Novell will sich mit Entlassungen retten

Mit Entlassungen, Restrukturierungsmassnahmen und einer neuen Ausrichtung versucht der angeschlagene Software-Hersteller Novell, sich hochzurappeln.

Artikel erschienen in IT Reseller 2000/16

   

Novells Schwierigkeiten sind seit längerem bekannt. Windows NT und 2000 setzten Netware bei Neuverkäufen mächtig zu, und seit kurzem attackiert Microsoft auch die bestehende Kundenbasis mit einem Tool, das die Migration von Netware zu Windows 2000 erleichtert.
Während das alte Jahrtausend noch mit einem Gewinnrekord endete, produzierte Novell im neuen Millennium einen Fehlstart. Umsatz- und Gewinnrückgänge verursachten einen massiven Verfall der Aktienkurse. Der Preis einer Aktie sank von 40 Dollar Mitte Februar auf 8 Dollar Ende Mai. Seither blieb der Kurs etwa stabil, während alles auf die Reaktion des Managements wartete. Übernahmegerüchte kursierten, Analysten behaupteten, niemand bei Novell wisse, was im Moment zu tun sei.

Ein bisschen sparen, ein bisschen ausgeben

Die jetzt angekündigte Entlassung von 900 Mitarbeitern soll wohl, neben den konkreten Einsparungen, die sie bringt, auch ein deutlicher sichtbares Zeichen für die Handlungsbereitschaft des Managements setzen. Zusammen mit gewissen Verkäufen (Einige Offices werden wahrscheinlich ganz geschlossen) und einmaligen Restrukturierungsinvestitionen von ca. 45 Mio. Dollar möchte man so die Geschäftskosten um etwa 45 Mio. Dollar pro Quartal senken.
Ungefähr die Hälfte des eingesparten Geldes will Novell in neue Initiativen stecken. Dazu gehören Produktentwicklungen ebenso wie vermehrte Anstrengungen im Sales- und Marketingbereich. Damit will man das Image auffrischen und vor allem die Produkte wesentlich bekannter machen, die in Zukunft den Hauptumsatz für Novell generieren sollen. Der Unternehmensschwerpunkt wird von Netware auf Web-Cache-Software und verzeichnisbasierte Programme zur Verwaltung von ausgedehnten Netzwerken (Stichwort eDirectory) verlagert.

Mehr Geld für alte Pläne

Diese Pläne sind allerdings nicht ganz neu. Schon das schwache Q2 wurde teilweise mit der Restrukturierung im Salesbereich erklärt, und von der Neuausrichtung auf verzeichnisbasierte Applikationen wurde bereits gesprochen, als diese 1999 den Hauptanteil zur damaligen Umsatzsteigerung beitrugen.
Beobachter behaupteten auch immer wieder, dass sich Novell ganz aus der OS-Schlacht zurückziehen würde. Netware wird allerdings trotzdem weiterentwickelt, zumindest ist die Version 6 auf das erste Halbjahr 2001 angekündigt worden.

Keine Entlassungen bei Novell Schweiz

Obwohl bei Novell weltweit ungefähr 16% der Belegschaft gehen müssen, und auch einige Offices geschlossen werden, wird es in der Schweiz keine Entlassungen geben. Dies konnte IT-Reseller in einem Gespräch mit Adrian Humbel in Erfahrung bringen. Humbel war Country-Manager Schweiz bei Novell, ist kürzlich zum «Director EMEA Market Development» aufgestiegen und soll als solcher die europäische Verkaufsorganisation für neue Märkte in Schwung bringen.
Wie Humbel uns sagte, wird es auch keine, oder höchstens geringe Restrukturierungen bei Novell Schweiz geben. Das sei nicht nötig, weil die Organisation hierzulande den neuen Richtlinien eigentlich schon entspreche. (hjm)


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