Dieses drastische Vokabular stammt nicht etwa aus der aktuellen geopolitischen Berichterstattung, sondern aus einer Pressemitteilung des Verbandes der europäischen Cloud-Service-Provider (CISPE). Der scharfe Frontalangriff des CISPE zielt auf Broadcom ab. Er kritisiert die seit Januar 2026 auch in Europa greifenden Änderungen im VMware Cloud Service Provider-Programm, die viele regionale CSPs zum Marktaustritt zwingen würden, um sich stattdessen auf eine «winzige Minderheit handverlesener Partner» zu konzentrieren. «Nachdem Broadcom unmittelbar nach der Übernahme von VMware unverschämte und ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchgesetzt hat, versetzt das Unternehmen nun den Gnadenstoss», wettert CISPE-Generalsekretär Francisco Mingorance in der Mitteilung, die eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission verkündet.
Selten zuvor hat eine Akquisition die Gemüter in der IT-Branche so erhitzt – aber ebenso selten hat ein Neubesitzer so grob den Rotstift angesetzt und ein breitgefächertes Channel-Ökosystem an vielen Ecken und Enden gestutzt. Nächste Massnahme: Ab Mai fällt im VMware-Partnerprogramm auch in der EMEA-Region das niedrigste Partnerlevel weg, Broadcom reduziert die Anzahl der Stufen von vier auf drei. So will sich der Chip-Riese verstärkt auf erfolgreiche beziehungsweise besonders engagierte VMware-Partner konzentrieren. Oder im Umkehrschluss: wer nicht genug Umsatz generiert, ist ausgeschlossen.
Broadcom wittert im aktuellen CISPE-Vorstoss wiederum einen Schachzug der Konkurrenz, namentlich Microsoft und AWS, beide nicht stimmberechtigte Mitglieder des Verbandes. Der CISPE sei eine «von Hyperscalern finanzierte Organisation, die die Realitäten des Marktes falsch darstellt», erklärte ein Broadcom-Sprecher gegenüber «CRN.com» als Reaktion auf die EU-Wettbewerbsbeschwerde.
Verhärtete Fronten, Game-of-Thrones-artige Wortgefechte: Die aktuell erreichte verbale Eskalationsstufe unterstreicht, dass der Splitter auch zweieinhalb Jahre nach der VMware-Übernahme tief sitzt, die Folgen des anschliessenden Umbaus für viele Partner schwerwiegend sind. Doch wo zwei sich streiten… bringt sich der Wettbewerb in Stellung. Laut einer aktuellen Umfrage der Analysten von Virtified will rund die Hälfte der Anwender den Einsatz von VMware-Lösungen in den kommenden Jahren reduzieren. Davon profitiert beispielsweise HPE. Der Hersteller hat einen eigenen Hypervisor auf den Weg gebracht, zuerst nur, um eine Alternative in der Hinterhand zu haben – mittlerweile erfreut sich das Produkt jedoch wenig überraschend grösster Beliebtheit bei wechselfreudigen VMware-Partnern.