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Der Macher: Thomas Failer, Group-CEO, Data Migration International

von Alina Brack


9. November 2019 - Der Werdegang von Thomas Failer, Group-CEO von Data Migration International, ist aussergewöhnlich, hat er doch eine Maurerlehre absolviert und bis zu seinem ­Studium der technischen Informatik noch nie einen Computer eingeschaltet.

Aktuell durchlebt Thomas Failer, Gründer und Group-CEO von Data Migration International in Kreuzlingen, gerade aufregende Zeiten. Denn er hat seinem Unternehmen kürzlich eine internationale Struktur verpasst und dazu ein neues Management an Bord geholt. Damit will er seine Softwarefirma, die auf das Trennen von historischen und operativen Daten, das Stilllegen von Altsystemen sowie die Datenmigration spezialisiert ist, weiterentwickeln. Denn: "Unsere Software, welche den Unternehmen hilft, schneller in die digitale Welt zum Beispiel auf den Digital Core SAP S/4Hana zu gelangen und nachhaltig agil zu bleiben, in Deutschland und in der Schweiz zu vertreiben, ist ja schön und gut. Aber der Markt, in dem wir tätig sind, ist in den USA doppelt so gross. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten wir 40 Prozent des Umsatzes in den Vereinigten Staaten." Und dieses Potenzial soll nun voll ausgeschöpft werden können. Entsprechend voll sind die Tage von Thomas Failer. "Dass die Balance zwischen Familie, Sport und Arbeit ausgeglichen ist, ist mir sehr wichtig. Und eigentlich gelingt mir das sehr gut, nur kommt momentan aufgrund der Internationalisierung der Sport sicher etwas zu kurz", so der 54-Jährige. "Dafür hätte ich gerne mehr Zeit."


Motorboot und Motorsport

Wenn dann Zeit bleibt, so geht Thomas Failer gerne joggen und im Winter snowboarden. Aber auch für das Wandern begeistert er sich. Zudem findet man ihn mit seiner Familie oft in einem Motorboot auf dem See – "und gerne auch mal auf dem Mittelmeer". Ein weiteres Hobby von Failer, der sich selbst als Visionär mit klarem Plan beschreibt, der aber nicht stur sondern durchaus auch anpassungsfähig ist, ist der Motorsport. "Mit meinem Unternehmen trete ich als Sponsor des Rennfahrers Timo Glock auf, der für BMW fährt."

Zudem hat Failer kürzlich, mit der Erfahrung einer Maurerlehre im Rucksack, ein Bauvorhaben gestartet. "Meine Partnerin und ich haben in Davos ein Haus gebaut. Und in diesem Bereich möchte ich mich auch künftig vermehrt engagieren." Davos als Ort der Wahl, weil er bereits als kleiner Junge immer wieder dort gewesen ist. "Den Winter muss man nicht unbedingt am Bodensee verbringen, wegen des Nebels. Dann gehen wir jeweils nach Davos", so Failer, der in Kreuzlingen lebt. Hat er bislang vor allem die Wintermonate in Davos verbracht, so geniesst er mit seiner Familie auch immer mehr die Sommermonate in den Bergen.


Vom Maurer zum Informatiker

Dass Thomas Failer dereinst in der IT-Branche landen würde, damit rechnete zu Beginn seiner Karriere wohl niemand – auch er selbst nicht. "Als ich mit der Schule fertig war, wollte ich zu Hause ausziehen und selbständiger sein. Es ging also darum, eine Lehre zu finden, die mir gefällt und in der ich auch etwas Geld verdienen konnte." Die Wahl fiel schliesslich auf eine Maurer-Lehre. "Dieses Thema hat mich interessiert, auch wenn wohl, in Anbetracht meiner damaligen Freizeitbeschäftigungen, ein mechanischer Beruf naheliegender gewesen wäre. Ich habe mich schon immer mit technischen Sachen auseinandergesetzt, viel auseinandergeschraubt und gebastelt. Aber das Neue hat mich halt auch gereizt." Es sei aber schon von Anfang an klar gewesen, dass Maurer nur eine Zwischenrolle sein werde, so der heute 54-Jährige.

