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Der Entdecker: Markus Naegeli, CEO, Canon Schweiz

von Alina Brack


2. Februar 2019 - Das Interesse an Menschen ist bei Canon-Schweiz-CEO Markus Naegeli gross, ebenso wie seine Neugier und sein inneres Feuer, das er gerne auch bei anderen entfacht.

"Ich habe eine nichtversiegende Neugier, ich lerne gerne, entdecke gerne Neues und möchte Sachen auf den Grund gehen", sagt Markus Naegeli, seit Oktober 2018 erneut CEO von Canon Schweiz, über sich selbst. "Ich hatte in meiner beruflichen Laufbahn immer wieder das Privileg, faszinierende Jobs zu haben", ergänzt der 52-Jährige. Dieselbe Begeisterungsfähigkeit erhofft er sich auch bei seinen Mitmenschen. "Es berührt mich bis heute emo­tional am meisten, wenn ich bei jemandem ein inneres Feuer entfachen kann, wenn ich sehe, dass ich etwas auslöse und in jemandem etwas bewege – sei es bei den Kindern, in der Partnerschaft oder im Business." Naegeli ist fasziniert von Menschen, kann man wohl ungelogen behaupten, wenn man ihm zuhört. Aufgewachsen in vier Kantonen und "in einer Art Patchwork-Familie" habe er bereits in jungen Jahren unterschiedliche Leute aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Hintergründen kennengelernt. "Hier ist mein Interesse an den Menschen erwacht, und es ist bis heute gross."

So erstaunt es denn auch nicht, dass Naegeli nach seiner Doktorarbeit, die er nach seinem Naturwissenschafts-Studium an der ETH an der eidgenössischen Anstalt für Wasser, Abwasser und Gewässerschutz schrieb, von der Forschertätigkeit in die Unternehmensberatung wechselte. "Ich wollte noch mehr mit Leuten in verschiedenen Bereichen zu tun haben und bin deshalb beim Beratungsunternehmen Helbling eingestiegen." Hier betreute er diverse Projekte, unter anderem auch im Technologie-Umfeld – sein erster Kontakt mit der IT-Branche. Zudem entschied er sich für ein Auslandjahr in den USA, wo er ein grosses Projekt im Bereich der Stadtentwicklung begleitete und daneben Marketing, Supply Chain Management und strategisches Management studierte.


Sachen selbst anpacken

Zurück in der Schweiz, zusammen mit Frau und seinem ersten Kind, kam er bei einem anderen Beratungsunternehmen, als Partner und Mit-Inhaber, in Kontakt mit Canon. Für Canon betreute er ein grosses Projekt zur strategischen Neuausrichtung. Als 2002 von Seiten Canon das Angebot kam, als Bereichsleiter beim Unternehmen einzusteigen, zögerte Naegeli nicht lange. "Ich träumte schon immer von einer Linienfunktion bei einem Unternehmen. Interessanterweise war dies bereits Jahre zuvor bei meinem Einstellungsgespräch bei Helbling meine Antwort auf die Frage, wo ich mich in fünf Jahren sehe." Er wolle Verantwortung übernehmen, persönlich bewegen und operativ wirken. Gelernt habe er dies unter anderem im Militärdienst und in der Offiziersschule. "Dort musste ich bereits in jungen Jahren vorne hinstehen, ein Beispiel sein, authentisch sein und Verantwortung für Menschen übernehmen, auch in schwierigen Situationen. Das hat mich geprägt, und ich habe einiges über mich gelernt", erinnert er sich.

