Frank Geisler - Der Channel-Profi

von Alina Brack

6. Oktober 2013 - Der Channel zieht sich wie ein roter Faden durch die Karriere von Frank Geisler. Privat ist er sozial engagiert und will trotz grossem Engagement die Familie nicht vernachlässigen.

Frank Geisler, Leiter Applikationen bei ERPsourcing, macht sein Job Spass – er arbeitet gern und viel. Dennoch will er sein Privatleben und seine persönlichen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen lassen. Denn die Erfahrung hat ihn gelehrt. Wie der gebürtige Deutsche erzählt, hat er in den 90er Jahren das Privatleben zugunsten der Karriere vernachlässigt, wodurch es schliesslich zur Scheidung gekommen sei. Dies wiederum habe dazu geführt, dass er seine zwei Kinder nicht mehr so häufig gesehen habe. Bei seinem dritten Kind, das er zusammen mit seiner Schweizer Frau hat, will er diesen Fehler nicht wiederholen. «Bei meiner 6-jährigen Tochter hole ich das nach, was ich bei meinen mittlerweile grossen Kindern aufgrund meiner Karriere leider verpasst habe», gibt Geisler offen zu. Die Wochenenden sind deshalb nun für die Familie und gemeinsame Aktivitäten reserviert.

Die Geburt seines dritten Kindes war denn auch ausschlaggebend für seine Anstellung bei SAP Schweiz, wo er bis zu seinem Wechsel zu ERPsourcing in diesem Jahr tätig war. Bis dahin arbeitete Geisler nämlich freiberuflich als Berater für internationale Unternehmen, die in der Schweiz Fuss fassen oder das Geschäft über Vertriebspartner aufbauen wollten. «Ich wollte nur noch in der Schweiz arbeiten und die Reiserei auf ein absolutes Minimum reduzieren», erklärt der 54-Jährige seine Beweggründe.
So kam es, dass Geisler Ende 2007 die Rolle des Channel Development Manager bei SAP Schweiz übernahm. Die neue Position bedeutete gleichzeitig auch eine Rückkehr zu seinem Kerngebiet – dem Channel. «Denn der Channel und die Zusammenarbeit mit Partnern ziehen sich durch meine ganze Karriere», bilanziert der begeisterte Triathlet, der 2000 in Russland ein Kosmonautentraining absolvierte.


Der Channel als Konstante

Zum ersten Mal in Kontakt mit Wiederverkäufern kam er Ende der 80er Jahre bei der Firma Westward Technologie, die hochauflösende Grafikterminals für den Konstruktionsbereich und den Schiffsbau herstellte. Hier betreute er die Partner in Deutschland und war viel unterwegs. Die Tätigkeit bei Westward war für Geisler, der ausgebildeter Programmierer ist, zudem auch ein Wechsel von der Software zur Hardware. Nach einem Zwischenhalt bei Commodore, wo er die Vertriebsleitung für Zentraldeutschland inne hatte, kehrte Geisler 1992 zur Software zurück. «Ausschlaggebend für diese Entscheidung war mein Hintergrund als Entwickler. Zudem litt die Hardware-Branche bereits dazumal unter einem Preiszerfall und in der Software lag die Zukunft», führt der 54-Jährige aus.
Nach einem vier Jahre dauernden Abstecher zu JD Edwards, wo er als Vertriebsleiter half, die deutsche Niederlassung aufzubauen, erhielt Geisler 1996 die Chance, Geschäftsführer zu werden. So wurde der Familienvater zum Chef von MRO, Maintenance, Repair and Operations, das Instandhaltungs-, Planungs- und Steuerungssysteme herstellte. «Meine erste Aufgabe hier war es, verschiedene Überbleibsel diverser Merger und Acquisitions zu einem Team zusammenzuführen. Das hat mir sehr gefallen», so Geisler. Denn der 54-Jährige liebt die Zusammenarbeit mit Menschen verbunden mit Technik.


Sozial engagiert

Ebenso gerne baut Geisler, der 2002 seinen Wohnsitz der Liebe wegen in die Schweiz verlegte, Dinge auf und organisiert diese. «Ich räume gerne auf, das ist eine meiner Stärken», erklärt er. Zudem habe er die Gabe, seine Mitarbeiter zu begeistern: «Das ist unabdingbar, wenn man etwas erreichen will.» Von seinen Mitarbeitern erwartet der selbsterklärte Optimist im Gegenzug, dass sie offen für neue Ideen sind. Diese Offenheit will Geisler auch seiner Tochter mit auf den Weg geben. «Sie soll nie stehenbleiben und permanent lernen. Gleichzeitig möchte ich ihr auch mitgeben, nicht nur an sich zu denken», betont Geisler.
Er selbst engagiert sich aus diesem Grund seit Anfang 2012 ehrenamtlich bei der weltweiten Initiative Labdoo. «Wir haben das Ziel, den digitalen Graben zwischen Schwellenländern und den sogenannt entwickelten Ländern zu verringern», erklärt Geisler die Idee dahinter. Dazu werden hierzulande ausgemusterte Notebooks mit Linux aufbereitet und an Organisationen und Schulen gesendet. «So versorgen wir Schulen auf der ganzen Welt mit Rechnern, die sie sich sonst nicht leisten könnten, und ermöglichen den Kindern eine gescheite Ausbildung», freut sich Geisler. Und er ergänzt: «Diesen Kindern eine Chance auf Ausbildung zu geben, verschafft mir eine grosse Befriedigung.»


Frank Geisler

Frank Geisler wuchs in Braunschweig als ältestes von drei Kindern auf. Nach dem Gymnasium wollte der heute 54-Jährige eigentlich Lebensmitteltechnologie studieren. «Ich hatte den Studienplatz bereits, habe mich dann aber für die Verpflichtung als Zeitsoldat für zwei Jahre entschieden, unter anderem weil ich dabei ein richtiges Salär erhielt», so Geisler. Nach dem Militärdienst entschied er sich gegen die Lebensmitteltechnologie und für die Informatik. «Mein Onkel arbeitete als Programmierer beim Deutschen Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrttechnik und hat mir gezeigt, was man mit einem Computer alles machen kann», erinnert sich der Hobbysportler. Deshalb besuchte er schliesslich das Control Data Institut und bildete sich zum Programmierer aus. Den Berufseinstieg fand der gebürtige Deutsche, der seit 2002 in der Schweiz lebt, schliesslich bei Modulare Computersysteme (MCS). Danach entwickelte er im Auftrag eines Professors eine modulare Lösung für Laborsysteme, bevor er via Westward, Commodore, JD Edwards und MRO schliesslich bei SAP landete. Seit Juli 2013 ist Geisler nun als Leiter Applikationen bei ERPsourcing tätig.

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