Heyde AG in Schieflage

Die Heyde AG versucht seit rund einem Jahr, durch Restrukturierungen die roten Zahlen hinter sich zu lassen. Nun wurden weitere Niederlassungen geschlossen.

Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2002/05

     

Der deutsche Systemintegrator und Consulter Heyde AG schliesst seine verlustträchtigen Niederlassungen in England, Brasilien und Spanien. Heyde will sich in Zukunft auf seine Kernkompetenzen in den Geschäftsfeldern Supply Chain Management und Financial Services konzentrieren, sowie, gemäss Unternehmensmitteilung, den Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit auf Deutschland fokussieren.
Im letzten Jahr hatte die Heyde-Gruppe, nach vorläufigen Zahlen, bei 120 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 50 Millionen Euro erlitten. Dazu kommen nun die notwendigen Abschreibungen auf die Auslandsniederlassungen. Insgesamt übersteigt der Verlust damit die Hälfte des Grundkapitals. Heyde musste deshalb eine ausserordentliche Aktionärs-Hauptversammlung einberufen.

Viel gekauft, viel verloren

Heyde ist seit 1998 am Neuen Markt kotiert. Danach wurde die Firmengruppe, noch unter der Leitung des Firmengründers Dieter Heyde, durch Zukäufe im In- und Ausland dauernd vergrössert. Die Zürcher PC Consult WKP, Anfang letzten Jahres übernommen, gehörte zu den letzten Käufen. Im Februar wurde bekannt, dass das Jahr 2000 nicht wunschgemäss verlaufen war. Schlussendlich wurden 24 Mio. Euro operativer Verlust bilanziert. Dieter Heyde trat zurück und wurde von Dirk Wittenborg abgelöst.
Kurz darauf tauchten dann zum ersten Mal die Worte Transformation, später Reorganisation und schliesslich Restrukturierung in den Mitteilungen des Unternehmens auf. Diese zeigen übrigens, gemäss Firmen-PR, schon seit Mai 2001 «erste Ergebnisse». Zuletzt wurden im Januar Töchter in Holland, Tschechien und Deutschland an das jeweilige Management verkauft, sowie Teile der Englandtochter veräussert.
Nun soll der neue CEO Axel Buchholz, der vor drei Wochen Dirk Wittenborg ablöste, die Restrukturierung erfolgreich zu Ende bringen. Er sollte dabei Chancen haben, da die Banken zu Heyde stehen und ihre Kreditlinien inzwischen ausgeweitet haben.

Heyde Schweiz weiter im Tritt

Die Schweizer Niederlassung soll von den Vorgängen im Mutterhaus nicht tangiert werden, erklärt Geschäftsführerin Sonja Dinner (Bild). Ihre offizielle Stellungnahme: «Die Heyde AG Deutschland setzt die Restrukturierung (Phase II) planmässig fort und veräussert in diesem Zusammenhang die Niederlassungen in Spanien, Brasilien und England.
Die Heyde (Schweiz) AG ist davon nicht betroffen. Diese arbeitet seit 1991 sehr erfolgreich und profitabel. Sie ist in den beiden Kernbereichen der Muttergesellschaft Supply Chain Management/ERP und Financial Services tätig. Die Schweizer Gesellschaft wird dieses Jahr personell und umsatzmässig rund 20% wachsen.» (hjm)


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