«Wir sind sehr interes­siert, unser Partnernetzwerk weiter auszubauen»

von Simon Wegmüller

7. November 2020 - Huawei steht aufgrund des Handelskriegs mit den USA vor einigen Herausforderungen. Kevin Liu Kai, ­General Manager Enterprise bei Huawei Schweiz, erklärt im Interview, wie das Unternehmen auch in ­Zukunft erfolgreich wirtschaften will.

«Swiss IT Reseller»: Wo setzen Sie in der Führung von Huawei in der Schweiz Ihre Schwerpunkte?
Kevin Liu Kai: Huawei ist in vier strategischen Businesses in der Schweiz aktiv. Jeder kennt uns als Technologieausrüster der Telekom­industrie und als einen der Top-3-Anbieter von hochwertigen Smartphones und Notebooks. Im Enterprise-Segment erobern wir von Jahr zu Jahr mehr Marktanteile mit unseren integrierten Server-, Storage- und Datacom-Lösungen. Ganz vorne dabei sind wir, wenn es um Innovation im Bereich Cloud und AI geht. Unsere Unternehmenskunden schätzen an unseren Lösungen, dass wir die bewährte Carrier-Qualität unserer Server, ­Switches oder anderen Netzwerk- und Data­center-Komponenten ins Enterprise-­Business bringen. Unser Credo ist es, nicht einfach nur Komponenten, sondern ganze, vorintegrierte Plattformen bereitzustellen, die digitale Ökosysteme ermöglichen. Gerade in unserem stark wachsenden Enterprise-­Geschäft ist es aufgrund des Fachkräftemangels in der Schweiz eine besondere Herausforderung, genügend hochqualifizierte Talente zu finden und an uns zu binden.

Welche Chancen sehen Sie für die Partner von Huawei in der Schweiz in diesem Jahr?
Dieses Jahr hat gezeigt, wie wichtig die Vernetzung und die Digitalisierung sind, wenn Unternehmen und ihre Kunden und Partner nur noch remote und virtuell zusammenarbeiten können. Unsere Lösungen sorgen genau für diese vernetzte und digitalisierte Arbeits- und Geschäftswelt. Daneben lancieren wir laufend neue Produkte und Lösungen – im Moment zum Beispiel den Huawei Dorado V6, der mit 99,99999 Prozent Verfügbarkeit und 20 Millionen IOPS bei 0,1 Millisekunden Latenz als schnellste und sicherste Storage-Lösung der Welt All-Flash-­Technologie erschwinglich macht. Mit Zukunftstechnologien wie WiFi 6, der Campus-Cloud oder der Cloud Fabric können unsere Partner bei ihren Kunden die für die digitale Transformation erforderliche zuverlässige und hochperformante Infrastruktur sicherstellen. Der Trend bei den Kundenbedürfnissen geht dahin, nicht mehr selbst Hardware zu kaufen, sondern die benötigten Ressourcen als Service zu beziehen. Für unsere Partner ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie Servicefähigkeiten, insbesondere für Cloud-Angebote, entwickeln. Wir sind für sie Enabler, so dass sie sich in diesem Umfeld profilieren können.

Wie viele Partner zählt Huawei in der Schweiz aktuell und ist man auf der Suche nach neuen Partnern? Wenn ja, was müssen potenzielle Partner mitbringen?
Das Enterprise-Geschäft ist bei uns zu 100 Prozent indirekt, so dass der Channel für uns sehr grosse Bedeutung hat. Wir haben mittlerweile mehr als 100 zertifizierte Partner – darunter spezialisierte oder regionale Partner – die auf Basis unserer umfassenden Produktepalette unseren gemeinsamen Kunden Lösungen von der Beratung über die Implementation bis hin zum Service massschneidern können. Wir sind sehr daran interessiert, unser Partnernetzwerk weiter auszubauen. Wichtiger als die Quantität an Partnern ist für uns allerdings deren Qualität: Es ist uns ein grosses Anliegen, dass wir unsere Partner optimal dabei unterstützen können, unsere Lösungen effizient und professionell an den Mann zu bringen. Zugleich sind wir interessiert an Partnern, die komplementäre Dienstleistungen bieten und so integrierte Gesamtlösungen bauen können, die Kundenbedürfnisse ganzheitlich abdecken. Daher halten wir nach Partnern Ausschau, die Lösungskompetenz, Integrations-, Applikations- und Operations-Know-how haben sowie Service anbieten können.

Wie zufrieden sind Sie mit der Situation in der Schweiz? Stehen allenfalls Veränderungen an?

Die langjährigen Partnerschaften, die wir in der Schweiz seit Lancierung unserer Enterprise-Lösungen vor etwa acht Jahren pflegen, zeugen davon, dass unser Channel-Programm eine gemeinsame Erfolgs- und Wachstumsgeschichte für uns und die Partner ist. Das erste Halbjahr 2020 war für unser Schweizer Unternehmensgeschäft trotz aller Unsicherheiten und der angespannten Situation mit 40 Prozent Wachstum gegenüber der gleichen Periode 2019 sehr erfolgreich. Wir erwarten ein stabiles Wachstum auf diesem Niveau bis Ende des Jahres.

