"Softwaremonopolisten sollte man nicht unterschätzen"

"Softwaremonopolisten sollte man nicht unterschätzen"

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2016/12 – Seite 1
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4. Dezember 2016 - Der Handel mit Second-Hand-Software ist Herstellern ein Graus. Usedsoft-Gründer Peter Schneider verrät, warum der Markt trotzdem wächst.
"In Zukunft werden auch ­Software-Händler neue wie auch gebrauchte Software ­anbieten." Peter Schneider, Gründer und ­G­eschäftsführer, Usedsoft (Quelle: Usedsoft)
Swiss IT Reseller: Sie haben Usedsoft 2003 gegründet und kämpften bereits zwei Jahre später gegen Microsoft und Oracle. Wie sind Sie vorgegangen?
Peter Schneider: Mit der nötigen Portion Naivität. Ich bin zwar nicht davon ausgegangen, dass sich amerikanische Software-Monopolisten einfach die Butter vom Brot nehmen lassen. Aber diejenigen, die ich nach der Rechtssituation befragt hatte, sahen juristisch kein Problem und ich dachte, dass wir uns schon einig würden. In Amerika ist die Situation aber anders als in Europa und die Software-Hersteller wollten mir weissmachen, dass Ame­rika überall ist.


Für Laien nachgehakt: Wo liegt der Unterschied zwischen der Rechtslage in Europa und in den USA?
Der Unterschied liegt im Erschöpfungsgrundsatz. Das heisst, wenn Sie mir Ihr Aufnahmegerät verkaufen, haben Sie Ihre Rechte daran erschöpft. Sie können mir nicht befehlen, dass nur ich das Gerät benutzen darf. In Europa ist dieser Erschöpfungsgrundsatz «unabdingbar», wie die Juristen sagen, also nicht zu umgehen. In Amerika aber kann man ihn in den allgemeinen Vertragsbedingungen oder in einem extra Vertrag ausser Kraft setzen. Mit anderen Worte: Die Software-Hersteller haben in Europa über 50 Jahre mit ihren Lizenzbedingungen etwas diktiert, was nicht rechtens war.
2006 verlegten Sie Ihren Hauptsitz von Deutschland in die Schweiz. Warum?
Als Anfang 2005 die ersten Rechtsattacken von Adobe und Microsoft kamen, habe ich den Schweizer Urheberrechtspapst Professor Cyrill Rigamonti aus Bern kennen gelernt. Er sagte mir, dass das Urheberrecht in der Schweiz schon so klar sei, dass ich hier nicht angreifbar sei mit meinem Geschäftsmodell. Und er hatte Recht: In Deutschland wurden wir mit einstweiligen Verfügungen überzogen, die bei unteren Gerichten gegen uns stattgegeben wurden und Zeit und Geld kosteten. Aber hier in der Schweiz haben sie es anfangs nur einmal versucht und hatten überhaupt keinen Erfolg aufgrund der klaren Urheberrechtssituation. Erst der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechtslage 2012 auch im Rest Europas zugunsten des Software-Gebrauchthandels geklärt.

Seitdem ist Ruhe?
Seitdem ist Ruhe. Abgesehen davon, dass noch ein paar Juristen der Meinung sind, der EuGH habe falsch geurteilt.
 
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