«IT Reseller»: Mit der Umbenennung der Competec-Gruppe in Brack.Alltron und der damit einhergehenden Reorganisation wurde vor knapp zwei Jahren auch eine engere Verzahnung der Organisation angekündigt. Für Alltron-Partner sollten Prozesse einfacher werden, gleichzeitig sollten sie von zusätzlichen Kompetenzen, etwa im Marketing, profitieren. Haben sich diese Erwartungen erfüllt?
Andrej Golob: Teilweise schon. Ein gutes Beispiel ist unser Sales Support. Dieser war früher auf verschiedene Verkaufsteams verteilt. Damit hatte jede Einheit etwas andere Abläufe, und es war schwierig, Prozesse zu standardisieren oder zu automatisieren. Heute arbeiten die dedizierten Sales-Support-Mitarbeitenden für alle Verkaufskanäle unter einer Führung und mit einheitlicheren Prozessen. Dadurch können wir gewisse Anliegen schneller bearbeiten, und auch das Onboarding neuer Kunden geht deutlich effizienter. Ein weiterer wichtiger Schritt folgt im kommenden Jahr. Dann werden wir die B2B- und die B2C-Shop-Plattform technologisch zusammenführen. Erste Anpassungen haben wir bereits vorgenommen, damit sich der Alltron- und Brack-Business-Shop stärker ähneln. Mit einer einheitlichen Plattform aber können wir künftig neue Funktionen und Dienstleistungen auf einer gemeinsamen Basis entwickeln und schneller ausrollen. Für die Partner werden sich dadurch unter anderem die Suchfunktionen, die Navigation, die History-Funktionen oder der Checkout-Prozess verbessern.
Wo haben Sie die gesteckten Ziele noch nicht ganz erreicht?Beim Thema Marketing. Wir haben den Anspruch, unseren Resellern künftig noch mehr Marketing-Dienstleistungen anbieten zu können. Dort sind wir aber noch nicht so weit, wie wir es gerne wären. Der Aufbau eines entsprechenden Angebots braucht neue Kompetenzen, Strukturen und Prozesse. Deshalb haben wir unser Marketing in den vergangenen Monaten gezielt verstärkt und mehrere Personen mit B2B-Erfahrung für Brack Business und
Alltron eingestellt. B2B-Marketing funktioniert anders als Endkundenmarketing. Es geht darum, Partner mit den für sie relevanten Informationen, Kampagnen und Angeboten zu erreichen. Die passenden Spezialisten zu finden, war nicht einfach, aber nun haben wir die Grundlage gelegt. Jetzt möchten wir das Alltron-Marketing aufbauen und den Resellern schrittweise konkrete Dienstleistungen anbieten. Bis diese Angebote sichtbar und nutzbar sind, wird es aber vermutlich noch rund zwölf Monate dauern.
Brack.Alltron meldete für 2025 eine Rückkehr zum Wachstum. Wie hat sich Alltron dabei entwickelt, und wie läuft das laufende Jahr?Alltron ist im vergangenen Jahr um rund 4 Prozent gewachsen. Das ist umso erfreulicher, weil wir gleichzeitig mit grösseren Veränderungen konfrontiert waren, etwa bei Herstellern, die nicht mehr über uns distribuiert werden, oder bei Kunden im Retail, wo es bekannterweise erhebliche Verwerfungen am Markt gegeben hat. Der Retail war 2025 entsprechend rückläufig, der Fachhandel ist dafür relativ stark gewachsen. Im laufenden Jahr ist das Bild ausgeglichener: Sowohl Retail als auch Fachhandel entwickeln sich positiv. Das freut uns natürlich. Die Treiber haben sich gegenüber dem Vorjahr aber verändert. 2025 war das Computing-Geschäft stark, nicht zuletzt wegen des Support-Endes für Windows 10 und der damit verbundenen Erneuerungsprojekte. Dieses Jahr sehen wir besonders im Netzwerkbereich Wachstum, ebenso bei Videoüberwachung sowie bei Signage-Lösungen und grossformatigen Displays im Out-of-Home-Bereich. Das sind substanzielle Kategorien, die vielleicht weniger stark wahrgenommen werden als das klassische PC-Geschäft.
