Analysten warnen vor massiven Fehlinvestitionen in KI-Infrastruktur. Allein 2026 dürften KI-Anbieter laut Gartner knapp eine Billion Dollar in entsprechende Infrastruktur investieren. Zwischen 2027 und 2030 sollen weitere sechs Billionen Dollar fliessen. Die erwarteten Einnahmen aus KI-Diensten reichen jedoch nach Einschätzung der Experten nicht aus, um diese Investitionen rentabel zu betreiben.
Gartner rechnet vor, dass Betreiber von KI-Rechenzentren bis 2030 kumuliert rund 8,5 Billionen Dollar Umsatz erwirtschaften müssten, um ihre Investitionen, Finanzierungskosten und eine Kapitalrendite von 12 Prozent zu decken. Demgegenüber stehen prognostizierte KI-Umsätze von höchstens 3,6 Billionen Dollar, die den Rechenzentren zugerechnet werden können.
Besonders kritisch beurteilt Gartner die Aussichten sogenannter Neocloud-Betreiber, die auf KI-optimierte Cloud-Infrastruktur spezialisiert sind. Anders als Hyperscaler verfügen sie meist nicht über breit diversifizierte Einnahmequellen. Obwohl die Ausgaben für KI-optimierte IaaS-Angebote von 66 Milliarden Dollar im Jahr 2027 auf 174 Milliarden Dollar im Jahr 2030 steigen sollen, dürfte das Wachstum für viele Anbieter nicht ausreichen, um ihre Investitionen vor dem nächsten Technologiewechsel zu amortisieren. "Das Ausgabenwachstum im Bereich der KI-optimierten IaaS wird für die meisten Anbieter von KI-Rechenleistung zu gering sein, um ihre KI-Investitionen zurückzugewinnen, bevor die aktuelle Generation von KI-Halbleitern abgelöst wird", erklärt Will Sommer, Senior Director Analyst bei
Gartner.
Die Analysten prognostizieren deshalb, dass bis 2030 mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter ihre eigenständige Geschäftstätigkeit aufgeben werden. Als Gründe nennen sie den steigenden Kostendruck und fehlende Alleinstellungsmerkmale. Setzt sich der Investitionsboom ungebremst fort, könnte das von Wertberichtigungen bedrohte Anlagenvolumen bis 2032 sogar von 3,5 auf über vier Billionen Dollar steigen.
(sta)