TCL fokussiert auf die Schweiz, aber weiter auf B2C

von Matthias Wintsch

3. April 2021 - Der chinesische Hersteller TCL will sein Geschäft in der Schweiz ausbauen. Trotz ­Wachstumsplänen soll sich an der Strategie vorläufig aber nicht viel ändern, wie Jean Marie Bourel, Business Developer bei TCL, erklärt.

Der chinesische Technologiehersteller TCL ist mit rund 75’000 Angestellten und Aktivitäten in 160 Ländern ein grosser Player und hierzulande besonders für seine TV-Geräte bekannt. Neben den TVs und den für TCL ebenfalls wichtigen zugehörigen Soundbars produziert das Unternehmen aber auch Smartphones, Audioequipment und Weissware wie Kühlschränke und Waschmaschinen. Auch baut TCL Bildschirm-Panels als Halbfabrikate, die sowohl in den eigenen TVs und Handys verbaut wie auch an andere Hersteller verkauft werden. Nun hat das Unternehmen angekündigt, sich vermehrt auf die Schweiz konzentrieren zu wollen. «Swiss IT Reseller» hat dazu mit Jean Marie Bourel aus der Europa-­Zentrale in Paris, zuständig fürs Business Development bei TCL auch hierzulande, gesprochen.


Den Berg erklimmen

International spielt TCL mit seinen TVs in der ersten Liga mit: In den USA ist das Unternehmen im TV-Bereich der grösste Hersteller, international liegt man mit knapp 24 Millionen verkauften Fernsehern auf dem dritten Platz. Und besonders im europäischen Markt ist das Wachstum beachtlich – im vergangenen Jahr 2020 verzeichnete TCL ein Plus nach verkauften Stückzahlen von rund 66 Prozent und selbst international reichte es 2020 für ein Wachstum von 15,9 Prozent. Das beeindruckende Plus in Europa habe vor allem mit dem zuvor eher kleinen Fuss­abdruck in der Region und der laufenden Offensive vonseiten TCL zu tun. «Solche Zahlen sind für die gefestigten Konkurrenten an der Spitze des Berges nicht möglich, aber TCL erklettert diesen Berg gerade erst, daher auch das grosse Wachstum», so Jean Marie Bourel. Einen Grossteil des Zuwachses schreibt Bourel ausserdem der Pandemie respektive den damit einhergehenden veränderten Bedürfnissen der Konsumenten zu.

In der Schweiz stehen die TCL-Produkte bei diversen Re- und Etailern wie Fust und Digitec in den Regalen, vornehmlich dreht sich das Schweizer TCL-Geschäft um TVs und Soundbars. Auch der angekündigte Vorstoss in der Schweiz dreht sich vorläufig fast ausschliesslich um diese beiden Gerätekategorien, wie Jean Marie Bourel rasch klarstellt.


Die Schweiz mags teurer

Bezüglich des Schweizer Consumer-Marktes stellt TCL vor allem eine Auffälligkeit fest: Herr und Frau Schweizer mögen es etwas teurer als der Rest Europas. «Während in Frankreich der Trend in Richtung 43-Zoll-TVs geht, be­obachten wir in der Schweiz gleichzeitig einen Trend zu 55 Zoll», wie Bourel ausführt. «Die Schweiz ist ein spezieller Markt mit dem höchsten durchschnittlichen Preis, den die Kunden ausgeben und der grössten durchschnittlichen Bildschirmdiagonale in Europa.» Die ­Schweizer Kunden mögen grosse Screens, viele Features und gute Bildqualität, schlussfolgert der Bu­siness Developer. Das resultierte 2020 in einem durchschnittlichen Preis von 907 Franken pro Gerät, während in Frankreich nur durchschnittlich 450 Euro (ca. 495 Franken) und damit etwa halb so viel für einen TCL-TV ausgegeben ­werden. Weiter ist auch hierzulande ein starker Trend zu Gaming-Hardware zu erkennen, wo etwa höhere Bildwiederhol­raten gewünscht sind als die bisher üblichen 50 bis 60 Hertz.

So konnte der TV-Markt auch in der Schweiz stabil wachsen, wenn auch nicht so stark wie der europäische Durchschnitt: 2018 umfasste der Markt 444’000 Geräte, 2019 waren es 456’000 (+3%) und 2020 kam man mit einem Plus von 21 Prozent auf 554’000 verkaufte TVs. Dass TCL derzeit die Strategie verfolge, mehr und mehr Technologie in seine Geräte zu verbauen und sich in Richtung eines höheren Preissegments zu bewegen, käme dem Schweizer Markt folglich entgegen, so Bourel abschlies­send.


Distribution und Handel

Der angekündigte Vorstoss dreht sich bei TCL fast ausschliesslich um den Consumer-Bereich, so Bourel. Man wolle in der Schweiz nun mit einem klaren B2C-Ansatz vermehrt Präsenz zeigen, die Marke in der Öffentlichkeit aufbauen und mit der Presse respektive den Endverbrauchern interagieren.

An der Distribution soll sich derweil vor­läufig nichts ändern, diese übernimmt in der Schweiz auch künftig exklusiv Novis Elec­tronics aus Uster. TCL hat zwar keine eigene Schweizer Niederlassung, bei Novis seien aber zwei bis drei Leute für die Betreuung des TCL-Handels abgestellt, wie Bourel erklärt: «Diese Struktur ergibt strategisch am meisten Sinn für uns. Mit Novis haben wir so etwas wie ein TCL Sales Office in der Schweiz, von dem aus wir die Versorgungskette kontrollieren und die Kunden und ihre Läden besuchen können.» Die Händler in der Schweiz werden somit ­exklusiv aus dem Novis-Lager mit TCL-­Hardware versorgt, während es in den umliegenden Ländern mit grösseren Umsätzen wie Italien und Frankreich bereits TCL-Niederlassungen gibt.

Nicht ausschliessen will Bourel aber die vertiefte Zusammenarbeit mit Integratoren, falls sich diese ergeben würde: «Auf unseren Geräten ist die aktuelle Android-Version installiert, auf der Eigenentwicklungen – etwa zum Geräte­management – installiert werden könnten. Falls sich Schweizer Dienstleister dafür interessieren sollten, könnten wir beispielweise Professional Days im Novis-Showroom für sie abhalten.» Ähnliche Events wurden in Uster für die ­Retailer bereits durchgeführt und könnten problemlos auch für Dienstleister stattfinden, wie er ­ver­sichert. Auch arbeite Novis bereits heute mit zahlreichen AV-Integratoren zusammen. Ein Partnerprogramm oder ähnliche unterstützende Strukturen plant TCL aber vorläufig nicht ­ein­zuführen, da man schlicht auf den Retail- ­respektive Mainstream-Markt fokussiert sei. Wie Bourel ergänzt, gibt es im Ausland, etwa in Frankreich, bereits zahlreiche Kollaborationen im B2B-Bereich, etwa im Rahmen von Digital-­Signage-Projekten. Hier mangelt es in der Schweiz aber offenbar noch etwas an der ­Nachfrage.

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