Beim PC- und Smartphone-Geschäft wird derzeit viel über sinkende Absätze und steigende Preise infolge der Speicherknappheit diskutiert. Spüren Sie das ebenfalls?Im Notebook-Bereich sehen wir einen leichten Rückgang von knapp 1 Prozent. Auch bei den Stückzahlen ist das Geschäft stabil. Dramatisch ist die Entwicklung also nicht. Anders sieht es bei Desktop-PCs aus: Dieser Bereich ist im vergangenen Jahr ausserordentlich stark gewachsen, bei uns um über 30 Prozent. Dabei spielten der Wechsel von Windows 10 auf Windows 11 und wohl auch die Rückkehr ins Büro eine Rolle. In diesem Jahr ist das Desktop-Geschäft entsprechend etwa 6 Prozent rückläufig. Unser Geschäftsmodell hilft uns in einem solchen Umfeld, speziell was das Thema Verfügbarkeit angeht. Wir gehen bewusst ins Risiko, kaufen grössere Mengen ein und stellen so Teile des Sortiments der Hersteller bereit. In gewissen Kategorien haben wir Lagerreichweiten von 60 Tagen, während andere Distis normalerweise eher bei 20 Tagen liegen. Wenn Produkte knapp sind und die Preise steigen, ist das Risiko der Lagerhaltung beschränkt. Natürlich muss man sehr genau hinschauen. Wenn sich der Markt anders entwickelt, kann ein hoher Lagerbestand rasch zum Risiko werden. Hier hilft uns unsere grosse Erfahrung.
Alltron gab Ende 2025 das Microsoft-Cloud-Geschäft an Pax8 weiter. Wie fällt die Bilanz knapp ein Jahr später aus?Sehr erfreulich. Wir haben eben erst ein Review mit Pax8 gemacht. Es ist uns gelungen, rund 90 Prozent der Reseller, die wir vorher im Microsoft-Cloud-Geschäft betreut haben, auf die Plattform von Pax8 zu migrieren. Die Partner sind zufrieden, und wir sind froh, dass sie auf einer modernen und zukunftsträchtigen Plattform gut aufgehoben sind. Die Zusammenarbeit war vor allem während der Migration sehr eng. Wir haben die Reseller begleitet, bei der Umstellung unterstützt und die Integration auf der Pax8-Seite koordiniert. Heute haben wir deutlich weniger Berührungspunkte, arbeiten aber nach wie vor gut zusammen. Wenn ein Reseller nach einer passenden Plattform für Cloud-Services fragt, empfehlen wir Pax8 aus Überzeugung. Wir sind aber weder beteiligt noch erhalten wir dafür irgendwelche Vergütungen.
Alltron arbeitet ebenfalls seit Ende 2025 mit Relex an der Beschaffungs- und Bedarfsplanung. Welche Auswirkungen soll das für Händler haben?Dazu muss ich ein wenig ausholen. Sehr vereinfacht gesagt lautet die Strategie von
Brack.Alltron, unser Sortiment zu verzehnfachen. Wir wollen für unsere Kunden und Partner noch relevanter werden und deutlich mehr Produkte verfügbar machen. Das betrifft neue Sortimentswelten, in denen wir bisher noch nicht aktiv waren, aber auch bestehende Kategorien, in denen laufend neue Hersteller und Produkte dazukommen. Dafür haben wir zwei grosse Initiativen gestartet. Die erste betrifft die automatisierte Anbindung neuer Lieferanten. Wir arbeiten bereits mit über 4000 Lieferanten und Herstellern zusammen. Wenn wir das Sortiment in der bisherigen Geschwindigkeit ausgebaut hätten, wären wir jahrelang damit beschäftigt gewesen, Tausende weitere Lieferanten manuell anzubinden. Mit Relex können wir diesen Prozess stärker automatisieren. Erste Pilotprojekte sind erfolgreich abgeschlossen, und wir steigern die Zahl der angebundenen Lieferanten laufend. Bis im nächsten Sommer soll diese Maschine richtig funktionieren. Die zweite Initiative betrifft die Frage, was im Markt gesucht wird. Wir wollen automatisiert erkennen, welche Produkte Kunden suchen, kaufen und allenfalls bei uns noch nicht finden. Auf dieser Basis können wir fehlende Sortimente identifizieren, Produktdaten einlesen und Produkte im ERP erfassen, bevor ein Produktmanager im Detail entscheidet, ob sie definitiv aufgenommen werden. Wenn die Nachfrage vorhanden ist, die Produktdaten stimmen und die Anbindung zum Lieferanten steht, gibt es wenig Gründe, ein solches Produkt nicht ins Sortiment aufzunehmen.
