Bei
Init7 ist der Mitarbeitende nicht nur eine Nummer, sagt Anita Meyer, Head of Network und Infrastructure. Das heisst auch: «Damit eine langjährige gute Zusammenarbeit entsteht, muss es passen – fachlich, aber vor allem auch menschlich. Wenn du dich 40 Stunden pro Woche verstellen musst, kannst du nicht gut performen.» Titel seien dabei zweitrangig, betont Meyer. Entscheidend sei, was jemand kann, wie er oder sie arbeitet und wo die individuellen Stärken liegen.
Anita Meyer spricht aus der Praxis. Sie ist seit über 13 Jahren bei Init7 tätig, sitzt in der Geschäftsleitung und arbeitet eng mit den technischen Teams zusammen. Und das klare Bekenntnis zur Individualität aller Mitarbeitenden komme auch aus der eigenen Erfahrung, dass Zusammenarbeit in anderen Firmen ganz anders aussehen kann – und nicht jedes Umfeld zu einer Person passt. Dazu gehört die Zielsetzung, sich nicht verstellen zu müssen. «Sei du selbst, bring deine Individualität ein, unter dem gemeinsamen Ziel, auf das wir uns fokussieren», sagt die Init7-Managerin. Wer ein enges Rollenbild und fixe Abläufe braucht, wird beim Internetprovider schnell eine Diskrepanz merken. Viele Aufgaben sind nicht bis ins letzte Detail definiert – und Herausforderungen werden direkt im Team gelöst, ohne viel Politik und lange Diskussionsschleifen.
Kurze Wege, klare Worte
Bei
Init7 sind die Wege kurz, und die Türen stehen offen. Alle Mitarbeitenden sollen ihre Anliegen adressieren können, unabhängig von Funktion oder Rang. «Wir begegnen uns alle auf Augenhöhe, vom Auszubildenden bis zum CEO, und jede Arbeitsleistung wird geschätzt. Jeder und jede von uns hat eine wichtige Rolle, die er oder sie erfüllt, im Sinne von Init7», sagt Meyer.
Das gilt auch (und besonders), wenn es klemmt. Etwaige Probleme sollen nicht in Ticketsystemen verschwinden, bis die verantwortliche Person Zeit dafür findet. «Themen gehören besprochen und auf den Tisch gebracht. Wer etwas sieht oder wen etwas beschäftigt, bringt es ein. So werden Missverständnisse und Sorgen früh geklärt, bevor sie grösser werden», sagt Meyer.
Anita Meyer, Head of Network und Infrastructure, Init7 (Quelle: Init7)
Gemeinsam am Steuer
Die Geschäftsleitung beschreibt die Managerin in diesem Kontext als Taktgeberin. Sie setzt den Fokus, diskutiert Wachstum, Zahlen, Optimierungen und thematisiert Pain Points. Das soll funktionieren wie die Crew eines Schiffs: Die Richtung wird im Management gesetzt, aber die Teams steuern gemeinsam auf das Ziel zu. Input aus der Belegschaft sei dabei ein wichtiger Bestandteil der Entscheidungsfindung, zumindest dort, wo es fachlich sinnvoll ist. Alle drei Monate findet beispielsweise ein All-Hands-Meeting statt, in dem die Geschäftsleitung transparent aufzeigt, wo die Reise hingehen soll, um die Mitarbeitenden mitzunehmen. Wer will, kann für diesen Rahmen zudem eigene Themen und Präsentationen einreichen.
Aber auch unabhängig von diesen Terminen bleiben die Wege kurz: Die direkte Abstimmung mit der Geschäftsleitung ist prinzipiell immer möglich. Meyer sagt, sie habe nie erlebt und wolle auch nie erleben, dass jemand dafür gerügt werde, «Hierarchiestufen» übersprungen zu haben.
Fehler passieren – und Fingerpointing ist tabu
Wie in jedem Arbeitsumfeld lassen sich Fehler im Alltag nicht komplett vermeiden. Für Anita Meyer ist deshalb nicht der Fehler an sich entscheidend, sondern der Umgang mit diesem. Als Head of Network und Infrastructure kann sie dabei aus der Vergangenheit berichten: Beispielsweise von Rollouts, die zurückgerollt werden mussten, oder Nachteinsätzen, bei denen ein Konfigurationsschritt unterging – das alles gab es. «Wer keine Fehler macht, arbeitet nicht», sagt die Managerin. Entscheidend sei, was danach passiert. Fingerpointing sei ein No-Go. Ein Fehler betreffe das ganze Team, sie eingeschlossen. Statt Schuldzuweisung geht es also um Ursachensuche, Dokumentation und Prozessanpassungen. Troubleshooting wird festgehalten, Abläufe geändert, Rollouts wiederholt. Hinzu komme die Transparenz gegenüber den Kunden.
