Media Markt Schweiz: Marktplatz als Wachstumstreiber
Quelle: Mediamarkt

Media Markt Schweiz: Marktplatz als Wachstumstreiber

Im Januar ist Media Markt mit seinem eigenen Marketplace in der Schweiz gestartet, über den Waren von Dritthändlern verkauft werden. Zeit für ein erstes Fazit mit Bastian Herr, dem Head Marketplace von Media Markt Schweiz und Österreich.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/04

   

«IT Reseller»: Wie fällt Ihr erstes Fazit nach rund anderthalb Monaten Media Markt Marketplace in der Schweiz aus?
Bastian Herr:
Sehr positiv. Wir sind mit rund 20 Partnern gestartet und sehen bereits, dass das Angebot schnell wächst. Beim Sortiment haben wir einen deutlichen Ausbau: Zum Start lagen wir bei etwa 35'000 Artikeln, inzwischen sind es bereits über 60'000.

Lässt sich bereits sagen, welchen Umsatzanteil der Marketplace erreicht?
Konkrete Umsatzanteile kommunizieren wir nicht. Für uns ist der Marketplace vor allem eine Ergänzung zu unserem bestehenden Sortiment. Unser Ziel ist es, insbesondere im Elektronikbereich möglichst alles abzudecken, was einen Stecker hat, um es mal so auszudrücken. Produkte, die wir nicht selbst über das Category Management einkaufen können oder wollen, können wir so sinnvoll ergänzen.


Wie gross ist der Marktplatz mit rund 60'000 Artikeln im Vergleich zum eigenen Sortiment?
Der Marktplatz ist bereits deutlich grösser als unser Eigensortiment. Beim eigenen Einkauf konzentrieren wir uns naturgemäss auf die wichtigsten Produkte innerhalb einer Kategorie – unser Kernsortiment. Über den Marktplatz haben wir diese Limitierung nicht. Ein Beispiel: Wir kaufen von einem Produkt die Modelle ein, die von unseren Kunden am stärksten nachgefragt werden. Über Hersteller oder autorisierte Händler können wir zusätzlich ein breiteres Portfolio anbieten. So erweitern wir das Angebot und decken ein deutlich breiteres Sortiment ab.

Spüren Sie den Marktplatz bereits beim Traffic auf dem Onlineshop und der Zahl der Bestellungen?
Ja, absolut. Wir sehen sowohl beim Traffic als auch bei den Bestellungen einen Effekt. Dabei geht es weniger darum, dass ein einzelnes Produkt mehr verkauft wird. Ein Marktplatz erweitert vor allem die Sortimentsbreite und spricht dadurch zusätzliche Kundengruppen an. Ein wichtiges Ziel ist also auch, mehr Besucher auf die Plattform zu bringen.
Und diese zusätzlichen Besucher sollen dann idealerweise auch Produkte aus dem Media-Markt-­eigenen Sortiment kaufen?
Letztlich geht es darum, dass der Kunde bei uns das passende Produkt findet – unabhängig davon, ob es aus unserem eigenen Sortiment stammt oder von einem Marktplatzpartner kommt. Für den Kunden soll das Angebot möglichst nahtlos wirken.

Wie verdienen Sie am Marktplatz?
Händler zahlen eine Verkaufsprovision, die je nach Kategorie im ein- oder tiefen zweistelligen Prozentbereich liegt. Die genaue Höhe hängt vom jeweiligen Produktsegment ab. Dabei handelt es sich um branchenübliche Beträge, die sich am Markt orientieren. Hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr von 39 Franken. Damit stellen wir sicher, dass sich Händler aktiv mit dem Marktplatz beschäftigen und nicht nur ein Konto anlegen, ohne tatsächlich Produkte anzubieten.


Wie können Händler denn dafür sorgen, dass ihre Produkte auf dem Marktplatz sichtbar werden und sich verkaufen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können Händler unsere Retail-Media-Angebote nutzen – etwa über gesponserte Produktplatzierungen oder weitere Marketingmassnahmen, sowohl direkt auf unserer Plattform als auch extern. Zum anderen spielt die organische Auffindbarkeit eine grosse Rolle. Entscheidend sind hier die Qualität der Produktdaten, gutes Bildmaterial, vollständige Attribute sowie saubere Übersetzungen. Diese Faktoren beeinflussen unsere interne Suche und die Sichtbarkeit in Suchmaschinen.

