Kontroverse um Preisdumping von Swisscom IT Services bei Deals mit Credit Suisse und Bund

29. Oktober 2004
Kaum ist ein Tag vergangen, seit Swisscom IT Services den Erhalt eines eines neuen Auftrags auf Bundesebene (den Aufbau der elektronische Vergabeplattform Simap2) gemeldet hat, schon überrascht die Dienstleistungstochter der Swisscom mit einem neuen Grossvertrag. Die Berner werden 2005 Desktop-Services für 30'000 Arbeitsplätze der Credit Suisse übernehmen. Der Vertrag beinhaltet Installationen, Umzüge, Retouren und Störungsbehebungen für PCs, Notebooks, Drucker und Monitore. In den vergangenen Jahren hatte die von Bechtle übernommene Also Comsyt die Credit Suisse bedient. Im Rahmen der gross angelegten Sparbemühungen der Bank im IT-Bereich wurden für diesen Service-Vertrag neue Offerten eingeholt.

Wie IT Reseller aus zuverlässigen Quellen erfahren hat, haben neben Bechtle und Swisscom IT Services auch HP und zwei kleinere Schweizer Dienstleister mitofferiert. Die letzteren sind aus dem Rennen gefallen, weil gewisse Kriterien wie zum Beispiel regionale Abdeckung nur mit Partnern hätten erfüllt werden können. Bechtle ist bei der zweitletzten Rund rausgeflogen, weil HP und Swissocm IT Services massiv preiswertere Angebote machten. Gemäss unseren Recherchen gelang es der Credit Swiss, die Jahreskosten im vorliegenden Fall von 30 auf 20 Millionen Franken zu senken. Zur Differenz von 10 Millionen. Franken haben "Aufräumarbeiten" bei der Credit Suisse und die massiv tiefere Offerte von Swisscom IT Services beigetragen.

Bei der Swisscom will man diese Behauptung nicht kommentieren. Pressesprecher Christian Neuhaus sagt dazu lediglich, man habe in der letzten Zeit viel daran gesetzt, die Kosten zu optimieren. "Wir haben alles unternommen, um so konkurrenzfähig wie möglich zu werden. Dazu gehören neben der kürzlich erfolgten Restrukurierung auch, dass Prozesse optimiert wurden", sagt Neuhaus zu IT Reseller.

Doch auch der gestern bekanntgewordene Simap-Deal wirft Fragen auf. Ob alles mit richtigen Dingen zugegangen ist, darüber scheiden sich nämlich jetzt die Geister. Realisierung und Betrieb der Plattform Simap2 wurden vor einigen Monaten vom Bund ausgeschrieben. Für das Projekt interessiert hatten sich IBM, Siemens, T-Systems und Swisscom IT Services. Gemäss einer Mitteilung im Schweizerischen Handelsamtsblatt von Ende September hat Swisscom IT Services den Zuschlag für die "beste Erfüllung der gestellten Anforderungen gemäss Ausschreibungsunterlagen" erhalten. Als Preis werden 3,79 Millionen Franken angegeben.

Wie IT Reseller in Erfahrung bringen konnte, hatten die Angebote der Konkurrenz sich allesamt zwischen 5,5 und 6 Millionen Franken bewegt. Haben IBM, Siemens und T-Systems mehr Leistungen offeriert? „Wir hatten eine weitgehend analoge Offerte auf der Basis der Software des deutschen Herstellers Ventasoft, die auch Swisscom IT Services verwendet, eingereicht“, sagt Daniel Hinz, Mediensprecher von T-Sytems Schweiz. Einmal mehr stellt sich dem Beobachter die Frage, wie es möglich ist, dass das Angebot aus Bern rund 30 Prozent unter den Offerten der Konkurrenz liegt.

Wie beim Credit Swiss Deal will auch hier die Swissscom den Vorwurf, man betreibe Preisdumping auf Kosten der Steuerzahler und Swisscom-Abonnenten, nicht gelten lassen. Swisscom-Sprecher Josef Huber: "Unsere Leute verfügen über Erfahrung in diesem Bereich. Hinzu kommt auch, dass wir bei Lieferanten sehr günstig einkaufen konnten". (mh)



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