Init7 informiere «klipp und klar», was passiert ist, was der Auslöser war und wie man verhindert, dass es wieder vorkommt. «Das Schlimmste wäre, eine Kultur zu etablieren, die Angst erzeugt, Fehler zu machen.»
Präsenz, Home Office und Pikettdienst
Mit Blick auf die Arbeitsgestaltung will
Init7 seinen Mitarbeitern Struktur geben, ohne das Privatleben zu stark einzuschränken. Von der Geschäftsleitung vorgegeben ist eine Büroanwesenheitspflicht von einem Tag pro Woche. Darüber hinaus entscheidet die jeweilige Teamleitung, ob es bei einem Tag bleibt oder ob zwei bis drei Tage sinnvoll sind. In den technischen Teams überwiegen laut Meyer drei Tage Präsenz bei zwei Tagen Home Office.
Sie beschreibt ihren eigenen Alltag zudem als Beleg dafür, wie Arbeit und Familie zusammen funktionieren können. Morgens aktuelle Aufgaben zuhause sichten, Feedback aufgleisen, die Kinder in Schule und Kindergarten bringen, dann ins Office – und beim Abholen ist der Ablauf ähnlich. Die Mitarbeitenden eines Internet Service Providers müssen für Kunden stets verfügbar sein, aber nicht zwangsläufig, indem sie Abstriche bei ihrem Privatleben machen. Die reguläre Arbeitszeit liegt zwischen 9 und 5 Uhr. Ausserhalb dieser Zeiten sorgt ein 24/7-Rufbereitschaftsdienst für stabilen Betrieb. Wer zwischendurch trotzdem weg muss, gibt seinen Arbeitskollegen Bescheid. «Wir stellen ja keine smarten Leute ein, um sie 24/7 zu kontrollieren», so Meyer.
Im Büro setzt Init7 auf eine offene Arbeitsumgebung mit viel Licht, flexiblen Arbeitsplätzen und kurzen Wegen. (Quelle: Init7)
Open Work und Open Source als Haltung
Init7 pflegt eine Open Work Policy mit Spinden, persönlichem Organizer, Laptop, Tastatur, Headset und Maus. Dazu kommen Arbeitszonen, die Konzentration oder Austausch unterstützen sollen: Noisy Working Zones und Silent Working Zones. Ein fester, persönlicher Platz ist hingegen bewusst nicht vorgesehen, mit einer kleinen Regel möchte
Init7 zudem Gewohnheiten aufbrechen: «Du darfst nicht denselben Arbeitsplatz an zwei Tagen hintereinander beanspruchen.»
Wer für Calls oder Workshops hingegen Ruhe braucht, findet im Unternehmen Meetingräume mit Beamer. Im Lab, dem Engineering Center, werden darüber hinaus Konfigurationen aufgebaut und getestet – eine «riesige Spielwiese» für Support, Network Engineering, System Engineering und andere Teams.
Technisch zieht sich zudem ein ganz anderer roter Faden durch das Arbeitskonzept des Unternehmens: «Wir sind eine Open-Source-Firma. Wir lieben Open Source.» Daraus ergibt sich wiederum eine Ausschlussliste: «Kein Microsoft, kein Zoom, nichts dergleichen.» Stattdessen nutzt Init7 einen eigenen Jitsi-Server für die Abstimmung, bei den Geräten gibt es Thinkpads mit Linux, alternativ Macs. Standardisiert wird nur dort, wo es den Alltag erleichtert. Sobald Regeln und Vorgaben die Arbeit bremsen, endet die Standardisierung.
Weiterkommen, rausgehen, zurückgeben
Auch Benefits sind für Meyer ein wichtiges Thema. Der Internetanschluss zuhause ist für Mitarbeitende inbegriffen, dazu gibt es sechs Wochen Ferien. Und auch neben der Projektarbeit investiert das Unternehmen in den Zusammenhalt: Teams organisieren mit einem festen Budget eigene Anlässe, vom Gokart-Abend bis zum Barista-Workshop. Dazu kommen firmenweite Formate wie das traditionelle Weihnachtsessen. Im Rahmen von «Nerds United» veranstaltet
Init7 zudem einmal jährlich einen Community-Event, an dem Kunden, Technikinteressierte und das Team zusammenkommen und sich über Netzpolitik, Technologie und Hardware austauschen. Das Format steht unter dem Motto «Von Nerds für Nerds» und soll die technische Unabhängigkeit und Transparenz des Unternehmens unterstreichen. Für Mitarbeitende ist das zugleich eine direkte Gelegenheit, direktes Feedback zu erhalten. Grundsätzlich legt Init7 viel Wert auf Nähe zur Community und auf damit verbundene Entwicklungsmöglichkeiten.
