KANAL TOTAL: Die Frisur hält

KANAL TOTAL: Die Frisur hält

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2005/11
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6. Juni 2005 -
KANAL TOTAL: Die Frisur hält
Die Frisur hält
Basel, 10:00h. Sonne, die Frisur hält. Ich schiebe meinen Batch unter die Lichtschranke, das Drehkreuz öffnet sich und ich stehe im Messe-Land. Ich schlendere für einen ersten Inspektionsgang durch die beiden Messehallen. Die Stimmung ist gut, man lässt mich in Ruhe, so soll es sein. «Haben Sie schon Ihre Brille putzen lassen?» Ich schaue um mich. Bin ich gemeint? Und welche Brille? Die Klobrille? «Ich werde auf das Angebot vielleicht später zurückkommen, irgendwann, wenn ich eine Brille trage.»
«Haben Sie auch immer Kabelsalat?» «Wer ich? Nein. Ich werde auf Ihr Angebot vielleicht später zurückkommen, irgendwann, wenn ich Kabelsalat haben sollte.» Ein befreundeter Journalist gesellt sich zu mir. Ich halte Ausschau nach Mobile Computing, er ist auf Gipfeli und Häppchen fokussiert. Er hat übrigens soeben seine Brille putzen lassen.
12:00h, Zeit für ein Sonnenbad auf der Terrasse. Am Tisch neben mir zündet sich ein Herr mit einer riesigen Sonnenbrille gerade einen kleinen Joint an. «Immer wieder geil, so eine Messe!», er lächelt beseelt und macht ein Foto von sich selbst. Später besuche ich einen Dististand, dessen Chef mir verrät, dass die Media Center PCs eigentlich erst in ein paar Jahren stubenrein sind. «Das ist was für Freaks», sagt er. «Manchmal sehne ich mich nach einem ganz normalen Fernseher zurück.» Ja und ich mich nach Zeiten ohne Messen. Wenig später werde ich eine Stunde lang über sämtliche Partnerstände eines Herstellers geschleift. «Haben Sie noch Fragen?» «Ja, wann sind wir hier fertig?»
14:00h, die Frisur hält nicht mehr wirklich. Unser Verkäufer versucht mit verbissenem Gesicht in einem Formel-1-Animations-Rennauto Kimi Räikkönens Zeit zu toppen. Auf der Damentoilette, ein Hauch von Zitronella in der Luft, übergibt sich gerade jemand. «Das Bistro im zweiten Stock, was?» sag ich. «Nein, nein, ich komme gerade vom Seminar ‹Vom Datenfriedhof zu mehr Umsatz›.» «Am Siemens-Stand gibt’s Zahnbürsten», empfehle ich. Das WC-Papier ist übrigens dreilagig und besonders flauschig, das ist Service, da wo
er hingehört, am Hintern des Kunden. «Haben Sie die Klobrille geputzt?»
16:00h, ich bin leicht abgeschlafft.
An einem Disti-Stand verteilt eine barbusige Disti-Polizistin «Ordnungsbussen», da liesse man sich doch gerne mal verhaften! «Wollen Sie jetzt vielleicht ihre Brille putzen lassen?»
17:00h, Branchenapéro, die Frisur ist im Eimer, das Buffet wird gestürmt. Das Bier fliesst und die Zungen lockern sich. Geheimnisse werden ausgeplaudert, die, weiss sie erst einmal die Presse, dummerweise keine Geheimnisse mehr sind. Ein paar Studenten fressen sich dummdreist durchs VIP-Buffet. Frechheit siegt. Ein ganz mutiger Zeitgenosse fasst mir von hinten an die Oberweite, er muss das «Greifen Sie zu» der Cateringfirma irgendwie missverstanden haben. «Ich hasse Messen», flüstert jemand. Da ist er nicht der einzige. Es ist alles so wie immer – und das ist auch gut so.

Susann Klossek

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