«Services & Solutions sind ein zentraler Wachstumstreiber»
Quelle: Media Markt

«Services & Solutions sind ein zentraler Wachstumstreiber»

Seit rund vier Monaten steht Vittorio Buonfiglio an der Spitze von Media Markt Schweiz und ­Österreich. Mit «IT Reseller» spricht er über seinen Start ins Amt, die Integration der Melectronics-­Standorte sowie Wachstumspotenziale, Services und den Ausbau des B2B-Geschäfts.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/09


«IT Reseller»: Sie haben die Leitung von Media Markt Schweiz und Österreich Anfang April übernommen. Wenn Sie auf die ersten Monate zurückblicken, welche Bilanz ziehen Sie?
Vittorio Buonfiglio:
Die ersten Monate waren vor allem von Zuhören, Verstehen und Lernen geprägt. Mir war es wichtig, nah an unseren Kundinnen und Kunden sowie an unseren Mitarbeitenden zu sein. Bei zahlreichen Store-Besuchen und Gesprächen mit den Teams vor Ort konnte ich die Märkte, ihre Besonderheiten und die jeweiligen Bedürfnisse besser kennenlernen. Mein Fazit fällt sehr positiv aus: Das Alpine Cluster verfügt über starke Teams, viel Kompetenz und grosses Potenzial. Für die nächste Phase sind Kundenzentrierung, Zusammenarbeit, Geschwindigkeit, Vertrauen und positive Energie entscheidend.

Sie waren bereits früher CEO von Media Markt Schweiz und haben seither unter anderem in Italien gearbeitet. Wie unterscheidet sich der Schweizer Markt vom italienischen, und mit welchem Blick sind Sie nun in die Schweiz zurückgekehrt?
Meine Zeit in Italien hat meinen Blick auf den Markt nochmals geschärft. Wie in der Schweiz herrscht dort ein sehr intensiver Wettbewerb – entsprechend entscheidend sind konsequenter Kundenservice, hohe Geschwindigkeit und ein überzeugendes Gesamterlebnis. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Entwicklungsstand des Online-Geschäfts: In der Schweiz ist der Onlineanteil deutlich höher und liegt inzwischen bei über 60 Prozent, während Italien hier noch Nachholpotenzial hat. Entsprechend sind auch die Erwartungen an digitale Angebote, Verfügbarkeit und Prozesse in der Schweiz besonders hoch. Gleichzeitig spielen die Stores in Italien weiterhin eine deutlich grössere Rolle. Kundinnen und Kunden besuchen die Märkte dort schätzungsweise zwei- bis dreimal häufiger als in der Schweiz – vielfach als Familien am Wochenende. Dabei dient der Store-Besuch in Italien häufig dazu, sich über Produkte zu informieren und verschiedene Optionen zu prüfen. In der Schweiz ist die Kaufabsicht beim Besuch eines Stores im Durchschnitt konkreter. Das zeigt sich in einer höheren Conversion Rate. Für uns als Händler bedeutet das, die jeweiligen Marktgegebenheiten genau zu berücksichtigen.


Ihr Mutterhaus Ceconomy hat kürzlich die Strategie «Moments of Trust» vorgestellt. Was bedeutet diese Strategie konkret für Media Markt Schweiz – jenseits des Schlagworts?
Im Zentrum steht ein umfassendes Angebot aus Produkten, Dienstleistungen und individuellen Lösungen, mit dem wir die Kundschaft über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg begleiten. Für Media Markt Schweiz bedeutet «Moments of Trust», dieses Fundament weiter zu stärken und an jedem Kontaktpunkt Vertrauen zu schaffen. Dazu gehören persönliche Beratung, ein nahtloses Einkaufserlebnis über alle Kanäle und Dienstleistungen wie Installation, Reparatur, Trade-in oder Refurbishment. Technologie und KI unterstützen uns dabei, sie ersetzen aber nicht die Kompetenz und Nähe unserer Mitarbeitenden.
Media Markt investiert zunehmend in Services und Dienstleistungen. Welchen Stellenwert sollen diese künftig im Vergleich zum klassischen Produktverkauf einnehmen?
Services & Solutions sollen als Ergänzung zum klassischen Produktverkauf künftig eine noch wichtigere Rolle einnehmen. Der Produktverkauf bleibt unser Kerngeschäft, doch Services & Solutions sind ein zentraler Wachstumstreiber und schaffen entlang des gesamten Produktlebenszyklus zusätzlichen Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden. Von der Beratung und Installation über Reparatur und Support bis hin zu Trade-in- oder Refurbishment-Angeboten geht es darum, konkrete Lösungen aus einer Hand anzubieten – unabhängig davon, ob der Kontakt online oder im Store beginnt.