Wie stellen Sie sicher, dass Produktdaten und grundsätzliche Standards stimmen?
Das ist für uns ein zentrales Thema. Wir haben klare Qualitätsrichtlinien, die alle Händler erfüllen müssen. Dazu gehören Kennzahlen wie Stornierungsrate, Retourenquote oder Versandgeschwindigkeit. Zudem gibt es Mindestanforderungen an Produktdaten – etwa Bilder, Titel und grundlegende Informationen. Ohne diese Daten kann ein Produkt gar nicht erst live gehen.

Und wie überwachen Sie die Qualität?
Das erfolgt über automatisierte Auswertungen. Wir analysieren beispielsweise, wie viele Bestellungen retourniert oder verspätet versendet werden. Diese Kennzahlen betrachten wir auf Händlerebene und greifen ein, wenn sie von unseren Standards abweichen.
Was passiert, wenn ein Händler diese Standards nicht erfüllt?
Der erste Schritt ist immer der Dialog. Wir versuchen, gemeinsam mit dem Händler eine Lösung zu finden. Wenn sich die Situation nicht verbessert, gibt es verschiedene Eskalationsstufen – bis hin zur Beendigung der Zusammenarbeit.

Letztlich ist es aber schon so, dass Sie mit dem Marktplatz nicht auch ein Stück Kontrolle über Ihre Plattform abgeben?
In gewissem Masse stimmt das, da wir Drittanbieter auf die Plattform lassen. Deshalb legen wir grossen Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Händler. Wir prüfen zum Beispiel, ob sie bereits auf anderen Plattformen verkaufen und welche Bewertungen sie dort haben. Zudem führen wir einen umfassenden KYC-Check (Know Your Customer) durch, um sicherzustellen, dass wir mit seriösen Partnern zusammenarbeiten.


Können Händler auch Produkte verkaufen, die Media Markt selbst im Sortiment hat?
Ja, das ist möglich. Allerdings hat unser eigenes Angebot zunächst Priorität. Wenn wir ein Produkt selbst führen – etwa ein aktuelles Smartphone –, wird dieses Angebot in der sogenannten Buybox zuerst angezeigt. Sollte unser Bestand nicht verfügbar sein, rückt automatisch ein Marktplatzangebot nach. Sämtliche Angebote bleiben grundsätzlich sichtbar, wenn auch weniger prominent.

Gibt es bestimmte Produktkategorien oder Händler, die Sie gerne noch ganz gezielt für den Marktplatz gewinnen möchten?
Unser Fokus liegt vor allem auf Bereichen, die unser eigenes Sortiment sinnvoll ergänzen. Gerade im CE-Umfeld gibt es viele angrenzende Segmente – etwa Accessoires –, die wir in dieser Sortimentsbreite selbst kaum einkaufen können. Ein besonders wichtiger Schwerpunkt ist für uns zudem der Bereich Refurbished. Wir sehen hier grosses Potenzial – etwa bei Smartphones, Notebooks oder generell IT-Hardware. Gleichzeitig ist uns dabei die Qualität extrem wichtig. Deshalb arbeiten wir in diesem Bereich mit zusätzlichen Richtlinien und nehmen nur Partner auf, die unseren Qualitätsanforderungen entsprechen.

Sprechen Sie potenzielle Partner auch aktiv an?
Ja, das passiert durchaus. Dabei sind wir auch auf Branchenveranstaltungen präsent und nutzen solche Gelegenheiten, um mit potenziellen Partnern ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig können sich Händler auch selbst bei uns bewerben. Wichtig ist: Man kann sich nicht einfach registrieren und direkt verkaufen. Jeder Händler durchläuft einen Bewerbungsprozess. So stellen wir sicher, dass wir weiterhin Kontrolle darüber haben, welche Partner auf der Plattform aktiv sind.
Gibt es umgekehrt auch Produktbereiche, die zwar passen würden, die Sie aber bewusst nicht auf dem Marktplatz sehen ­möchten?
Grundsätzlich sind wir relativ hier offen. Entscheidend ist, dass die Produkte zu unserer Strategie passen und natürlich die lokalen rechtlichen Vorgaben erfüllen. Ein Beispiel wären etwa Produkte aus dem Ausland, die nicht den passenden Stecker für den Schweizer Markt haben – solche Angebote würden natürlich nicht infrage kommen. Der Vorteil eines Marktplatzmodells ist aber, dass man neue Kategorien relativ unkompliziert testen kann. Man sieht relativ schnell, ob die Kunden ein Angebot annehmen oder nicht. Grundsätzlich glauben wir, dass sich viele Produkte rund um das Thema Elektronik sinnvoll miteinander kombinieren lassen. Ein Beispiel sehen wir etwa in Österreich: Dort entwickeln sich auch Themenwelten wie Outdoor gut, obwohl das auf den ersten Blick nicht zwingend zum klassischen Elektroniksortiment gehört. Wenn man passende Produkte kombiniert, kann das für Kunden durchaus attraktiv sein. Deshalb denken wir stärker in Themen und weniger in starren Kategorien.