Kommen diese Sortimentserweiterungen auch den Alltron-Partnern zugute, oder liegt der Schwerpunkt auf dem Endkundengeschäft von Brack?Davon profitieren auch die Alltron-Reseller. Die Erweiterung betrifft nicht nur neue Non-ICT-Welten, die für Endkunden interessant sind. Sie betrifft das gesamte Sortiment. Wir bedienen viele Händler, die ihrerseits auf Marktplätzen tätig sind oder ein breites Angebot führen. Für sie kann auch ein grösseres Non-ICT-Sortiment relevant sein. Das Sortiment ist nicht an einen bestimmten Kanal oder Markt gebunden. Deshalb profitieren beide Seiten.
Gibt es weitere Projekte bei Alltron, von denen die Händler in absehbarer Zeit profitieren werden?Wir haben bereits über den Ausbau des B2B-Marketings gesprochen. Von diesem Ausbau sollen nicht nur die rund 2000 Reseller profitieren, sondern auch die übrigen rund 8000 Händler, die bei uns einkaufen und die über einen Pool betreut werden. Wir wissen theoretisch sehr viel über diese rund 8000 Partner. Praktisch konnten wir dieses Wissen aber bisher noch zu wenig nutzen. Uns fehlten die Automatisierung im Marketing und die Möglichkeiten, diese Partner mit wirklich relevantem Content, passenden Informationen und zielgerichteten Kampagnen zu bedienen. Deshalb haben wir im Frühling ein dediziertes Fachhandelsteam geschaffen. Dort arbeiten fünf Personen mit dem Fokus auf diejenigen Reseller, die keine persönliche Betreuung haben. Unser Ziel ist, dass diese Partner schneller und besser bedient werden und wir die Interaktion mit ihnen verbessern können. Denn diese eher kleineren Reseller sind für uns sehr bedeutend.
Wir führen dieses Interview im Rahmen der Brack.Alltron-Hausmesse Connect. Wenn Sie die Connect als Stimmungsbarometer nehmen: Welche Themen beschäftigen den Channel aktuell am stärksten?Sicher die Künstliche Intelligenz. Neue Technologien waren für unsere Branche immer ein Treiber. Bei KI gibt es sehr viele Ideen, was sich damit machen lässt. Das reicht von klassischen Anwendungen bis hin zu physischer KI und Robotik. Das schafft auch Perspektiven für jüngere Menschen im Channel. Wir spüren grosses Interesse und viel Neugier. Gleichzeitig entwickelt sich das Cloud-Geschäft weiter. Das Thema Managed Intelligence Provider, das Pax8 vorantreibt, zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Wir stehen am Anfang eines Zeitalters, in dem Intelligenz stärker als Dienstleistung genutzt wird. Das eröffnet für Reseller neue Möglichkeiten, wenn sie ihre Rolle weiterentwickeln. Daneben bleibt die Situation in der Branche aber anspruchsvoll. Steigende Preise und eingeschränkte Verfügbarkeiten können für Reseller mühsam sein. Ein Kunde möchte bestellen, aber die Offerte ist möglicherweise nicht mehr gültig, weil ein Hersteller Preise angepasst hat oder sich Lieferbedingungen verändert haben. Der Reseller steht dann zwischen Hersteller und Kunde. Das ist keine einfache Situation. Trotzdem spüren wir im Channel viel Interesse an neuen Themen und eine grundsätzlich positive Stimmung.
(mw)