Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz

Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2021/07 – Seite 1
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10. Juli 2021 - Eine Corona-bedingt hohe Nachfrage und die schwierige Lage im weltweiten Frachtwesen sorgen für ­Engpässe bei den PC-Komponentenherstellern. Wir haben bei globalen und Schweizer PC-Herstellern ­nachgefragt, wie sich diese Engpässe hierzulande auswirken und wie man am besten zu Rechnern kommt.
Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz
«Kundenspezifische Konfigura­tionen sind weiterhin von ­erheblichen ­Lieferzeiten ­betroffen.» Christoph Blankenhagen, Channel_SMB Lead, Lenovo Schweiz (Quelle: zVg)
«Massive Lieferengpässe bei IT-Hardware», schreibt Brentford-Geschäftsführerin Annette Mägerle auf der Site des Schweizer PC-Herstellers, um dann auszuführen, dass die Engpässe die Folge einer Kombination von Ursachen seien. Zum Ersten habe Corona und der Home-Office-Trend die Nachfrage nach oben schnellen lassen – nicht nur nach neuen Rechnern, Displays und Peripheriegeräten, sondern auch nach Cloud-Diensten und Videokonferenzanwendungen, die Serverkapazitäten brauchen, weshalb Rechenzentren aufgerüstet werden müssen. Zum Zweiten harzt es bei den Transportkapazitäten. Laut Mägerle sind die Luftfrachtkapazitäten eingebrochen, weil weniger Passagierflüge in der Luft sind, die immer auch einen Teil der internationalen Luftfracht transportieren. Dadurch würden die Produkte auf dem Seeweg transportiert, der einerseits länger dauere und der sich andererseits massiv verteuert habe, was sich wiederum auf die ohnehin schon knappe Hardware auswirke. Und zum Dritten würden sich die Hardwarehersteller laut Annette Mägerle auch selbst im Weg stehen, denn: «Nur wenige Chiphersteller fertigen noch selbst. Die Fertigungskapazitäten konzentrieren sich deshalb auf wenige Firmen wie die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company oder Samsung aus Südkorea.» Wenn nun AMD seine CPUs und GPUs bei TSMC herstellen lässt, wo zusätzlich auch noch Konsolenchips für die heiss begehrten PS5- und Xbox-Konsolen produziert werden, dann wird es rasch eng. Zu guter Letzt prangert Mägerle auch Krisenprofiteure an – Händler, die die extreme Knappheit an Komponenten für den eigenen Profit nutzen. Mägerle: «Viele IT-Hardware-Komponenten werden aktuell nicht über den regulären Handel, sondern über Broker verkauft, wobei die Preise entsprechend dem knappen Angebot natürlich explodiert sind.»

Folglich sieht auch ihr Ausblick eher düster aus. Transportkapazitäten würden knapp bleiben, und die Auftragsfertiger würden weiter am Anschlag laufen und seien auf lange Sicht ausgebucht. Zudem würden im nächsten Jahr neue Server-Prozessoren erscheinen, die Fertigungsanlagen beanspruchen, die sonst Consumer-CPUs zur Verfügung stehen würden.

Stellt sich also die Frage, wie die Liefersituation bei den PC-Herstellern in der Schweiz effektiv ausschaut und vor allem, was Händlern geraten wird, die beispielsweise für Projekte erhöhten PC-Bedarf haben. Wir haben einerseits die grossen globalen PC-Hersteller mit diesen Fragen konfrontiert, andererseits auch die lokalen Schweizer Produzenten.

Alternativen gibt es immer

Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz
«Der Zeitfaktor ist bei ­grossen Projekten immer wichtig.» Stephan Ludwig, Head of Product Sales, Fujitsu Schweiz (Quelle: zVg)
Die Auskunftsbereitschaft bei den global tätigen PC-Herstellern hielt sich dabei arg in Grenzen. Firmen wie Acer, Apple oder Dell wollten grundsätzlich nichts zum Thema sagen. Asus erklärte, die Situation sei sehr volatil und ändere sich wöchentlich, weshalb man es bevorzuge zu schweigen, anstatt Aussagen zu machen, die in zwei Wochen nicht mehr zutreffen. Von Seiten HP Schweiz gab es ein generelles Statement zur Lage. Managing Director Adrian Müller erklärte: «Wie zur Zeit in vielen Industrien führt die gestiegene Nachfrage teilweise zu verzögerten Lieferterminen. Seitens HP versuchen wir, die Bedürfnisse von Kunden und Partnern in der aktuellen Situation bestmöglich zu erfüllen. Für Kunden, die bei der gewünschten Konfiguration flexibel sind, haben wir eine sehr gute Verfügbarkeit von Standard-Notebooks, Desktops und Monitoren ab Schweizer Distribution. Wir sind diesbezüglich mit Partnern und Kunden im engen Austausch.»

Und so bleiben letztlich Fujitsu und Lenovo, die die Fragen von «Swiss IT Reseller» im Detail beantworten wollten. Stephan Ludwig, Head of Product Sales bei Fujitsu Schweiz, erklärt dabei zur grundsätzlichen Verfügbarkeit, dass es in jüngerer Vergangenheit natürlich auch bei Fujitsu wie bei allen Herstellern Engpässe bei gewissen Komponenten – namentlich Intel-CPUs der 11. Generation, SSDs und RAID-Controller – gab und es dadurch auch zu Lieferschwierigkeiten kam. Viele Engpässe habe man aber durch vorhandene Lagerbestände der Distribution abfangen können. Und: «Wo gewünschte Produkte nicht lieferbar waren, gab es immer Alternativen», so Ludwig. Zudem habe Fujitsu in der Zwischenzeit einen Puffer bezüglich der Kapazitäten für wichtige Produkte angelegt. Als weitere Massnahmen können Fujitsu-Partner über den sogenannten Fujitsu Web Architekt zudem die Komponentenverfügbarkeit prüfen, dadurch Konfigurationen entsprechend den vorhandenen Komponenten erstellen und Angebote so flexibel gestalten.

Christoph Blankenhagen, Channel/SMB Lead bei Lenovo Schweiz, erklärt seinerseits zur grundsätzlichen Verfügbarkeit, dass insbesondere im mobilen Commercial-Entry-Segment seit zirka neun Monaten mit erheblichen Knappheiten und längeren Lieferzeiten zu rechnen sei. «Wir, zusammen mit dem Grosshandel und der Distribution, haben dies antizipiert und sorgen für eine gute Verfügbarkeit von ausgewählten Modellen, sogenannten Lenovo-Topsellern, auf dem Schweizer Markt, um die weltweite Knappheit zu umgehen», verspricht Blankenhagen, um anzufügen: «Kundenspezifische Konfigurationen sind jedoch weiterhin von erheblichen Lieferzeiten betroffen.» Im Gegensatz zu Stephan Ludwig, der erklärt, dass das Desktop-­Segment abgesehen von einzelnen Grafikkarten-Modellen und RAID-Controllern deutlich weniger von den Engpässen betroffen sei als das Notebook-Segment, sagt Christoph Blankenhagen, dass die schwierige Situation auch rund um Desktops respektive All-in-Ones zu spüren sei. Lenovo fokussiere deshalb ganz auf das Segment Thinkcenter Tiny und Thinkcenter Nano, um eine gute Verfügbarkeit zu gewährleisten.
 
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