Über den Marktplatz gewinnen Sie auch viele Daten und Marktinformationen. Nutzen Sie diese Erkenntnisse, um neue Produktkategorien später selbst ins Sortiment aufzunehmen?
Da müssen wir vorsichtig sein. Aus Compliance- und kartellrechtlichen Gründen sind unsere Marktplatzorganisation und das Retail-Geschäft strikt getrennt. Die Plattform-Services agieren unabhängig von der Retail-Organisation. Entsprechend dürfen Daten der Händler nicht einfach weitergegeben werden, beziehungsweise wenn überhaupt, dann nur in aggregierter Form. Grundsätzlich sehen wir natürlich, welche Produkte gefragt sind. Wir stellen aber sicher, dass die Daten unserer Händler geschützt bleiben.


Digitec Galaxus ist bereits seit Jahren mit einem Marktplatz aktiv. Wodurch unterscheidet sich der Media-Markt-Marktplatz für Händler?
Da gibt es mehrere Punkte. Ein wichtiger Unterschied ist unsere Sortimentsstrategie. Plattformen wie Digitec Galaxus verfolgen einen sehr breiten Ansatz und wollen praktisch den gesamten Markt abdecken. Wir setzen stärker auf ein kuratiertes Sortiment mit klarem Fokus auf Consumer Electronics und angrenzende Bereiche. Dazu gehört auch eine bewusste Auswahl der Händler, die wir auf die Plattform lassen. Ein weiterer Punkt ist die internationale Perspektive. Der Media-Markt-Marktplatz ist bereits in acht weiteren Ländern live. Händler, die sich beispielsweise in der Schweiz anbinden, können relativ einfach auch in andere Märkte expandieren – etwa nach Österreich oder Deutschland. Diese Internationalisierung ist für viele Händler ein grosser Vorteil, weil sie den Markteintritt deutlich erleichtert.
Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen Marktplatz?
Aus Kundensicht ist vor allem eine reibungslose Customer Journey entscheidend – von der Produktsuche bis zum Checkout. Für den Kunden darf es keinen Unterschied machen, ob er ein Produkt aus dem Media-­Markt-Eigensortiment oder von einem Marktplatzpartner kauft. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die ­Qualität. Der Kunde erwartet denselben Service – unabhängig davon, ob das Produkt von Media Markt selbst oder von einem Händler stammt. Deshalb integrieren wir den Marktplatz konsequent in unser Omnichannel-Modell. So können Marktplatzprodukte beispielsweise auch in unseren 44 Filialen in der Schweiz retourniert werden. Darüber hinaus braucht ein Marktplatz eine gewisse Relevanz im Markt. Händler kommen nur auf eine Plattform, wenn sie dort Reichweite und eine starke Marke vorfinden. Und auch aus Kundensicht spielt Vertrauen eine grosse Rolle – man kauft eher auf einer Plattform, die man kennt. Ein zentraler Vorteil eines Marktplatzmodells ist zudem die Sortimentsbreite. Viele Kategorien oder Nischenprodukte könnten wir selbst gar nicht wirtschaftlich einkaufen. Über den Marktplatz können wir das Angebot deutlich erweitern.

Abschliessend noch: Welche Ziele haben Sie für den Marktplatz im laufenden Jahr?
Konkrete Ziele kommunizieren wir nicht. Was ich sagen kann: Im vergangenen Geschäftsjahr lag das Marktplatzvolumen gruppenweit – damals noch ohne die Schweiz – bei rund 527 Millionen Euro. Das zeigt, dass der Marktplatz ein strategisch wichtiger Baustein innerhalb unseres Omnichannel-Ansatzes ist.


Und bezüglich Sortiment oder Händleranzahl?
Im ersten Jahr liegt der Fokus klar auf dem Ausbau des Sortiments in relevanten Kategorien. Wir wollen das Wachstum, das wir bereits in den ersten Wochen gesehen haben, weiter und in ähnlichem Tempo fortsetzen. Gleichzeitig gilt für uns immer: Wachstum darf nicht zulasten der Qualität gehen. Deshalb achten wir sehr genau darauf, dass unsere Qualitätsstandards eingehalten werden. (mw)


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