Nach drei Jahren als B2B-Bereichsleiter bei Canon Schweiz, lag das Angebot auf dem Tisch, in London die Service-Leitung für EMEA zu übernehmen. "Ich habe dieses Angebot mit meiner Familie – wir hatten dazumal bereits drei Kinder – besprochen und es angenommen, als alle dafür waren", so Naegeli. Die folgenden zwei Jahre in England bezeichnet er als spannende Erfahrung, auch für die Kinder. "Sie profitieren heute noch davon, etwa durch ihre Englischkenntnisse. Und sie durften erleben, wie man als Fremde von unbekannten Menschen aufgenommen wird. Das war anspruchsvoll, aber eine wichtige Erfahrung. Zudem wächst man als Familie noch etwas anders zusammen. Man ist neu dort, muss sich neu orientieren, erfahren, was wie geregelt wird oder wo man was bekommt." Und auch beruflich sei es eine interessante Zeit gewesen. "Die Übernahme der Serviceleitung nach der verkaufsorientierten B2B-Bereichsleitung ist keine klassische Bewegung. Aber in meinem Leben gab es immer wieder unorthodoxe Bewegungen – etwa, dass ich Naturwissenschaften studiert habe und danach in die Beratung eingestiegen bin oder als ich von operativ zu strategisch oder lokal zu international wechselte." Nach zwei Jahren in London kam 2008 der Ruf aus der Heimat, weil Canon auf der Suche nach einem CEO für die Schweiz war. "Ich habe mich gefreut, wieder operativer tätig zu sein. Die strategische und konzeptionelle Arbeit gefällt mir gut, möchte ich aber nicht für unendlich lange Zeit machen. Ich packe die Sachen dann gerne auch selbst an und setze sie um."


Wieder zurück als CEO

Als CEO von Canon Schweiz verantwortete Naegeli als eines der ganz grossen Projekte die Integration des 2009 übernommenen Druckerherstellers und bisherigen Konkurrenten Océ. "Die Schweiz war das erste Land weltweit, das die Integration gemacht hat, mit höchstem Interesse von den beiden Mutterhäusern begleitet. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, auch von mir und meinem Team selbst. Das war ein prägendes Projekt. Wir haben versucht, es so gut wie möglich zu machen, was uns bei vielen Sachen sicher gelungen ist, andere würde man rückblickend vielleicht etwas anders machen." Umso mehr freut es Naegeli, dass an einem Anlass wenige Wochen nach dem Zusammenschluss ein Kunde betonte, dass man nicht merke, wer von den Mitarbeitenden ursprünglich von Canon und wer von Océ stamme. "Das war ein sehr schöner Moment."

Nach acht Jahren an der Spitze von Canon Schweiz klopfte erneut London an die Türe und bot ihm den Job als Leiter des B2B-Office-Geschäfts EMEA und danach für zwei Jahre die Leitung des Software- und BPO-Servicegeschäfts an. "Auch hier habe ich mich in Absprache mit der Familie dafür entschieden." Allerdings blieb die Familie dieses Mal in der Schweiz – "es standen gerade wichtige Schulabschlüsse und Ausbildungsschritte an, weshalb ich mich entschieden habe, zu pendeln." Als die Projekte in London mehrheitlich abgeschlossen waren, wollte es der Zufall, dass die Stelle als CEO von Canon Schweiz wieder frei war, und so kam Naegeli am 1. Oktober 2018 wieder zurück in die Heimat. "Ich freue mich, dass ich nun wieder das unmittelbare Geschäft verantworten kann und mich mit Kunden und Partnern treffe." Wohin ihn sein weiterer Karriereweg führt, weiss Naegeli nicht, er verfolgt keine Karriereziele. "Ich bin sehr gerne CEO und ? auch wenn es etwas ‹kitschig› klingen mag ? ich wünsche mir einfach, dass es meinen Mitarbeitenden, meiner Familie und meinen Freunden gut geht."


Markus Naegeli

Markus Naegeli ist mit fünf Geschwistern in den vier Kantonen Glarus, Aargau, Zürich und Thurgau aufgewachsen. Als Kind wollte er Forscher, Archäologe oder Tierforscher werden. Nach dem Besuch der Kantonsschule Frauenfeld, wo er auch seine Frau kennenlernte, studierte er Naturwissenschaften an der ETH Zürich und doktorierte an der eidgenössischen Anstalt für Wasser, Abwasser und Gewässerschutz (EAWAG). Nach fünf Jahren in der Unternehmensberatung, zuletzt als Partner, arbeitet Naegeli seit 2002 in verschiedenen Funktionen für Canon. In seiner Freizeit ist er gerne in Bewegung, fährt Ski, spielt Golf und ist aktiv in der Männerriege. Zudem ist er Rotary-Mitglied, mag Musik und Kultur und ist interessiert an Natur, Geschichte und Politik. So war er etwa als Schulgemeindepräsident an seinem Wohnort tätig. Er lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Felben-Wellhausen im Kanton Thurgau.

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