Artensterben erfasst ERP-Spezialisten

Artensterben erfasst ERP-Spezialisten

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2008/04 – Seite 1
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10. März 2008 - ERP-Hersteller haben besonders Mühe, qualifiziertes Personal zu finden und längst nicht jedes Schweizer Informatikproblem lässt sich mit Indern lösen. Hersteller greifen deshalb für die Rekrutierung zu ungewöhnlichen Mitteln.
Artensterben erfasst ERP-Spezialisten
Frage: Wie gross ist der Mangel an Fachkräften bei Schweizer ERP-Herstellern? Antwort: Man weiss es nicht so genau. Denn nur schon die Erhebungen über alle in der Schweiz tätigen Informatiker schwanken zwischen 110’000 und 230’000. Aus den Erhebungen des Stellenportals der Personalberatung Oprandi & Partner lässt sich klar ablesen: Es werden in keiner anderen Branche so viele Fachkräfte gesucht wie in der Informatik. Unter den drei meistgesuchten Posi­tionen fungieren IT-Projektmanager mit 186, Berater mit 185 und SAP-Spezialisten mit 131 Stellenangeboten. Doch welche Projekte gilt es zu managen und zu beraten?
Alfred Breu, Präsident der Zürcher Lehrmeister­vereinigung Informatik (ZLI), hat sich eingehend mit dem Informatikerschwund befasst. Angesprochen auf den ERP-spezifischen Fachkräftemangel kennt auch er keine genaueren Zahlen: «Konkrete Aussagen zu einem bestimmten Sektor zu machen, ist ausserordentlich schwierig. Wir wissen mit den heutigen Erhebungen noch nicht einmal genau, wie viele Informatiker in der Schweiz arbeiten, geschweige denn, wie viele Stellen offen sind.»
Das Problem besteht vor allem in der schwierigen Abgrenzung: Wer genau gilt alles als Informatiker? Die Problemstellung lässt sich mühelos auf die brancheninterne Strukturerhebung übertragen: Wer ist eigentlich ein ERP-Spezialist? «Das ist eine Definitionssache», sagt Breu, «es kommt darauf an, ob man den Projektleiter im ERP-Bereich auch als ERP-Spezialisten betrachtet oder nicht.» Falls ja, wäre ERP der Spitzenreiter bezüglich Spe­zialistenknappheit. Somit lässt sich das Problem der IT-Branche direkt auf die ERP-Branche übertragen. Und da sieht Breu momentan schwarz: «Jährlich haben wir in der Schweiz 10’000 Abgänge aller Art in der IT-Branche. Dem stehen 1600 IT-Lehrlinge und 300 IT-Hochschulabsolventen gegenüber.» An den Zürcher Fachhochschulen haben 170 ein Informatikstudium abgeschlossen, das sind in etwa so viele, wie Credit Suisse alleine gerne anstellen würde. Oder anders ausgedrückt: Momentan fehlen der Schweiz jährlich 8000 IT-Spezialisten mehr.

ERP-Entwicklung ist kreative Arbeit

Wie lässt sich die prekäre Situation in den Griff kriegen? Breu sagt, die Branche habe den Nachwuchs selbst sträflich vernachlässigt: «Es gibt in der IT zu wenig Lehrstellen, ohne Lehrstellen gibt es keine IT-Hochschulabgänger. Zudem wird auch in Gymnasien kaum mehr IT-Unterricht betrieben.» Das sei aber nur einer von mehreren Gründen für den Arbeitskraftmangel. Ein anderer sei das schlechte Image der Informatik bei Jugendlichen. «Informatiker haben bei jungen Leuten immer noch den Ruf des schrullig-schlabbrigen, Pizza essenden Freaks» erklärt Breu. Obwohl das überhaupt nicht mehr zutreffe.
Viele Jugendliche hätten zudem das Gefühl, eine Anstellung im Marketing sei kreativer als eine Anstellung als Informatiker. «Dabei ist gerade die Mitentwicklung eines ERP-Systems höchst kreativ und zu einem grossen Teil mitverantwortlich für den Markterfolg eines Unternehmens.» Ausserdem müsste man jungen Leuten mal klarmachen, wie sicher eine Karriere in der Informatik sei: «Wer auch nur ein bisschen seriös arbeiten kann und einen gewissen Ehrgeiz hat, hat in der IT eine Karriere auf sicher», ist Breu überzeugt.
 
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