Netweaver soll SAPs Beziehung zu Partnern intensivieren

Léo Apotheker, die weltweite Nummer zwei von SAP, hat an der Sapphire die Schweizer Partner eindringlich dazu aufgerufen, die Chancen zu nutzen, die sich mit der Integrationsplattform Netweaver im Markt bieten.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2004/10

     

SAP und die Schweizer Partner: Wo vor nicht allzu langer Zeit noch einige Verstimmung das Bild trübte, haben sich die Wolken mindestens teilweise verzogen. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen ist SAP für die Bearbeitung des immer wichtiger werdenden Mittelstands-Marktes auf das lokale und das Branchen-Know-how der Partner angewiesen, zum anderen sollen diese der Integrationsplattform Netweaver so rasch wie möglich zu vielen vorzeigbaren Referenzen und damit zum Durchbruch verhelfen.

Ungebrochenes Bekenntnis zu den Partnern

Als IT Reseller CEO Henning Kagermann an der Sapphire auf die vermehrten Aktvitäten von SAP im Dienstleistungsgeschäft ansprach, reagierte dieser mit einem klaren Bekenntnis zum Channel: «80 bis 85 Prozent unseres Consulting-Geschäfts laufen über die SAP-Partner. Das war gestern so und wird auch morgen so sein.»
Auch Léo Apotheker, President und Head of Global Field Operations, doppelte im Gespräch mit unserem Korrespondenten Boris Schneider in New Orleans nach: «Die SAP verkauft proportional heute nicht mehr Dienstleistungen als früher. Wenn einige unserer Partner heute Probleme haben, dann waren sie unkreativ und haben zu lange vom Einstellen von Tabellen gelebt», so Apotheker.
Wenn ein R/3-Implementierungspartner sich auf der Nahrungskette nicht nach oben bewegt habe, dann sei es kein Wunder, wenn ihm irgendwann eine schlechte Nachricht von SAP ins Haus flattere, so die Nummer zwei des deutschen Softwarekonzerns zu IT Reseller.
«Wir stellen gewisse Ansprüche an unsere Partner und würden uns freuen, wenn sie diesen gerecht werden. Denn wenn ein Projekt schief geht, war es nie der Partner, sondern immer SAP. In Sachen Netweaver gibt es jetzt enorm viel zu tun. Ich würde den Partnern sehr empfehlen, sich darauf zu stürzen, das wäre Klasse. Grosse Partner wie Accenture und Cap Gemini haben das bereits sehr erfolgreich getan.»

Netweaver stösst auf Interesse der Partner

Zahlreiche Schweizer Partner hatten den langen Weg nach New Orleans gemacht, um sich von SAP-Spezialisten aus erster Hand über die künftige Strategie rund um die Integrationsplattform Netweaver zu informieren. «Ich persönlich sehe bei Unternehmen, die auf dem klassischen R/3-Business tätig sind, kein signifikantes Wachstum mehr», sagt etwa Pavel Stacho, Senior Consultant bei Sybor aus Muri.
Seit der Fokussierung von SAP weg von R/3 und hin zu Netweaver stellt Stacho aber einen Paradigmenwechsel fest: «SAP kann und will das gar nicht ohne Partner machen, weil die Integration von Geschäftsprozessen in sehr vielen Fällen auch eine Integration von heterogenen Systemwelten ist.» In diesem Kontext sei der Partner fast gezwungen, auf den neuen Architektur-Stack zu wechseln, weil die bestehenden Kompetenzen im R/3-Umfeld mittelfristig nicht mehr so umfassend eingesetzt werden könnten.
An die Sapphire ist Stacho gereist, um herauszufinden, ob «SAP das Zeug dazu hat, auch für Nicht-SAP-lastige Firmen mit Netweaver der zentrale Architektur-Layer als strategische Integrations- und Applikations-Entwicklungsplattform zu sein».

Keine Konflikte mit SAP SI am Markt

«Netweaver ist für uns zwangsläufig ein Thema, da es die Grundlage für die zukünftigen Releases aller SAP-Produkte ist», sagt Urs Bähler, Geschäftsführer der auf Optimierungen von SAP-Systemen spezialisierten Abilita. Bedeutet denn Netweaver auch eine Konsolidierung im Partnernetz? «SAP dürfte auf diejenigen Partner setzen, die in diesen Bereich investieren, Kompetenz aufbauen und schnell Referenzkunden bringen können», so Bähler kryptisch.
Abilita werde sich in einigen Netweaver-Teilbereichen wie Business Warehouse, Master Data Management oder Portalen selber spezialisieren und die restlichen Bereiche wiederum über Partner mit entsprechender Kompetenz abdecken, so Bähler.
Auf potentielle Konflikte im Markt mit den Consultants von SAP oder von SAP System Integration (SAP SI) angesprochen, meint Bähler: «Innerhalb der Branchen und Themen gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der SAP Schweiz, wie der Markt bearbeitet wird, deshalb sehe ich hier keine Konflikte.»

SAP verbessert das Verhältnis zum Channel

Einen durchaus zufriedenen Eindruck macht am Swiss-Apéro in New Orleans auch Matthias Scherler, Geschäftsführer von Mummert Consulting: «In den letzten Monaten hat SAP viele Anstrengungen gemacht, sein Verhältnis zum Kanal zu verbessern», sagt er. Dies sei mitunter aufgrund der klaren Einsicht der Deutschen erfolgt, eine Software-Firma und kein Dienstleistungsunternehmen zu sein.
Mummert Consulting war bisher grösstenteils im Geschäft mit Implementierungen und Management-Beratungen in der Dienstleistungsbranche tätig – einem Bereich also, in dem das Geschäft mit SAP gewisse Einbrüche erfahren haben dürfte: «Die klassischen ERP-Projekte sind innerhalb unserer Branche im Rückgang», so Scherler.
Deshalb sei Netweaver ganz klar einer der Bereiche, in den es sich für Mummert zu investieren lohne. Interessant seien dabei vor allem die Bereiche Business Warehouse, Solution Manager und Prozessintegration.

Auch Cirrus auf dem Netweaver-Zug

Seit dem Jahr 1996 ist Cirrus mit seinen rund 60 Angestellten SAP-Partner im Implementierungs- und Service-Umfeld von R/3. Da man nicht auf einzelne Branchen fokussiere, habe es ein kontinuierliches Wachstum und keinen Einbruch gegeben, so Geschäftsleitungsmitglied Marcel Richard zu IT Reseller.
Cirrus sei stark im Public-Sektor, der durch gezielte langfristige Sparmassnahmen und einem kontrollierten Wachstum in der Regel nicht so direkt wie die Privatwirtschaft auf wirtschaftliche Schwankungen reagiere.
Heute ist Cirrus einer der ersten Netweaver-Partner in der Schweiz: «Wir arbeiten ganz klar daran, in diesem Umfeld eine ‹Special Expertise Partnership› von SAP zu erhalten», so Richard. Netweaver sei für die Partner nicht unbedingt ein Zwang, vielmehr bewege sich der Markt ganz klar in Richtung Integration.
Konkurrenzsituationen im Schweizer Markt zwischen SAP und ihren Partnern würden natürlich stattfinden, aber dank einer sehr spezifischen Fokussierung könne Cirrus gut damit leben. Ausserdem würden sich die Marktteilnehmer auch gut untereinander absprechen, so Richard. (bor)


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