Dieses Engagement fördert die Firma auch über ein Konferenz-Reglement. Mitarbeitende sollen rausgehen und sich mit der Community treffen, Teil der Szene bleiben und zurückspiegeln, wie diese die Firma wahrnimmt. Ergänzt wird das durch Schulungen – auch Sprachkurse – sowie technische Weiterbildungen bis hin zu Zertifizierungen.
Entwicklung ist bei Init7 nicht nur mit dem klassischen Karrierepfad nach oben möglich. Wer sich weiterbilden will, kann beispielsweise auch den Bereich wechseln, etwa von der Buchhaltung bis hin in eines der technischen Teams. «Wenn du dich weiterbilden und entwickeln möchtest, unterstützen wir dich dabei», sagt Meyer. Dafür gibt es klare Stufen, über die man sich vom Junior bis zum Senior Schritt für Schritt weiterentwickeln kann.
Dass der Internetprovider dabei auch individuelle Lebensphasen berücksichtigt, zeigt Meyer am eigenen Weg auf: «Ich wurde nie zurückgestellt, nur weil ich Kinder bekommen habe. Als meine Tochter klein war, arbeitete ich 80 Prozent, später stockte ich wieder auf.» Auch tiefere Pensen seien möglich, um Care-Arbeit zuhause zu fördern. Für sie ist das ein gegenseitiges Versprechen: Flexibilität auf der einen, Verlässlichkeit auf der anderen Seite.
Passt du zu uns, passen wir zu dir
Trotz aller Vorzüge steht für Meyer aber fest:
Init7 passt nicht für alle. Wer einen fest definierten Prozess von A bis Z braucht, sich an klaren Vorgaben orientiert und ein enges Tätigkeitsfeld erwartet, wird sich im Alltag schwertun. Genau deshalb versucht das Unternehmen, die jeweilige Passung früh zu prüfen und nicht erst nach der Unterschrift.
Bewerbungen werden beispielsweise ergänzt durch drei Freitextfragen, die laut Meyer oft mehr verraten als ein perfekt formatiertes PDF. KI-generierte Antworten sehe man inzwischen ebenfalls immer häufiger, berichtet die Managerin – und rät potenziellen Interessenten davon ab: «Heb dich mit deiner Individualität von der Masse ab.» Auch eine automatische Selektion nach Abschlüssen findet sie problematisch. «Ich finde diese automatische Selektion – wie sie in grossen, internationalen Firmen bereits Standard ist – nicht förderlich.» Stattdessen lesen mehrere Personen die Unterlagen, kommentieren sie und besprechen sie gemeinsam. Je nach Rolle sind Teamleitung und Geschäftsleitung involviert, und der CEO sei oft dabei und lerne viele Bewerbende noch persönlich kennen, bevor es zum Anstellungsangebot kommt.
Der Bewerbungsprozess umfasst mindestens zwei Gespräche, manchmal auch bis zu drei oder gar vier. Das erste Treffen findet oftmals remote statt. Danach kommen Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort, lernen Mitarbeitende kennen, werden durchs Office geführt und sollen ihre «ehrlichen Fragen» direkt an künftige Kolleginnen und Kollegen stellen können. Zwischen den einzelnen Terminen lässt Init7 bewusst Zeit. Bewerbende sollen mindestens 24 Stunden überlegen können, ob sie den nächsten Schritt tun wollen. Und grundsätzlich zählt auch im Bewerbungsgespräch Individualität: Wer geschniegelt erscheint, bekommt den Hinweis, lieber so zu kommen, wie man sich wohlfühlt. «Zieh deinen Hoodie an, zieh deine Crocs an, komm hier rein und lass uns gemeinsam das Ziel von Init7 anpacken», sagt die GL-Vertreterin.
Am Ende sind es für Meyer keine komplizierten Konzepte, die den Unterschied machen, sondern einfache Prinzipien. Transparenz, kurze Wege und das Versprechen, niemanden in der Luft hängen zu lassen. Für Anita Meyer bleibt deshalb vor allem eines zu unterstreichen: Dankbarkeit. «Ich bin dankbar, dass bei all der Entwicklung um uns herum der Mensch bei Init7 noch zählt.»
(dow)
Gemeinsame Anlässe wie «Nerds United» gehören bei Init7 zur Kultur. Sie schaffen Raum für Begegnungen abseits des Tagesgeschäfts. (Quelle: Init7)
Init7 – zum Unternehmen
Init7 mit aktuell 66 Mitarbeitenden ist ein Schweizer ISP mit Sitz in Winterthur. Das Unternehmen versorgt Privat- und Geschäftskunden mit Internetanschlüssen und bietet je nach Bedarf auch Wholesale-Lösungen, BGP-Services (Border Gateway Protocol) in Datencentern und Standortvernetzung an.