Mit der Übernahme der ehemaligen Melect­ronics-Standorte hat Media Markt sein Filial­netz deutlich erweitert. Wie komplex war die Integration und wie weit ist sie heute fortgeschritten?
Die Integration der ehemaligen Melectronics-Standorte war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die innerhalb eines ausgesprochen kurzen Zeitraums umgesetzt wurde. Mit dem Xpress-Format konnten wir unsere Präsenz in der Schweiz deutlich ausbauen und gleichzeitig wichtige Impulse für unser Online-Geschäft setzen. Wir sind mit der Integration sehr zufrieden. Gleichzeitig handelt es sich weiterhin um einen laufenden Prozess. An einigen Standorten besteht noch Verbesserungspotenzial – etwa bei Abläufen, Sortimenten oder der vollständigen Verankerung der Media-Markt-Kultur. Das ist bei einer Integration dieser Grössenordnung ­normal.


Welche Rolle sollen diese Standorte künftig spielen?
Die ehemaligen Melectronics-Standorte sollen künftig deutlich mehr sein als klassische Verkaufsflächen. Als Xpress-Stores verbinden sie die Stärken des stationären Geschäfts – Kundennähe, persönliche Beratung und schnelle Verfügbarkeit – mit den Möglichkeiten unseres Online-Angebots. Aufgrund ihrer kompakten Verkaufsfläche verfügen die Standorte über ein fokussiertes Sortiment. Gleichzeitig können Kunden online auf das gesamte Media-Markt-Angebot zugreifen (Endless Aisle) und Produkte zur Lieferung oder Abholung in den Store bestellen. So verbinden wir lokale Präsenz mit digitaler Sortimentsbreite. Darüber hinaus fungieren die Xpress-Stores als wichtige Anlaufstellen für Services wie Trade-in, Reparaturen, Recycling und Refurbishment.
Ist mit der Integration der Melectronics-Filialen die Expansion des Filialnetzes vorerst abgeschlossen?
Nicht grundsätzlich. Die Weiterentwicklung unseres Standortportfolios ist eine kontinuierliche Aufgabe: Wir überprüfen unsere bestehende Präsenz regelmässig und evaluieren laufend, wo sich zusätzliche Möglichkeiten ergeben.

Der Elektronikhandel steht unter starkem Wettbewerbs- und Preisdruck. Welche Entwicklungen beschäftigen Sie derzeit am ­meisten?
Für uns steht nicht die kurzfristig aggressivste Preispositionierung im Vordergrund, sondern ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dabei betrachten wir den Preis nicht isoliert, sondern im Gesamtkontext. Dazu gehören die Qualität und Verfügbarkeit des Produkts, eine kompetente Beratung, die Möglichkeit, sich vor Ort informieren zu lassen, sowie Dienstleistungen und Unterstützung nach dem Kauf. Gerade in einem zunehmend digitalen Markt bleiben Vertrauen, persönliche Ansprechpartner und ein physischer Ort für Beratung wichtige Differenzierungsmerkmale.


Wo sehen Sie in einem weitgehend gesättigten Markt die grössten Wachstumspotenziale für Media Markt?
In der Differenzierung. Es geht weniger darum, den Markt lediglich über zusätzliche Verkaufsflächen oder Produkte zu erweitern, sondern darum, unser Geschäftsmodell konsequent an den Bedürfnissen der Kundschaft auszurichten. Wachstum entsteht durch das Zusammenspiel eines relevanten Sortiments, persönlicher Beratung sowie zusätzlicher Services. Auch Marketplace und Retail Media eröffnen neue Möglichkeiten.

