Der Techniker: Matthias Oswald, Gründer und Geschäftsführer, iWay

von Alina Brack


6. Juni 2020 - Matthias Oswald, Gründer und Geschäftsführer von iWay, ist fasziniert von Technik aller Art und freut sich, mittelfristig wieder mehr Zeit für Musse zu haben.

Künstliche Intelligenz und Machine Learning – zwei Entwicklungen, die Matthias Oswald, Gründer und Geschäftsführer von iWay, in ihren Bann ziehen. «Diese Bereiche möchte ich noch viel tiefer verstehen. Sobald ich mehr Zeit habe, möchte ich eine Weiterbildung in diese Richtung absolvieren», erklärt der 56-Jährige. Nicht mit dem Ziel, danach in diesen Bereichen einen Beruf zu ergreifen, sondern schlicht aus Interesse an der Technik. «Ich möchte die Technologie dahinter richtig tief verstehen, und das geht bei mir in der Regel nur, wenn ich sie ausprobieren kann.»

Geweckt wurde sein Interesse an der Technik bereits in jungen Jahren. «Mein Mathematiklehrer an der Sekundarschule hat einen freiwilligen Elektronikkurs angeboten. Diesen habe ich besucht und dabei Feuer gefangen für Elektronik und Technik», erinnert sich Oswald. Die Wahl für eine Lehre als Elektroniker erstaunt daher nicht, ebenso wenig wie das Studium der Computertechnik und Informatik. «Mich begeisterte dabei vor allem der Bereich Telekommunikation respektive was man damit auf die Ferne bewirken kann. Kommandos, die ich an meinem Schreibtisch programmiere, führen dazu, dass auf der anderen Seite des Planeten etwas passiert.»


Weg in die Selbständigkeit

Entsprechend wurde dann die Wahl seiner ersten Arbeitsstelle von dieser Faszination beeinflusst. «Ich war bei Digital Equipment (DEC) im Aussendienst tätig, die damals schon relativ weit im Bereich Computernetzwerk waren.» Dort löste er für rund drei Jahre Netzwerkprobleme bei Kunden, bevor er zu einer sechsmonatigen Weltreise aufbrach, die ihn von Russland – damals noch UdSSR – mit der transsibirischen Eisenbahn bis Novosibirsk über Japan, Singapur, Malaysia und die USA bis nach Südamerika führte. Wieder zurück, arbeitete Oswald in der Technikabteilung bei der UBS. Dort baute und betrieb er weltweite Computernetze für die Bank und lernte seinen Geschäftspartner, Markus Vetterli, kennen.

1995 schliesslich nahmen immer breitere Kreise Notiz vom Internet, und auch Oswald und Vetterli waren davon fasziniert, was damit alles möglich ist. Diese Faszination gipfelte in der Gründung vom iWay, einem Telekom-Provider, und in der Selbständigkeit. Die Selbständigkeit sei aber kein lang gehegter Traum gewesen, vielmehr bezeichnet Oswald es rückblickend als «sehr unbedarfter Entscheid ohne wahnsinnigen Businessplan dahinter». Es sei allerding auch eine Zeit gewesen, in der man in ihrem Gebiet sofort wieder einen guten Job gefunden hätte. «Es war also kein grosses Risiko.» Aber eines, das sich rückblickend gelohnt hat, beschäftigt iWay doch mittlerweile 50 Mitarbeiter und kann mit den ganz grossen wie Swisscom, UPC, Sunrise und Salt mithalten. Darauf ist Oswald denn auch sichtlich stolz: «Wir konnten mit der Firma in einem doch sehr kompetitiven Markt über 25 Jahre Erfolg erzielen.»


