Websphere als Plattform für Partnerlösungen

Big Blue investiert dieses Jahr eine glatte Milliarde Dollar in die Entwicklung der Web-Software-Plattform Websphere. Mit gezielten Marketing-Kampagnen sollen zusätzliche Partner angelockt werden, die für Websphere-Umgebung entwickeln.

Artikel erschienen in IT Reseller 2000/18

   

In der neuen ökonomischen Struktur des E-Business nimmt die sogenannte Middleware, Software, die Business-Datenbestände und Geschäftsprozesse mit dem Web verbindet, eine wichtige Position ein.
Die Websphere-Plattform von IBM beinhaltet dafür eine ganze Reihe von Tools und Services. Dabei ist Websphere jedoch, wie IBM betont, nicht einfach ein Sammelsurium verschiedener technischer Elemente, sondern eine Softwarefamilie, deren Produkte eng zusammenarbeiten.
Aus der Taufe gehoben wurde Websphere vor rund drei Jahren, als man bei IBM erkannt hatte, dass Lotus Domino wohl doch nicht die endgültige Lösung für das Content Management sein kann. Seither setzt das Unternehmen konsequent auf Standards wie XML und Java. Denn die Marktchance der Web Application Server wollte man sich nicht entgehen lassen.

«Der grösste Software-Effort seit Jahren»

Das war dem Unternehmen bedeutende Investitionen in Personal, Produktentwicklung und Marketing wert. In den letzten beiden Jahren wurde mehr als eine Milliarde Dollar investiert, in diesem Jahr folgt eine weitere Milliarde. Allein in der Schweiz werden 25 Websphere-Spezialisten und -Vertriebsprofis gesucht, wie Roger Mueller, Software-Chef von IBM Schweiz, erklärt. Spezielle Marketingkampagnen für E-Business-Lösungen auf Basis von Websphere sollen Entwickler anlocken. Websphere ist laut Mueller «der grösste Software-Effort bei IBM seit Jahren»
Die Anstrengungen sind verständlich, soll doch nach einer Veröffentlichung der Giga Information Group das Marktvolumen für diese Art Middleware noch in diesem Jahr 1,6 Milliarden Dollar erreichen und bis 2003 gar auf neun Milliarden Dollar ansteigen. Was IBM natürlich gerne kolportiert, ist, dass die Analysten von Giga zudem erwarten, dass IBM bis zum Ende des laufenden Jahres in diesem Bereich einen Marktanteil von 24 Prozent erreichen wird - eine Steigerung um rund 50 Prozent gegenüber dem letzten Jahr.
Tatsächlich wird Websphere nach skeptischen Kommentaren beim Start mittlerweile von mehreren etablierten Unternehmen und Dot.com-Firmen eingesetzt. In der Schweiz nennt Mueller als grosse Kunden Swisscom und UBS: «Unser Schwergewicht liegt traditionell bei klassischen Grossunternehmen, aber wir bemühen uns natürlich ebenfalls um Kontakte zu Service Providern. Allerdings ist relativ viel Code im Netz zu finden. Bei Kontakten sind wir oft überrascht, was da alles ohne echte Lizenz eingesetzt wird.»

Foundation

Die Websphere Software-Plattform baut sich aus drei Ebenen auf: Websphere Foundation, die Websphere Foundation Extensions und Websphere Application Accelerator.
Die Foundation besteht aus den Websphere Web Application Servern (in den Versionen Standard, Advanced und Enterprise Edition) und der Business-lntegration-Software MQSeries. MQSeries ermöglicht, Backend-Projekte und Datenbestände über mehr als 35 verschiedene Systemplattformen zu verteilen.
Mit der Standard Edition von Websphere können statische Sites mit Hilfe von Java Servlets, Java Server Pages und XML in Sites mit dynamischen Inhalten überführt werden.
Die Advanced Edition erlaubt Entwicklern, einzelne Enterprise-Javabeans-Komponenten einzusetzen.
Zum Aufbau transaktionsorientierter Anwendungen mit hohem Datendurchsatz eignet sich die Enterprise Edition. Sie bietet die Möglichkeit zur Nutzung von Enterprise-Javabeans- und CORBA-Komponenten.

Die Extensions

Die Foundation Extensions sind Dienstleistungen und Tools, mit denen Geschäftsprozesse in Richtung E-Business erweitert werden können.
Dazu gehörten die Development Services für die Entwicklung, Installation und Wartung dynamischer Web-Anwendungen. Darin integriert sind Websphere Studio, Websphere Homepage Builder und die Visualage Tools sowie eine Reihe sogenannter Websphere Business Components. Für viele dieser Werkzeuge sind keine Java-Kenntnisse nötig.
Die ebenfalls zu den Extensions gehörenden Presentation Services beinhalten Websphere Personalization und Websphere Portal Server, der Websphere Transcoding Publisher, das IBM Enterprise Information Portal und die Websphere Everyplace Suite. Damit sollen Entwickler in die Lage versetzt werden, Web-Anwendungen zu erstellen, die direkt auf die Bedürfnisse von Kunden, Partnern oder Mitarbeitern reagieren. Die dafür benötigten Informationen werden gesammelt und an die Endgeräte übermittelt, deren Spektrum vom PCs über Mobiltelefone bis zum PDA reicht.

Application Accelerator

Wie der Name sagt, soll Application Accelerator helfen, schnell kundenspezifische Anwendungen zu erstellen. Websphere bietet IBM-Partnern ein Software-Portfolio mit dem sich Business-Lösungen für Commerce, Customer Relationship Management (CRM) und Supply Chain Management (SCM) entwickeln lassen. Partnerunternehmen erhalten eine Systemplattform in die Hand, mit der sie Business-Lösungen für alle Anwendungsbereiche erstellen und ihre Produkte an die Wünsche ihrer Kunden anpassen können. Auf der gleichen Basis lassen sich dann weitere Anwendungen entwickeln. Zudem ergeben sich Möglichkeiten, Applikationen anzupassen, zu integrieren und völlig neue Projekte zu entwickeln.
Bisher werden laut IBM von rund 9000 Softwareherstellern lauffähige Anwendungen für die Websphere Software-Plattform angeboten.
Websphere unterstützt gängige Hardware und Betriebsysteme, darunter IBM AIX, Red Hat Linux, Novell Netware, IBM OS/2, IBM OS/390, IBM OS/400, Sun Solaris, HP-UX, Microsoft Windows NT und Windows 2000. (fis)


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