sichtlich zufrieden ausführt.


Ausdauer in allen Bereichen

Wohnhaft sind Thomas Brändle und seine Frau mit ihren zwei Kindern am oberen Zürichseeufer. Die fokussierte und ausdauernde Art, die Brändle im Geschäftsbereich seit seinen Anfängen prägt, finden sich auch in seinem grössten Hobby wieder – dem Langstreckenlauf. «Um den ganzen Marathon machen zu können, trainiere ich mindestens etwa fünf Stunden pro Woche», so Brändle. «Das Laufen ist ein Ausgleich für mich. Aber es ist auch Weiterbildung, denn ich höre meistens Sachbücher oder Podcasts, wenn ich renne.» So könne er sich mit Themen auseinandersetzen, für die er sonst keinen Raum finden würde. «Daher steht beim Laufen auch oft das Lesen respektive Hören im Mittelpunkt und ich spüre den Sport nicht mehr. Ohne die Hörbücher wäre mir das zu öde.»


Daneben gibt er als Hobbies Reisen, Skifahren und Kultur an. Er ergänzt aber, dass ihm dafür nicht viel Zeit bleibt, denn er arbeite auch heute noch sehr viel. «Es ist fast aussergewöhnlich, wenn ich mich nach dem Abendessen nicht nochmal an die Arbeit setze», wie er angibt. «Ich bin gewissermassen ein Mensch der Extreme: Wenn ich renne, renne ich weit.»

Thomas Brändle

Thomas Brändle, 49 Jahre alt, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Gemeinde Stäfa am Zürichsee. 2008 gründete er den digitalen Treuhänder Run my Accounts und baute die Firma auf eine Grösse von rund 75 Mitarbeitern auf. Nach dem Verkauf von Run my Accounts an Infoniqa im Jahr 2021 wurde Brändle zum Geschäftsleiter von Infoniqa Schweiz befördert. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Langstrecken­läufer und hat den Züri-Marathon schon mehrfach absolviert. (win)



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