Jean-Marc Hensch - Der Kommunikator

von Marcel Wüthrich

4. November 2012 - Jean-Marc Hensch, seit Mai dieses Jahres Geschäftsführer des Swico, hätte durchaus auch in der Politik landen können, ist heute aber glücklich mit dem eingeschlagenen Weg.

Zürich, erklärt Jean-Marc Hensch, seit Mai dieses Jahres Swico-Geschäftsführer, Zürich sei die Konstante, die sich durch sein gesamtes bisheriges Leben ziehe. «Ich bin in der Stadt Zürich geboren, aufgewachsen, zur Schule und an die Uni gegangen, ich habe hier gearbeitet und damit mein ganzes Leben hier verbracht. Nicht, weil ich mich nicht von Zürich lösen konnte, sondern weil mir die Stadt bis heute die besten Voraussetzungen bot für alles, was ich machen wollte.» Dieser Fokus auf Zürich hat denn auch zur Folge, dass sich Henschs ausserberufliche Aktivitäten stark auf «seine Stadt» konzentrieren. So präsidiert der 53-Jährige unter anderem das Jugendwohnnetz Zürich – eine Institution, die Jugendlichen Wohnungen in Zürich zur Verfügung stellt. Die Organisation sei inzwischen so gross, dass rund ein halbes Prozent der Zürcher Bevölkerung «sozusagen bei ihm wohne», wie Hensch augenzwinkernd erklärt. «Ausserdem bin ich im Verwaltungsrat des Kongresshauses Zürich, Quartiervereinspräsident in meinem Wohnquartier Enge und bin in der Gesellschaft Landesmuseum Zürich involviert. Ich habe einen sehr starken Bezug zu Zürich – eine Stadt, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.»


Kommunikationsschule Kundendienst

Ein «waschechter Zürcher» ist Hensch aber nicht – im Gegenteil: Seine Mutter ist Französin, und bis zum Kindergarten sprach der studierte Jurist kein Wort Deutsch. Einen Nachteil in der frühen Schulzeit habe er daraus aber nicht gezogen, nicht zuletzt deshalb, weil sein Vater Sprachlehrer war und seine Mutter Übersetzerin. «Vielleicht kommt von daher auch meine Affinität zu Sprachen und zur Kommunikation.»
Kommunikation nämlich ist die zweite Konstante, die sich durch Jean-Marc Henschs Berufsleben zieht, auch wenn er sich nach dem Gymnasium für ein Jus-Studium entschied. Allerdings: «Während dieser Zeit arbeitete ich halbtags in einer Migros-Filiale als Kundendienstmitarbeiter. Und Sie können mir glauben, dieser Job war die beste Kommunikationsschulung, die man sich vorstellen kann.» Nach seinem Abschluss als Jurist wurde Hensch, der sich seit dem Alter von 16 Jahren politisch engagierte, Geschäftsführer und Parteisekretär der FDP der Stadt Zürich. Schon bald aber wurde das Thema Kommunikation wieder aktuell. Dies dank zwei ehemaligen Studienkollegen, die sich selbständig machten und Hensch mit an Bord holten. Und so kam es, dass er 1986, nach zwei Jahren bei der FDP, Partner in einer PR-Agentur wurde. Dieser Schritt legte den Grundstein für eine Kommunikationskarriere, die ihn 14 Jahre später zur Nummer 2 bei Farner PR – der grössten Schweizer PR-Agentur – machte.


Swico als letzte Station

«Nach zwei Jahrzehnten in den PR wurde es mir in der Branche etwas eng, da man Business-Probleme immer nur aus dem eingeschränkten Blickwinkel der Kommunikation betrachten konnte.» Die Aufgabe als Direktor des Verbandes der Erdgas-Wirtschaft habe ihm dann ermöglicht, ein Thema umfassend und vertieft zu bearbeiten und in der Sache auch wirklich Einfluss zu nehmen.
Den Job als Gallionsfigur der Erdgasindustrie bekleidete Hensch rund zehn Jahre, bevor im laufenden Jahr dann der Wechsel zu Swico folgte. Swico liege ihm als Verband thematisch näher als das Erdgas-Business, so Hensch: «Ich habe schon in den frühen 80er-Jahren ein EDV-System besessen und programmiert. IT interessiert mich schon seit jeher. Im Vergleich dazu musste ich vor Annahme des Jobs in der Erdgas-Industrie zuerst einmal meine Frau fragen, mit was wir zuhause überhaupt heizen.» Die Position als Swico-Geschäftsführer soll nun sein letztes hauptberufliches Engagement sein. Ob es die nächsten zwölf Jahre bis zu seiner ordentlichen Pensionierung dauert, lässt er offen. «Aber die Stelle ist so vielfältig, dass man nicht fürchten muss, dass es bald langweilig wird.»


Wirkung erzielen

Angesichts des politischen Engagements des jungen Jean-Marc Hensch würde man meinen, dass rückblickend auch eine politische Karriere nicht abwegig gewesen wäre. Darauf angesprochen, antwortet der Swico-Geschäftsführer: «Ich habe mich zwar in jungen Jahren einige Male auf einigermassen aussichtlosen Listenplätzen der Wahl gestellt, und es gab Zeiten, in denen ich Ambitionen hatte. Doch es hat nie sollen sein, und heute darf ich sagen, dass ich einer möglichen Politiker-Karriere nicht nachtrauere. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich eher als Macher sehe denn als jemand, der ein Ratsplenum aussitzt.» Und ohnehin folge sein Leben nicht einem einmal festgelegten Masterplan: «Mein Ziel ist es, mit meinem Leben zufrieden zu sein – ausbalanciert zu leben. Und Zufriedenheit erreiche ich, indem ich versuche, einen Beitrag zu leisten – zum einen für die Wirtschaft, zum anderen aber auch für die Gesellschaft. Ich versuche, meine Möglichkeiten einzusetzen, um Wirkung zu erzielen. Das erfüllt mich.»


Jean-Marc Hensch

Jean-Marc Hensch wurde 1959 im Zürcher Stadtteil Enge als Sohn eines Mittelschullehrers und einer Übersetzerin geboren und studierte nach Primarschule und Gymnasium in Zürich Rechtswissenschaften. Bereits in jungen Jahren begann Hensch, sich politisch zu engagieren, und seine berufliche Karriere startete er als Geschäftsführer der FDP Stadt Zürich. Danach war Hensch beinahe 20 Jahre in der Kommunika­tionsbranche tätig, bevor er 2003 ins Verbandsmanagement wechselte. Seit diesem Jahr ist er Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands
für die digitale Schweiz Swico. Hensch ist seit 25 Jahren verheiratet und lebt in Zürich.

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