Das Zepter abgeben

Die Selbständigkeit ist allerdings auch der Grund dafür, weshalb es noch eine Weile dauern wird, bis Oswald seinen Wissensdurst im Bereich Künst­liche Intelligenz und Machine Learning wird stillen können. Denn Zeit ist ein rares Gut. Über kurz oder lang soll sich das aber ändern, verkauften Oswald und sein Geschäftspartner iWay doch 2017 an die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) – auf der Suche nach einer Nachfolgeregelung. «Ich will nicht mehr ewig die operative Verantwortung für die Firma haben. Das heisst aber nicht, dass ich iWay den Rücken kehren will, sondern dass ich mich als Verwaltungsrat weiter um die Strategie des Unternehmens kümmern möchte.» Oswald betont auch, dass das Datum für seinen Ausstieg noch nicht feststeht. Trotzdem freut er sich darauf, mittelfristig wieder mehr Zeit für das zu haben, was in letzter Zeit etwas gelitten habe. Er gibt zu: «Die Selbständigkeit führt dazu, dass das Privatleben zu kurz kommt. Ich freue mich darauf, wieder Sachen machen zu können, die Spass machen und nicht primär eine kommerzielle Ausrichtung haben, und rein meinen Interessen folgen zu können.»

Dazu gehört, nebst der Künstlichen Intelligenz und dem Machine Learning auch das Segeln. «Das Segeln ist ein Hobby, das ich mir über die Jahre erhalten konnte. Einmal pro Jahr mache ich einen Segelturn, meist im Mittelmeer und immer etwa mit denselben Leuten.» Zudem ist Oswald Miteigentümer eines Sailbox-Schiffes am Walensee, einer Art Mobility für Segelschiffe: Man mietet ein Schiff, im Gegensatz zu den Autos aber immer dasselbe. «Beim Segeln gefällt mir der Kontakt mit der Natur. Ich merke, dass mir das gut tut. Es berührt mich von einer ganz anderen Seite als die Technik. Auf dem Meer zu segeln, lehrt einem Demut vor der Natur.» Es sei wahnsinnig schön, mit dem Wind vorwärtszukommen, man merke aber auch, dass – sobald es ruppig und garstig werde – ganz andere Mächte am Werk seien, wo man als Mensch schlicht nichts mehr zu melden habe. «Wenn man hinter dem Schreibtisch Grössen­wahngefühle hat, so verfliegen die beim Segeln ganz sicher. Es erdet einem gut.»


Zeit für Reisen und Musse

Auch das Reisen ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen und steht ganz oben auf der Agenda. Dass Argentinien dabei eines der ersten Reiseziele sein wird, erklärt sich damit, dass die Partnerin von Oswald aus Argentinien stammt. «Meine jetzige Partnerin ist aus Argentinien und hat einen 18-jährigen Sohn, der in Buenos Aires lebt. Sie pendelt also zwischen unserem Zuhause in Dättwil und Buenos Aires hin und her, und wir haben bis jetzt nie die Zeit gefunden, Argentinien richtig zu bereisen.» Ein weiterer langgehegter Wunsch ist eine Reise nach Französisch-Polynesien.

Bis die Zeit für solche Abenteuer kommt, sorgen ein gutes Essen mit einem ebenso guten Glas Wein für die kleinen Pausen in Oswalds Alltag. Oder auch Musik, wobei es ihm hier die Sendung World Music Special von «SRF 3» besonders angetan hat. «Ich höre sie seit ewig, denn bei super Musik aus der ganzen Welt kann ich am besten abschalten.» Dabei träumt er von künftigen Reisen und Segeltrips und von seiner Zukunft, für die er sich «viele inspirierende Momente mit genügend Zeit für Musse» wünscht.


Matthias Oswald

Matthias Oswald, Gründer und Geschäftsführer von iWay, wuchs in Zürich auf. Nach der regulären Schulzeit absolvierte er eine Lehre zum Elektroniker, bevor er Computertechnik und Informatik studierte. Seine berufliche Karriere nahm ihren Anfang im Aussendienst bei Digital Equipment (DEC), bevor er nach einer Weltreise bei der UBS im Bereich Network Services als Network Engineer und Teamleiter tätig war. Dort lernte er seinen heutigen Geschäftspartner Markus Vetterli kennen, mit dem er sich 1995 selbständig machte und den Telekom-Provider iWay gründete. Der 56-jährige Oswald hat eine Tochter (26) und einen Sohn (23) und lebt aktuell mit seiner Partnerin in Dättwil.

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