Auf dem Weg zum nachhaltigen Internet

8. Juni 2019 - Der globale Datenverkehr beschleunigt sich in einem beispiellosen Tempo. Verant­wortlich dafür sind Entwicklungen wie das Internet der Dinge (IoT), der digitale Zahlungsverkehr, 5G, AI – generell die zunehmende Digitalisierung der Welt. Dieser beispiellose Anstieg mag für die digitale Wirtschaft einen enormen Fortschritt bedeuten, geht aber zu Lasten eines deutlich höheren Energiebedarfs und stellt eine neue Herausforderung für Rechenzentrumsbetreiber dar, die ihren CO2-Fussabdruck minimieren wollen.

Der aktuelle Global Interconnection Index des Swico-Mitglieds Equinix prognostiziert, dass die für Interconnection (der direkte und private Austausch von Daten zwischen Geschäftspartnern) benötigte Kapazität bis 2021 auf mehr als 8200 Terabit pro Sekunde respektive 33 Zettabyte pro Jahr ansteigen wird. Das ist das 10-fache des Datenvolumens, welches über das öffentliche Internet übertragen wird und entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 48 Prozent in den kommenden fünf Jahren – fast doppelt so viel wie die erwartete Rate des weltweiten IP-Traffics über das Internet.

Dieses Wachstum benötigt selbstredend Energie. Daher ist es notwendig, dass die Industrie nach umweltschonenden Möglichkeiten sucht und sich der gemeinsamen Verantwortung für die Verringerung der Umweltbelastung stellt.


Erneuerbar betrieben

Das Commitment der weltweit führenden Rechenzentrumsunternehmen zur Nutzung erneuerbarer Energien treiben deren Einsatz in vielen Regionen der Welt voran. Verpflichtungen zur Strom­erzeugung aus kohlenstoffärmeren Alternativen stellen sicher, dass der digitale Fortschritt von der Karbonisierung der Wirtschaft entkoppelt wird. Roger Semprini, Managing Director von Equinix Schweiz, erklärt: "Als Marktführer in dieser Branche versteht Equinix, dass unser Handeln die Welt um uns herum beeinflusst. Im Jahr 2015 waren wir der erste Anbieter von Rechenzentren, der sich öffentlich zum langfristigen Ziel bekannt hat, saubere und erneuerbare Energien zu nutzen. Dies wenden wir für unseren gesamten globalen Rechenzentrumsbestand an – derzeit 202 IBX-Rechenzentren in 24 Ländern auf einer Gesamtfläche von 22,2 Millionen Quadratmetern. Greenpeace bezeichnete diese Verpflichtung in seinem Bericht Clicking Clean als 'einen riesigen Schritt nach vorne für den Aufbau eines erneuerbar betriebenen Internets'."

Semprini führt weiter aus: "Alle Rechenzentren von Equinix verwenden energieeffiziente Komponenten, und neue Standorte werden nach den höchsten Standards gebaut, wobei Materialien verwendet werden, welche langfristigen Nachhaltigkeitsziele ergänzen."


Kühlung durch natürliche Luft

Sogenannte Green-Building-Technologien und Designpraktiken können helfen, ein RZ nachhaltiger zu machen. Dazu gehören etwa die indirekte Verdunstungskühlung, der indirekte Wärmetausch, Anlagen zur Gewinnung von Regenwasser oder Lüftungsgeräte. Aber auch der Zugriff auf unterirdische Wasserquelle kann die operative Nachhaltigkeit des Rechenzentrums verbessern und auch die Abhängigkeit des Standortes von lokalen Verteilernetzen reduzieren. Durch den Einsatz solcher Technologien wird zum Beispiel in London das RZ LD6 von Equinix rund 85 Prozent des Jahres ausschliesslich durch natürliche Luft gekühlt.

Es ist eine Sache, solch innovative Lösungen in einem brandneuen Gebäude einzusetzen, die Umstellung bestehender Sites auf Nachhaltigkeit ist indes anspruchsvoller. Aber auch Rechenzentren lassen sich nachrüsten, beispielsweise mit Freiluftkühlung, Hybridkühltürme oder Kaltwasserbrunnen in der Tiefe. Man kann auf einem bestehenden RZ auch ein sogenanntes Gründach (Green Roof) anlegen, das dazu beiträgt, das Gebäude kühl zu halten und den Abfluss von Regenwasser reduziert.


Gemeinsame Mission

Um Fortschritte bei der ökologischen Nachhaltigkeit zu erzielen, sind kreatives Denken, Investitionen und Ausdauer erforderlich. Nachhaltigkeit ist nicht nur eine Frage der sozialen Verantwortung – sie ist die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg. Semprini erklärt: "Kunden nutzen vermehrt Rechenzentrumsanbieter, die Nachhaltigkeit ernst nehmen – nicht nur, weil sie oft eigene Ziele für erneuerbare Energien haben, sondern, weil viele Unternehmen Umweltverantwortung als integralen Bestandteil ihrer Markenidentität betrachten."

Die Zusammenarbeit in der Branche ist von entscheidender Bedeutung und wird durch die Swico-Fachgremien gefördert. Durch den Austausch von Best Practices können sich Rechenzentrumsanbieter, Kunden, Partner und Lieferanten gegenseitig helfen, auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten, die Energieabhängigkeit und die Umweltbelastung zu verringern.

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