Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz einen historischen Höchststand. Laut einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet wurden bei im Handelsregister eingetragenen Unternehmen 54 Prozent mehr Insolvenzverfahren eröffnet als im Vorjahr. Regional zeigten sich aber erhebliche Unterschiede. Am stärksten stiegen die Firmenkonkurse in der Zentralschweiz (+61%), gefolgt vom Espace Mittelland (+59%) und der Südwestschweiz (+56%). Unterdurchschnittlich fiel der Anstieg wiederum in der Ostschweiz (+52%), in der Nordwestschweiz (+51%) sowie in Zürich (+46%) aus.
Mit Blick auf die Branchen waren die Unterhaltungs- und Freizeitwirtschaft (+94%) sowie die der Herstellung dauerhafter Güter (+89%) am stärksten betroffen. Auch bei persönlichen Dienstleistungen (+81%) sowie in der IT-Branche (+77%) nahmen die Insolvenzen besonders deutlich zu, wie die Marktbeobachter feststellen. Vergleichsweise moderat fiel der Anstieg in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (+24%), der Holz- und Möbelindustrie (+29%) sowie im Gesundheitswesen (+33%) aus.
Dun & Bradstreet schreibt die hohe Zahl der Firmenkonkurse der seit Januar geltenden Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (SchKG) zu. Mit der Gesetzesänderung sind öffentlich-rechtliche Gläubiger wie Steuerbehörden und Sozialversicherungen verpflichtet, ausstehende Forderungen konsequent über Konkursverfahren durchzusetzen. Dadurch würden zahlreiche bislang aufgeschobene oder verdeckte Insolvenzen beschleunigt sichtbar, so die Einschätzung der Experten. Ziel der Reform ist eine höhere Markttransparenz, eine verbesserte Zahlungsmoral sowie die Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch wirtschaftlich nicht mehr tragfähige Unternehmen. "Der starke Anstieg der Firmenkonkurse im Jahr 2025 ist in erster Linie Ausdruck einer politisch gewollten Marktbereinigung und weniger einer konjunkturellen Verschlechterung", sagt Marianne Bregenzer, Country Lead Schweiz bei Dun & Bradstreet. "In dieser Übergangsphase wird es für Unternehmen umso wichtiger, wirtschaftliche Risiken realistisch einzuschätzen und die Stabilität von Geschäftspartnern laufend zu überprüfen."
Trotz des markanten Anstiegs der Konkurse nahm die Gründungsaktivität im Jahr 2025 landesweit und branchenübergreifend um 5 Prozent zu. Auch hier ist die IT-Branche mit plus 18 Prozent vorne mit dabei, nur übertroffen von der Immobilienwirtschaft mit plus 22 Prozent.
(sta)