Welche Bedeutung hat das B2B-Geschäft heute innerhalb von Media Markt Schweiz, und welche Rolle soll dieser Bereich künftig spielen?
Das B2B-Geschäft ist für Media Markt ein wichtiger Bestandteil unserer internationalen Strategie. In den verschiedenen Ländern ist dieser Bereich unterschiedlich weit entwickelt; entsprechend arbeiten wir derzeit daran, die entsprechenden Strukturen und Angebote auch in der Schweiz weiter auszubauen. Dabei geht es darum, die Bedürfnisse von Geschäftskunden gezielt zu adressieren und ihnen ebenso wie unseren Privatkunden attraktive Produkte, Services und Lösungen anzubieten. Die Entwicklung erfolgt schrittweise und im Rahmen des internationalen Roll-outs. Weitere konkrete Informationen zu den nächsten Schritten und dem ­Ausbau des B2B-Geschäfts in der Schweiz können wir voraussichtlich zur Jahresmitte 2027 bekannt geben.
Für Hersteller und Distributoren ist die Zusammenarbeit mit dem Handel zentral. Was erwarten Sie künftig von Ihren Technologiepartnern, damit eine Partnerschaft für beide Seiten erfolgreich bleibt?
Eine erfolgreiche Partnerschaft mit Herstellern und Distributoren setzt für uns vor allem ein gemeinsames Verständnis der Markt- und Kundenbedürfnisse voraus. Der Elektronikmarkt entwickelt sich dynamisch, deshalb sind Innovation und die Fähigkeit, relevante Technologien und Lösungen rasch in den Markt zu bringen, entscheidend. Ebenso wichtig sind Geschwindigkeit und eine möglichst hohe Planungssicherheit – insbesondere bei Sortiment, Verfügbarkeit und Beständen. Je besser wir gemeinsam planen und auf Veränderungen reagieren können, desto zuverlässiger können wir die passenden Produkte zur richtigen Zeit anbieten.

KI verändert derzeit den Handel in vielen Bereichen. Wo setzt Media Markt KI heute bereits ein, und wo sehen Sie in den nächsten Jahren das grösste Potenzial?
KI ist für die Media-Markt-Saturn-Gruppe ein strategisch wichtiges Zukunftsthema und wird bereits in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, wie KI einen konkreten Mehrwert für Kunden sowie Mitarbeitende schaffen kann. Potenzial sehen wir insbesondere bei der Produktsuche und -beratung, bei der Personalisierung des Einkaufserlebnisses sowie bei der Optimierung interner Prozesse. Die Gruppe prüft und entwickelt entsprechende Anwendungen laufend weiter und rollt sie schrittweise in den einzelnen Ländern aus.


Wenn wir dieses Gespräch in einem Jahr erneut führen würden: Woran möchten Sie messen lassen, dass Ihr erstes Jahr als CEO von Media Markt Schweiz erfolgreich war?
An konkreten Fortschritten. Ist es uns gelungen, die Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden sowie unserer Mitarbeitenden nachhaltig zu steigern? Entwickeln sich der Net Promoter Score (NPS) und der Net Promoter People (NPP) positiv – also die Weiterempfehlungsbereitschaft der Kunden sowie die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden? Ebenso wichtig ist, dass sich diese Fortschritte in den Geschäftsergebnissen widerspiegeln – durch profitables Wachstum, eine stärkere Kundenbindung und die erfolgreiche Umsetzung unserer strategischen Vorhaben. (mw)
Media Markt verkauft neu auch Swisscom-Produkte
Swisscom hat Mitte August eine Zusammenarbeit mit Media Markt Schweiz angekündigt. Diese sieht vor, dass die Produkte von Swisscom künftig auch in ausgewählte strategische Filialen des Elektronikhändlers verfügbar sind. In den Filialen werden dedizierte Flächen für die Marken Swisscom und Wingo eingerichtet. Kunden können sich dort zu Angeboten für Mobile, Internet, TV und Sicherheit beraten lassen und Verträge direkt vor Ort abschliessen. Den Anfang machte der Media Markt in Dietlikon. Folgen sollen dann neun weitere Standorte des Elektronikhändlers in Lyssach, Basel SBB, Carouge, Meyrin, Kriens, St. Gallen, Crissier, Dietikon und Zürich Sihlcity.


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