Plant Huawei in der Schweiz Veränderungen in der Belegschaft? Sollen Stellen geschaffen werden? Wenn ja, in welchen Bereichen?
Ich kann nur für die Enterprise Business Group in der Schweiz sprechen. Wir haben unsere Sales Force in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt, und wir planen, auch im nächsten Jahr einige zusätzliche Mitarbeiter in das Team aufzunehmen, wenn auch nicht mehr in diesen Grössenordnungen. Mit dem Trend zur Digitalisierung und Cloud werden wir weiterhin in unsere Cloud- & AI-Lösungen investieren und auch die Ressourcen mit Fokus auf die Managed Services Provider aufstocken. Darüber hinaus ist das Solar­geschäft ein weiterer neuer Bereich, den wir im Jahr 2020 lanciert haben und den wir 2021 ausbauen werden.

Können Sie etwas zur momentanen Lage in Bezug auf Covid-19 sagen? Wie verändert dies die Geschäftstätigkeiten kurz- und langfristig? Plant Huawei, hier spezielle Massnahmen zu treffen?
Huawei hat sehr frühzeitig auf die Coronakrise reagiert und die Geschäftsaktivitäten entsprechend weitestgehend auf Remote Work und Home Office umgestellt. Leider ist auch unser jährlicher Partner- und Kundenevent der Pandemie zum Opfer gefallen. Wir bieten unseren Kunden und Partnern jetzt mehr und mehr Online-Webinare, virtuelle Schulungen und Zertifikationskurse an und verlagern unsere Veranstaltungen in ein reines Online- oder ein hybrides Online-Offline-Format. Aus unserer Sicht kann sich Corona als Treiber für 5G herausstellen, denn die beschleunigte Digitalisierung erfordert eine noch viel weitergehende Vernetzung und hat einen immensen Anstieg an Datenvolumina und Datenaustausch zur Folge.

Wie wirken sich die Hiobsbotschaften rund um den Handelsstreit mit den USA auf Huaweis Geschäft aus?
Dank dem Vertrauen unserer Kunden sehen wir keine negativen Auswirkungen auf unseren Geschäftsgang. Ich erlebe, dass die Menschen in der Schweiz offener und sachlicher sind, und daher konnten wir auch im vergangenen und in diesem Jahr dieses Wachstum aufrechterhalten. Unsere Komponenten zeichnen sich neben ihrem hohen technologischen Qualitätsstandard, ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit auch durch eine sehr vorteilhafte TCO aus, was Kunden und Partner zu schätzen wissen.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation auf die Partner in der Schweiz aus? Was würden Sie diesen sagen, wie es in Zukunft weitergeht?
Es ist uns bewusst, dass die aktuelle Situation zu Verunsicherung bei unseren Partnern und Kunden führt. Wir kommunizieren mit ihnen transparent und offen und tun proaktiv alles in unserer Macht Stehende. Unsere Lieferfähigkeit ist nicht eingeschränkt. Unsere Partner und Kunden stehen treu und ­loyal zu uns – was uns mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt und uns zu noch mehr Innovation und Serviceorientierung anspornt.

Bis Anfang 2021 will Huawei ein eigenes Betriebssystem für Smart­phones und Notebooks fertig gestellt haben, um Android und Windows zu ersetzen. Können Sie zum Fortschritt in dieser Sache etwas sagen?
Was ich sagen kann, ist, dass Huawei sein Betriebssystem HarmonyOS für ganzheitliche Erlebnisse über alle Szenarien hinweg bereits 2019 angekündigt hat. Seitdem wurde eine stattliche Device-Palette für das System ent­wickelt, das eine schnelle Geräte-Erkennung, sofortige Verbindung, Hardware-Collaboration und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen durch mehrere intelligente Geräte ermöglicht. HarmonyOS 2.0 wurde an der Huawei Developer Conference (HDC) als umfassendes Upgrade mit neuen Funktionen bis hin zu Datenverwaltung und Sicherheit vorgestellt und wird offiziell als Open Source mit Mobile Harmony­­OS Beta für Entwickler bis Ende dieses Jahres verfügbar sein. Die Entwickler werden Zugang zu Emulatoren, SDK-Paketen und IDE-Werkzeugen erhalten. Konkret ist HarmonyOS seit dem 10. September offen für IoT-Geräte mit 128 KB bis 128 MB, wie zum Beispiel Smart TVs, Wearables, Autos und mehr. Im April 2021 werden wir es für Geräte mit 128 MB bis 4 GB öffnen und im Oktober 2021 wird HarmonyOS für Geräte über 4 GB geöffnet.

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