Channel Insight: KI kennt kein Projektdenken - und das hat Folgen
Quelle: Salesforce

Channel Insight: KI kennt kein Projektdenken - und das hat Folgen

Valérie Bauloye, Salesforce

Artikel erschienen in IT Reseller 2026/09


«Video killed the radio star» sangen die Buggles 1979. Knapp 50 Jahre später müsste es heissen: «AI killed the project thinking». Künstliche Intelligenz hat die Art und Weise, wie Projekte ablaufen und gedacht werden, grundlegend verändert.

Früher brauchten Projekte einen Kick-off, dann wurde umgesetzt. Mit der letzten Zeile Code war das Projekt fertig – abgeschlossen, abgerechnet, archiviert. Mit KI ist das anders. Nicht weil die Technologie komplizierter geworden ist, sondern weil sie grundlegend anders funktioniert: KI-Systeme lernen im Betrieb. Sie werden besser, wenn Nutzer mit ihnen arbeiten, wenn echte Daten durchlaufen, wenn Fehler passieren und korrigiert werden. Ein Agent, der heute eingesetzt wird, ist in drei Monaten ein besserer – man muss ihn nur begleiten. Deloitte geht in den Tech, Media & Telecom Predictions 2026 davon aus, dass sich Software vermehrt weg von starren Anwendungen hin zu lernfähigen, autonomen Workflow-Diensten entwickelt.


Use Cases entstehen nicht mehr am Reissbrett, sondern im Alltag. Mit dem Launch geht es erst richtig los: Feinabstimmung, Testen, Anpassen. Gartner skizzierte 2025, dass 2026 bereits 40 Prozent der Unternehmens-Apps integrierte aufgabenspezifische Agenten einsetzen werden – gegenüber 5 Prozent im Vorjahr.
Das klingt nach Mehraufwand, ist es aber nicht. Dank KI werden Mandate kleiner, schneller, iterativer. Dafür braucht es kontinuierliche Begleitung. Erfahrene Partner helfen, Lösungen schrittweise zu schärfen, die Produktivität messbar zu steigern und neue Anwendungsfälle zu identifizieren. Der ROI wächst laufend mit der Nutzung – eine Studie der Plattform Maxio zeigt, dass bereits 83 Prozent der KI-nativen SaaS-Unternehmen nutzungsabhängige Preismodelle anbieten.

Wenn das Projekt zum Prozess wird, verschiebt sich auch, wer im Channel gebraucht wird. Grosse Systemintegratoren mit Offshore-Teams und standardisierter Projektmethodik tun sich schwer. KI-Agenten werden direkt mit den Endnutzern im Betrieb trainiert – agile Boutique-Partner profitieren: Schnelligkeit, Nähe und die Bereitschaft, klein anzufangen und iterativ zu wachsen, sind die Qualitäten, die zählen.


Und so stellt sich unweigerlich die Frage: Ist die alte Art des Projektdenkens tot?

Klassisches Projektdenken stirbt nicht – es entwickelt sich weiter. Was als Wasserfall begann, wurde zu Agile. Und jetzt wird es operational: Agenten werden nicht mehr im Voraus konzipiert, sondern direkt im Arbeitsalltag entdeckt, verfeinert und skaliert. Das verändert die Rolle von Partnern grundlegend. Ihre Aufgabe besteht nicht mehr primär darin, zu liefern, sondern zu begleiten: Use Cases identifizieren, Agenten orchestrieren und den ROI kontinuierlich sichern. Nicht einmalig. Kontinuierlich. So wird das Projekt zunehmend zu einer gemeinsamen Reise mit den Nutzern und ihren Agenten.
Valérie Bauloye
Valérie Bauloye ist Country Leader Channel & Alliances bei Salesforce Schweiz und eine Führungskraft mit über 30 Jahren Berufserfahrung bei renommierten Lösungsanbietern und mehr als zehn Jahren in der Channel-Strategie. Als Mitglied des Führungsteams von ­Salesforce Schweiz leitet sie das Alliances- und Channels-Team, fördert Partnerschaften, entwickelt Wachstumsstrategien im Einklang mit der Go-to-Market-­Strategie und trägt zur Sicherung des Kundenerfolgs bei.


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