ICT-Beschaffungen: Wie können Unternehmen profitieren?

26. März 2022 - Bund, Kantone und Gemeinden haben riesigen ICT-Bedarf – und bieten damit gute Business-Chancen. Doch das Ausschreibungswesen hat seine Tücken. Eine Swico-Arbeitsgruppe arbeitet deshalb an Lösungen, um Aufwand und Ertrag in ein besseres Gleichgewicht zu bringen. von Ivette Djonova

ICT-Anbieter in der Schweiz kennen das: Sie sehen auf Simap.ch eine Ausschreibung, für die ihre Firma ideale Lösungen anbietet. Und fragen sich: Lohnt sich der Aufwand überhaupt? Wenn man die Zahlen der letzten Jahre ansieht, ist das Potenzial riesig. Und doch sind viele Firmen ­zurückhaltend. Ihnen scheinen die Verfahren oftmals zu kompliziert, die Kriterien unklar oder der Bewertungsmassstab zu intransparent. Oder sie haben nach dem Studium der Unterlagen den Eindruck, dass der Wunschanbieter ohnehin schon feststeht; befürchten, dass sie keine passenden Offerenten für Partnerschaften finden oder haben nach mehreren schlechten Erfahrungen schlicht resigniert. ()


Viel Aufwand – für nichts?

Eine aktuell laufende Umfrage unter Swico-Mitgliedern zeigt, dass über ein Drittel den Aufwand bei der ­Teilnahme an öffentlichen Beschaffungen als zu hoch einschätzt und deswegen darauf ­verzichtet. Knapp ein Drittel nimmt teil, sieht den Anteil erfolgreicher Versuche im Vergleich zum Aufwand aber als gering. Ein Teil der ­Probleme sollte mit der Revision des Beschaffungsrechts ­gelöst werden.

Aber verbessern die neuen Gesetze die Chancen? Seit Anfang 2021 wurden die Gesetze im Beschaffungsrecht totalrevidiert, mit dem Ziel, Wiedererkennungseffekte bei allen Ausschreibungen für die Offerenten zu schaffen – also eine Art Umsetzungsharmonisierung. Ob die Bestimmungen sich in der Praxis etablieren, wird sich noch zeigen müssen. Inhaltlich haben sich wenige Änderungen ergeben, aber es wurde eine neue Vergabekultur eingeführt, welche dem ­Qualitätswettbewerb mehr Gewicht gegenüber dem Preis verleihen soll. ()


Swico engagiert sich mittels Branchendialog

Über Swico
Swico ist der Wirtschaftsverband der ICT- und Online-­Branche. Er vertritt die Interessen von etablierten Unternehmen und Start-ups in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Seine über 650 Mitglieder mit ca. 56’000 Mitarbeitenden erwirtschaften jährlich einen Umsatz von 40 Milliarden Franken, ­insbesondere im Bereich Hardware, Software, Hosting, IT-­Services, Consulting, Digital­marketing und -kommunikation. Weitere Infos: www.swico.ch
Um die praktischen Hürden der ICT-Branche ­anzugehen, trifft sich Swico drei bis vier Mal im Jahr mit den zuständigen Bundesbehörden zum sogenannten Branchendialog: Unter Anwesenheit des Bundesamtes für Bauten und Logistik, dem Kompetenzzentrum Beschaffungswesen beim Bund, der Beschaffungskonferenz des ­Bundes, Armasuisse und weiteren Beteiligten seitens zuständige Bundesstellen führt Swico ­dabei den Verbesserungsbedarf aus Sicht der ICT-Branche auf.

Erarbeitet werden die Grundlagen dazu in der Swico-Arbeitsgruppe ICT-Beschaffung: Hier werden Probleme aus der Praxis angesprochen und Lösungen gesucht. Die Arbeitsgruppe nimmt zudem an Vernehmlassungen und Projekten der Beschaffungsverwaltung teil. Dies wird von den Mitgliederunternehmen von Swico sehr geschätzt, da sie ihre Fragen und Anliegen so direkt einbringen können. Für die Praxis veröffentlicht Swico hilfreiche Merkblätter samt Checklisten, um die Prozesse für die Mitgliederfirmen zu vereinfachen.

Swico ist überzeugt, dass die Schweizer ICT-­Branche gut auf­gestellt ist und mehr Firmen das ­Potenzial der ICT-Beschaffungsausschreibungen nutzen können sollten. Die ­Erkenntnisse aus der ­laufenden Umfrage werden in den ­Branchendialog fliessen – zum Nutzen der ICT-Branche. ()

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