Schweizer Industrie ist beim Thema Digitalisierung im Hintertreffen

von Simon Wegmüller


19. März 2021 - Gemäss einer Studie ist die Schweizer Industrie nur bedingt bereit für den digitalen Wandel. So glaubt nur ein Drittel der für die Studie Befragten, dass ihr Unternehmen reif genug dafür ist.

Eine Studie der Arbeitsgruppe Digitalstrategie der Initiative Industrie 2025 unter der Co-Leitung von AWK kommt zum Schluss: Nur ein Drittel der Schweizer Fertigungsunternehmen glaubt, dass ihr digitaler Reifegrad hoch genug ist. Und nur jedes Fünfte investiert stark in Sicherheitstechnologie. Doch dank Corona hat die Digitalisierung in der Industrie eine neue Bedeutung erlangt.

Die erste gute Nachricht ist, dass ein grosser Teil der Schweizer Fertigungsindustrie bereits mehrere Digitalisierungsprojekte umgesetzt hat. In der Anfangsphase der Digitalisierung gehe es oft um die Optimierung von Geschäftsprozessen, so die Autoren der Studie. 44 Prozent der Teilnehmer stufen den digitalen Reifegrad ihres Unternehmens als mittel ein. Nur 13 Prozent betrachten die Digitalisierung als Teil ihrer Unternehmenskultur, während 17 Prozent bereits über eine digitale Roadmap und klar definierte Prozesse und Tools verfügen.

Die Tatsache, dass fast zwei Drittel der Schweizer Industrie noch keine vollständige digitale Strategie entwickelt haben, zeige, wie bereit die Schweizer Industrie für die Digitalisierung ist. Die Digitalisierung gehört für mehr als die Hälfte der Unternehmen (55%) zu den drei wichtigsten strategischen Themen und ist auch für 12 Prozent der Unternehmen das wichtigste strategische Thema, während jedes fünfte Unternehmen (22%) entweder noch keine Unternehmensstrategie hat oder die Digitalisierung darin kein strategisches Thema ist.

Auf der Technologieseite investiert die überwiegende Mehrheit der Befragten in die IT (ERP, CRM, MES, PLM): 61 Prozent der Befragten geben an, dass sie viel oder sehr viel in diesen Bereich investieren. Weitere Schlüsseltechnologien sind das Internet der Dinge und die Datenanalytik. Im Gegensatz dazu investieren Industrieunternehmen eher weniger in Blockchain, Smart Contracts und Kommunikationstechnologien. Überraschenderweise gaben nur 20 Prozent der Befragten an, dass ihre Budgets für Informationssicherheitstechnologien hoch oder sehr hoch sind, trotz der hohen Anzahl von Cyber-Angriffen auf Industrieunternehmen im Jahr 2020.

An der Umfrage, die im zweiten Halbjahr 2020 durchgeführt wurde, nahmen 113 Schweizer Unternehmen des produzierenden Gewerbes teil. 82 Prozent der Teilnehmenden sind im oberen Kader angesiedelt, davon 50 Prozent als Mitglieder der Geschäftsleitung und 32 Prozent auf der Stufe Abteilungsleitung. Die kompletten Umfrageergebnisse können an dieser Stelle heruntergeladen werden.

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