Das Geschäft mit Handy-Schrott

von Marcel Wüthrich

4. November 2012 - In der Schweiz buhlen gleich mehrere Firmen um gebrauchte Handys. Die Nachfrage nach den Altgeräten im Ausland ist gross.

Waren gebrauchte Handys früher bestenfalls Elektronikschrott und wurden von Verkaufsstellen als Service am Kunden zurückgenommen, buhlen inzwischen mehrere Player um die alten Telefone von Herr und Frau Schweizer. So wirbt beispielsweise Mobilezone prominent damit, dass man «bis zu 197 Franken» für ein altes Handy bekommt – wobei «alt» relativ ist, schliesslich bezahlt die Handy-Kette diesen Betrag für ein iPhone 4S mit 16 GB. Daneben ist mit Verkaufen.ch eine neue Plattform online gegangen, die sich ganz dem Ankauf von gebrauchten Handys sowie Tablets verschrieben hat und beispielsweise für ein 16-GB-iPhone-4S in gutem Zustand über 350 Franken verspricht. Hinzu kommen zahlreiche weitere Player wie Orange, Digitec oder die Post, die ebenfalls Geld oder Gutscheine für gebrauchte Handys springen lassen.


Hohes Marktpotential

Das Business-Modell hinter dem Einkauf gebrauchter Handys ist rasch erklärt. Dazu Mobilezone-CEO Martin Lehmann: «Gebrauchte Handys, die noch einwandfrei funktionieren, werden über einen Dienstleistungspartner in anderen Ländern – beispielsweise in Asien – als Gebrauchtware wiederverkauft und dort teilweise während mehrerer Jahre weiterverwendet. Alte Handys, die nicht mehr richtig funktionieren, werden bei der zur Mobilezone-Gruppe gehörenden Firma Mobiletouch demontiert und fachgerecht rezykliert.» Bei Orange werden die Althandys derweil dem spezialisierten Partner Anovo übergeben, der diese dann aufbereitet in verschiedene Kanäle weltweit liefert – unter anderem über den Grosshandel in Länder, in denen möglichst kostengünstig moderne Geräte erhältlich sein sollen, aber auch an Versicherungen als Ersatzgeräte oder direkt an Endverbraucher.

Dass sich das Geschäft lohnen kann, zeigt ein Blick auf das potentielle Marktvolumen in der Schweiz. Beim Swico geht man von rund 8 Millionen Althandys aus, die in den Schweizer Haushalten herumliegen. Laut Mobilezone-Berechnungen finden sich hierzulande somit Althandys im Wert von 760 Millionen Franken, wenn man wie im Fall von Mobilezone von einem durchschnittlich bezahlten Rückkaufpreis von 95 Franken pro Gerät ausgeht.
Während Mobilezone und auch Orange grundsätzlich alle funktionsfähigen Geräte zurücknehmen, hat man bei Verkaufen.ch ausschliesslich Interesse an neueren Geräten, wie CEO Rouven Küng erklärt. Zur Menge der Geräte, die Verkaufen.ch derzeit einkaufen kann, erklärt Küng: «Grundsätzlich sind wir solide kapitalisiert und auf grössere Volumen vorbereitet. Entscheidend ist aber die Durchlaufzeit in unserem Absatzkanal, womit wir bereits positive Erfahrungen gemacht haben.» Mobilezone-Boss Lehmann gibt derweil zu Protokoll, dass in seinem Unternehmen die Anzahl eingekaufter Althandys nach oben offen sei. «Unsere Erfahrung zeigt nämlich, dass die Nachfrage an gebrauchten Handys in anderen Teilen der Welt das Angebot bei weitem übersteigt.» Kein Wunder also, buhlen mehr als eine Handvoll Firmen um den vermeintlichen Handy-Schrott.


Auch Laptops und Konsolen

Sowohl Verkaufen.ch als auch Mobilezone bieten ihren Ankauf-
Service auch für Geschäftskunden an. Eine Obergrenze für Firmen, welche ihre Handyflotte zwecks Erneuerung abgeben will, kennen die Ankäufer nicht. Deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ankäufern gibt es allerdings bei den Preisen, die für die zurückgenommenen Handys bezahlt werden. Die Konsumentenzeitschrift «Saldo» machte jüngst die Probe aufs Exempel und bot verschiedenen Rückkäufern mehrere Handys an. Für ältere Telefone von Motorola und Sony bezahlten dabei einzig Mobilezone und Orange noch einige Franken. Bei modernen Geräten wie dem Samsung Galaxy S2 reichten die Angebote von 146 Franken (Mobilezone) bis zu 210 Franken (Anovo, Post), beim iPhone 4S (32 GB) von 284 (Mobilezone) bis 365 Franken (Anovo).
Die Plattform Verkaufen.ch wurde für den «Saldo»-Vergleich nicht berücksichtigt. Verkaufen.ch hebt sich vom Gros der Konkurrenz allerdings insofern deutlich ab, als dass die Kunden nicht in Form von Gutscheinen ausbezahlt werden, sondern Geld für die alten Handys erhalten. Ausserdem stellt Rouven Küng in Aussicht, dass in Zukunft auch andere Geräte als Tablets und Smartphones eingekauft werden könnten. «Wir sehen in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik Potential. Beispielsweise könnten wir uns den Ankauf von Konsolen oder Laptops vorstellen. Unser Fokus für die nächsten Monate liegt aber klar auf den aktuellen Kategorien.»

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