Wer soll das bezahlen?
Quelle: SITM
Editorial

Wer soll das bezahlen?

«The future is already here – it’s just not evenly distributed», heisst ein berühmtes Zitat des US-amerikanischen Autors William Gibson.

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/09


Ein Missverhältnis, das sich zusehends auch auf den IT-Channel übertragen lässt. Denn der Fachkräftemangel entwickelt sich immer mehr zu einem waschechten Spezialistenmangel. Sprich: Das Problem ist heute nicht mehr zwangsläufig, überhaupt IT-Personal zu finden, sondern Mitarbeitende mit ganz bestimmten Fähigkeiten (oder Kombinationen aus diesen). Das lässt sich aus der aktuellen ICT-Salärstudie des Verbandes SwissICT ablesen. Demnach stagniert der Medianlohn im ICT-Bereich im Vergleich zu 2025 nahezu (+0,2 %) und setzt somit den Trend des Vorjahres fort. Anders sieht es hingegen bei Spezialisten beispielsweise für KI, Cybersecurity oder Cloud-Themen aus. Hier legten die Löhne kräftig zu und so mancher Senior Expert verdient heute mehr als sein Vorgesetzter im mittleren Management. Schlussfolgerung: «Fach­karriere überholt Führungskarriere».


Daraus ergibt sich gerade für den primär mittelständisch geprägten IT-Channel die Herausforderung, besagte Spezialisten zu gewinnen, zu halten und nicht zuletzt bezahlen zu können. Denn «wer heute Fachleute für KI, Cloud, Cybersecurity oder Daten sucht, konkurriert in einem Markt, in welchem die Nachfrage das Angebot übersteigt», konstatiert Urs Gurtner-Oesch, Leiter der Arbeitsgruppe ICT-Saläre von SwissICT. Und erfahrungsgemäss sind es vor allem Grossunternehmen und Konzerne, die sich in einer solchen Gemengelage mit den attraktiveren finanziellen Konditionen durchsetzen können. Frei nach Gibson folgt daraus eine Kompetenzkonzentration. Die Schere geht auf: Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz besetzen jene wenigen Anbieter, die es sich leisten können. Alle anderen dürfen sich – überspitzt formuliert – als klassische Reseller verdingen.
Eine Antwort auf dieses Dilemma ist, wie so oft, Ausbildung und Weiterbildung. Der Markt sollte schnell die vielerorts gesuchten Kompetenzen aufbauen, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen. Andererseits ist die IT-Welt heute aber schlicht so komplex geworden, dass niemand mehr alles abdecken kann. IT-Dienstleister müssen daher entscheiden, welche Kompetenzen sie selbst beherrschen wollen, wo sie sich bewusst spezialisieren und wo sie auf Partner setzen. Kooperation und ein starkes Netzwerk entwickeln sich in diesem Spannungsfeld immer mehr zur Kernkompetenz.
Stefan Adelmann, Redaktor, sadelmann@swissitmedia.ch


Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Welche Farbe hatte Rotkäppchens Kappe?

GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER