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Carlo Widmer - Der Ingenieur

von Alina Brack

9. Dezember 2012 - Maxdata-Schweiz-Chef Carlo Widmer ist kein Mensch, der zurückschaut. Vielmehr besteht das Leben für ihn aus Phasen, die – einmal abgeschlossen – definitiv vorbei sind.

Es ist die Abwechslung, die sich wie eine Konstante durch das berufliche Leben von Carlo Widmer, CEO des Computer- und Notebook-Herstellers Maxdata Schweiz, zieht. Beim Betrachten seines Lebenslaufes fällt auf, dass es den Hobbykoch in der Regel alle drei bis vier Jahre an einen neuen Arbeitsort verschlagen hat. Nach einem Studium zum Elektroingenieur startete Widmer seine Laufbahn bei Schindler. «Mein Einstieg ins Berufsleben erfolgte zwar bei einem Grosskonzern, aber trotzdem ohne grossen Leistungsdruck. Sie haben mich forschen und experimentieren lassen – vor allem im Bereich Mikroprozessoren, die damals aufkamen», erinnert er sich an seine erste Stelle. Nach Zwischenhalten bei der Roche-Tochter Tegimenta und bei einem im CAD- und Office-Automation-Bereich tätigen Unternehmen entschied sich Widmer schliesslich, nicht nur die Stelle, sondern auch die Seite zu wechseln. «Meine Forschungsphase war abgeschlossen und ich wollte Fronterfahrung sammeln. Deshalb startete ich eine neue Phase und wechselte in den Verkauf und ins Marketing, zuerst bei NCR und dann bei AST Research», so der heute 56-Jährige. Diese Unterteilung des Lebens in Phasen ist charakteristisch für Widmer, der sich selbst als «Realist mit einem Schuss Visionär und einem Teil Erfinder» beschreibt. «Wenn ich eine Phase abschliesse, dann mache ich die Türe zu und blicke nicht mehr zurück. Vorbei ist vorbei.»


Spannende Zeit bei Maxdata

Eine längere Phase, die aus dem restlichen beruflichen Lebenslauf von Widmer heraussticht, ist seine Beschäftigung bei Maxdata, die bereits 16 Jahre dauert. Doch auch sie besteht nur vordergründig aus Konstanz. Schaut man hinter die Maxdata-Kulissen, so zeigt sich, dass verschiedene Ereignisse immer wieder für Abwechslung gesorgt haben. Ein solches war etwa der Verkauf von Maxdata an den Distributor CHS, der schliesslich scheiterte, weil das US-Unternehmen den Kaufbetrag nicht aufbringen konnte und schliesslich einging.

Den bleibendsten Eindruck hat aber die Insolvenz des Mutterhauses 2008 hinterlassen, die dazu führte, dass auch Maxdata Schweiz neu starten und «gewaltig restrukturieren» musste. «Das war die schwierigste Situation, die ich in meiner gesamten Karriere meistern musste», betont Widmer, der Mitte 2012 eine weitere, neue Phase als CEO von Maxdata in Angriff genommen hat. Die Entscheidung, diese Rolle zu übernehmen, sei ihm nicht schwer gefallen. «Die Frage war nie, ob ich das kann oder nicht, sondern vielmehr, ob ich das will oder nicht», erklärt der zweifache Vater.


Bewegte Kindheit

So sehr er die Abwechslung im Beruf braucht, so sehr setzt Widmer im Privaten auf Beständigkeit. Diese Sehnsucht nach Konstanz gründet in seiner Kindheit. Seine Eltern waren beide Berufsmusiker, was bedingte, dass sie viel herumreisten. «Ich musste fast jedes Jahr umziehen und die Primarschule wechseln, was es schwierig machte, irgendwo Wurzeln zu schlagen und Freunde zu finden», erinnert sich Widmer. Nach der Sekundarschule, die der begeisterte Tüftler in einem Internat in der Westschweiz absolvierte, wurde er deshalb «mit 16 Jahren erstmals sesshaft. In einem Alter also, in dem es die meisten Jugendlichen in die weite Welt hinauszieht, habe ich mir nichts mehr gewünscht, als für einmal länger als ein Jahr an einem Ort zu wohnen». In Luzern bezog Widmer schliesslich eine eigene Wohnung und absolvierte bei Landis+Gyr eine Lehre im Elektroniksektor. «Das war mein Traumjob. Bereits als Kind war ich sehr technikaffin», erklärt der Freizeit-Bastler. In die Fussstapfen der Eltern wollte Widmer hingegen nie treten. «Als Sohn von Musikern war ich zwar an der Musik interessiert und habe selber auch Klavier und Orgel gespielt. Berufsmusiker zu werden war aber nur schon aufgrund der vielen Reiserei nie ein Thema für mich.»


Faszination USA

Auch wenn er in seiner Kindheit viel reisen «musste», so zieht es ihn auch heute noch ins Ausland. Im Frühling verbringt der Vater zweier Töchter zusammen mit seiner Frau meist einige Zeit in Teneriffa, wo sie viel wandern. Besonders angetan haben es Widmer allerdings die USA. «Mich faszinieren die Möglichkeiten des Landes und die Gegensätze zur Schweiz. Die USA sind eine komplett andere Welt – im Bezug auf Kultur, Essen, Autos, Lebenseinstellung und Kommunikation. Sie sind wie ein Paralleluniversum», verleiht Widmer seiner Begeisterung Ausdruck. Auswandern ist aber trotzdem kein Thema für ihn: «Mein Lebensmittelpunkt wird immer die Schweiz bleiben. Ich bin überzeugter Eidgenosse.»


Carlo Widmer

Geboren wurde Carlo Widmer, der als Einzelkind aufwuchs, am 25. Januar 1956 in Kreuzlingen. Seine Eltern waren beide Berufsmusiker. Nach einer Lehre im Elektronikbereich absolvierte er ein Studium zum Elektroingenieur am Zentralschweizerischen Technikum Luzern (ZTL). «Das Studium war eine sehr schöne Zeit. So bin ich etwa einer Studentenverbindung beigetreten, wo Kameradschaften entstanden sind, die bis heute andauern», erinnert sich Widmer heute zurück. Den Einstieg ins Berufsleben fand er bei Schindler, bevor er über verschiedene weitere Stationen schliesslich 1996 bei Maxdata landete. Der Auto-Liebhaber verbringt seine Freizeit gerne mit reisen, kochen oder tüfteln. «Ich befasse mich auch privat wahnsinnig gerne mit Digital-Elektronik, Unterhaltungselektronik und Netzwerken. Bei uns zuhause ist alles voll mit Maschinen», erklärt Widmer, der seit 33 Jahren verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter ist, schmunzelnd.

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