Breitband-Anbieter der Schweiz im Vergleich

von Simon Wegmüller


6. November 2020 - Zum ersten Mal haben Zafaco und Connect ihren Breitband- und Festnetztest auch in der Schweiz durchgeführt. Dabei stechen vor allem starke Glasfaserangebote hervor. Die Krone holt sich aber Quickline mit einem Mix aus Kabel- und Fiber-Anschlüssen.

Connect hat zum ersten Mal seinen Breitband- und Festnetztest auch hierzulande durchgeführt. Um dies zu ermöglichen, wurden von Connects Testpartner Zafaco Teststandorte in derzeit 14 Schweizer Städten aufgebaut.

Die angewandte Methodik konzentriert sich dabei auf die Leistungen bei Highspeed-Internet, Web Services und Web TV. Weil dank leistungsstarker Mobilfunknetze das Telefonieren übers Festnetz in der Schweiz keine so grosse Rolle spiele, wurden Voice-Messungen derweil nicht in den Testkatalog aufgenommen.

Dies hat die Konsequenz, dass die Ergebnisse aus der Schweiz nicht vollständig mit denen aus Deutschland vergleichbar sind. Sehr wohl möglich sind dagegen Vergleiche zwischen den beiden Alpenländern, also zwischen Österreich und der Schweiz. Sie zeigen, dass österreichische und Schweizer Festnetze in etwa auf demselben Niveau liegen.

Der Quickline-Verbund kann überraschend den ersten Breitband- und Festnetztest von Connect in der Schweiz gewinnen und übertrumpft mit seinem Mix aus Kabel- und Fiberanschlüssen die reinen Glasfaseranbieter. Einen souveränen zweiten Platz erzielt Sunrise.

Swisscom, mit 52,8 Prozent Marktanteil im Schweizer Breitbandbandfestnetz klar führend, erzielt ein respektables Ergebnis im guten Mittelfeld. Der technologisch weit vorn agierende Anbieter Salt versteckt derweil die Limitationen seines 10-Gigabit-Fiber-Angebots auf den Unterseiten seines Web-Angebots – etwas mehr Transparenz zu diesem Thema hätte das Ergebnis positiv beeinflusst. Denn so musste Conncet die beworbene statt der technisch bedingt niedrigeren Geschwindigkeit für den Vergleich mit den realen Messwerten ansetzen. Insgesamt ist das Salt-Angebot aber gut.

Etwas abgeschlagen ist nur das allein auf Kabelanschlüssen basierende Angebot von UPC, wobei die Leistungen nur für die Note "befriedigend" reichen. Alle Messwerte und das Testergebnis stehen an dieser Stelle zum Download zur Verfügung.

Quickline, der Verbund aus regionalen Partnern, erzielt dabei mit einem Mix aus Kabel- und Fiberanschlüssen den Gesamtsieg. 24 regional verankerte Partner bilden gemeinsam den Quickline-Verbund und bieten vor Ort sowohl Kabel- als auch Glasfaseranschlüsse an. Mitte 2020 vermeldete Quickline rund 180'000 Festnetz-Internet-Kunden.

Bei den Highspeed-Internet-Tests erzielt Quickline sehr gute Ergebnisse und ist Zweitbester im Testfeld – doch gibt es erhöhte Anteile von Messungen, bei denen die Download-Bandbreite bei gleichzeitigem Upload unter 90 Prozent des vertraglich vereinbarten Werts sinkt – ausgeprägt beim Gigabit-Kabelanschluss.

Dies kompensiert der Anbieter jedoch mit sehr guten Leistungen bei den Web Services, wenngleich zum Teil langsame DNS-Auflösungszeiten auffallen. Etwas gemächlich fallen die Fotobuch-Uploads aus, überragend sind dagegen die Leistungen bei den Web-TV-Messungen. Insgesamt reichte es zum Testsieg mit der Bewertung "sehr gut" und 875 von 1000 Punkten.

Das weitgehend auf Glasfaser setzende Festnetzangebot von Sunrise landet im Gesamtvergleich auf Platz zwei. Gemäss Zahlen von Comcom hat Sunrise einen Festnetzmarktanteil von 13,9 Prozent und erreicht somit rund 420'000 Kunden. Das Angebot basiert überwiegend auf FTTH (Fiber to the Home). Sunrise führte sein 10-Gbit/s- Paket We Home XL+ erst ein, als die Testanschlüsse für den diesjährigen Vergleich bereits festgelegt hatten.

Festnetztelefonie ist bei Sunrise immer inkludiert, allerdings mit unterschiedlichen Gesprächstarifen. Den IPTV-Dienst We TV in verschiedenen Stufen gibt es gegen Aufpreis. Auch bei Sunrise fielen die Datenraten bei Downloads mit gleichzeitigem Upload häufig unter 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Bandbreite – ausgeprägt beim 1-Gbit/s-Anschluss und bei Uploads unter Last auch bei den 200-Mbit/s-Leitungen.