Doch auch der nächste Karriereschritt vermag zu erstaunen: Wäre eine Weiterentwicklung in Richtung Bauingenieur oder Architekt naheliegender gewesen, so entschied sich Failer für ein Studium der technischen Informatik. "Die Berufschancen als Bauingenieur waren damals schlecht, und ich wollte zudem wieder etwas Neues. Meine Talente liegen klar im Bereich Mathematik und weniger bei den Sprachen. Da schien mir technische Informatik, damals noch ein sehr junges, aber zukunfts­trächtiges Feld, sehr geeignet. Ich hatte aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Computer eingeschaltet, geschweige denn etwas programmiert."

Nach dem Studienabschluss – "der nicht allzu schlecht ausfiel" – entschied sich Failer, dass vor der Selbständigkeit, die ihn schon immer gereizt hatte, zuerst eine Anstellung sinnvoll wäre. "Ich wollte mein Wissen noch vertiefen und verbreitern." So landete er bei DEC in einem Trainee-Programm, wo diverse Richtungen wie Buchhaltung, Marketing oder auch Präsentationstechniken abgedeckt wurden. Zudem wurde er dort relativ rasch auf SAP-Migrationsprojekte angesetzt.


Erfolgreich selbständig

Mit seinem Unternehmen selbständig ist Failer seit 1996. Denn als sich sein damaliger Arbeitgeber DEC vermehrt auf das Kerngeschäft konzentrieren wollte, klinkte er – der für SAP-Migra­tionsprojekte zuständig war – sich aus und führte das Projektgeschäft als Selbständiger weiter. "Gleichzeitig haben mich Kunden angefragt, ob ich auch migrierte Altsysteme stilllegen könne." So baute Failer ein entsprechendes Framework und ergänzte sein Unternehmen wenig später auch noch um Consulting-Dienstleistungen. "2010 wollte ich mich dann aber voll auf das Softwaregeschäft für Migrations- und Stilllegungsvorhaben konzentrieren und habe das Consulting-Geschäft an T-Systems verkauft. Consulting hatte ich damals genug lange gemacht, ich wollte wieder einmal etwas Neues", so Failer – der dann aber doch zu T-Systems wechselt und dort das Consulting-Geschäft weiterführte. Nach all den Jahren Selbständigkeit sei die Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis spannend und lehrreich gewesen. "Ich hab viel gelernt in dieser Zeit. Am Ende des Tages hatte ich aber ja eigentlich gesagt, dass ich meine Softwarefirma weiterentwickeln wollte." Deshalb ist er nach rund fünf Jahren zu Data Migration Services zurückgegangen und hat mit der neuen internationalen Struktur nicht weniger als die Eroberung der USA und weiterer Länder im Visier.


Thomas Failer

Thomas Failer ist mit seinen Geschwistern in Kreuzlingen aufgewachsen. Nach der Maurerlehre holte Failer in Konstanz das Abitur nach und studierte im Anschluss technische Informatik. Den Berufseinstieg fand er schliesslich bei DEC, wo er SAP-Projekte verantwortete. 1996 machte sich Failer mit seinem Unternehmen Data Migration selbständig, das auf die Stilllegung von Altsystemen sowie die Datenmigration spezialisiert ist. Nachdem er 2010 den Consulting-Bereich seines Unternehmens an T-Systems ver­äusserte und während rund fünf Jahren für das Unternehmen tätig war, wechselte er schliesslich wieder zu Data Migration Services zurück. Das Unternehmen verfügt neu über eine internationale Struktur und will sich damit auf die Skalierbarkeit fokussieren. Der 54-Jährige lebt mit seiner Familie sowohl in Kreuzlingen als auch in ­Davos.

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