Die besten Leistungen im Testfeld zeigte Sunrise bei den Web Services und gemeinsam mit Swisscom bei den DNS-Auflösungszeiten zu populären Servern. Dem steht allerdings die zweitlangsamste Antwortzeit zu Gaming-Servern gegenüber. Sehr gut sind die Ergebnisse der Fotobuchmessungen. Die Leistungen bei Web TV sind zwar noch gut, im Gesamtvergleich aber die schwächsten. Trotzdem reichte es aber für die Bewertung "sehr gut" und 856 von 1000 Punkten.

Der Marktführer Swisscom bietet zwar viele Glasfaseranschlüsse, landet im Connect Test jedoch nur im guten Mittelfeld. Laut Comcom hat Swisscom im Schweizer Festnetz einen Marktanteil von 52,8 Prozent, was rund 1,6 Millionen aktiven Kunden entspricht.

Die mittlerweile auch bei Swisscom erhältlichen 10-Gbit/s-Fiber-Anschlüsse standen zum Zeitpunkt der Finalisierung des Test-Setups allerdings noch nicht zur Verfügung.

In auffällig vielen Fällen sank auch bei Swisscom die Download-Bandbreite unter 90 Prozent des vertraglich vereinbarten Werts – besonders ausgeprägt beim 1-Gbit/s-Glasfaseranschluss und häufiger unter Last. Auch die Fehlerraten waren bei gleichzeitigen Down- und Uploads leicht erhöht. Die Web-Service- und Web-TV-Tests zeigten sehr gute Leistungen, wenngleich sie die zweitschlechtesten im Testfeld waren.

Dafür erzielt Swisscom gemeinsam mit Sunrise die schnellste Auflösungszeit zu DNS-Servern aus der Top-1000-Alexa-Liste. Fotobuch-Uploads sind vor allem per Fiber schnell, bei Youtube per DSL fielen erhöhte Antwortzeiten auf. Das Testurteil lautet "gut" mit 810 Punkten.

Auch das noch recht junge Festnetzangebot von Salt setzt auf Fiber – leider mit etwas zu hohen Versprechungen, so Connect. Seit März 2018 bietet die Nummer drei im Schweizer Mobilfunkmarkt auch Festnetzanschlüsse an – in Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturbetreiber Swiss Fibre Net (SFN). In den meisten grösseren Schweizer Städten stehen Salt-Home-Anschlüsse bis zu 10 Gbit/s zur Verfügung.

IPTV und Festnetz lassen sich optional dazu kombinieren. Kundenzahlen nennt Salt nicht. Die für den Test betrachteten symmetrischen 10 Gbit/s-Anschlüsse fallen in 100 Prozent unserer Messungen unter 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Bandbreite – unabhängig von der Lastsituation.

Dies liegt daran, dass diese Anschlüsse auch unter optimalen Bedingungen nur Durchsätze von maximal 8,5 Gbit/s erzielen können. Darauf weist Salt aber nur versteckt auf Unterwebseiten hin. Auch mit dieser Einschränkung sind diese Leitungen jedoch die schnellsten im Testfeld.

Die Leistungen bei Web Services und Web TV sind sehr gut und die Zweitbesten im Test. Allerdings fallen erhöhte Anteile an Auflösungszeiten zu DNS-Servern aus der schweizerischen Top-1000-Alexa-Liste auf. Die Upload-Zeiten zu Fotobuchdiensten und Youtube-Antwortzeiten könnten besser sein. Insgesamt reicht es für das Urteil "gut" und 808 Punkte.

Mit ihrem rein kabelbasierten Angebot fällt die Liberty-Global-Tochter UPC im Gesamtvergleich etwas zurück. UPC erreicht laut Comcom einen Marktanteil von 16,1 Prozent, was rund 486'000 Breitbandkunden entspricht. Mit TV-Kabelanschlüssen sind es nach Unternehmensangaben sogar 2 Millionen Schweizer Kunden.

Telefonie und TV-Empfang sind immer dabei, trotz Glasfaser-Backbone bietet UPC bislang jedoch keine FTTH-Anschlüsse an. Wie bei Kabelanschlüssen leider häufig, sinken Upload- und Download-Datenraten in vielen Fällen unter 90 Prozent der vereinbarten Bandbreite – je höher die versprochene Geschwindigkeit, umso ausgeprägter.

Somit sind die Highspeed-Internet-Leistungen nur ausreichend. Bei den Web Services schneidet UPC hingegen gut ab, liegt im Gesamtvergleich aber dennoch auf dem letzten Rang. Dies zeigt sich auch an langsamen Gaming-Pings und bei den Fotobuch-Uploads. Sehr gute Leistungen kann Connect dem Anbieter in der Kategorie Web TV bescheinigen – auch wenn hier gerade in der höchsten Bandbreitenklasse lange Pufferzeiten auffallen. Connect-Testurteil: "befriedigend" (747 von 1000 Punkte).

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