KANAL TOTAL: Der mit den sechs Standbeinen tanzt

11. Mai 2009
Als ich kürzlich nach einem ganz normalen Interview schon den Heimweg antreten wollte, hielt mich besagter Interviewpartner, nachfolgend mit IP bezeichnet, noch zurück, um mir rasch sein Unternehmen zu präsentieren. Nachdem ich durchs Ladenlokal und Büro, vorbei an gut gelaunten Mitarbeitern, Kisten und allerlei IT und CE gestolpert war, wurde ich von IP geschickt eine lange, schmale Treppe hinunter in den Keller gelotst. Das sind ja österreichische Zustände, kam es mir kurz in den Sinn, aber IP sah mir dann doch nicht aus, als würde er mich die nächsten 24 Jahre wegsperren wollen. «Das hat mich ne Stange Geld gekostet», sagte er stattdessen fröhlich und winkte mich näher heran.

Der Raum war gefüllt mit jeder ­Menge Sportgeräten und ich befürchtete schon, ich müsste meine nicht vorhandene Fitness praktisch vorführen. Aber mitnichten, IP zeigte mir nur nach IT-, CE- und Netzwerk-Geschäft sein viertes Standbein: ­Ergonomisches Schuhwerk. Sündhaft teuer, dafür ziemlich uncool für meine Begriffe. «Na wenn’s hilft», murmelte ich, aber IP wedelte schon mit superflauschigen Bademänteln in den Farben Neon-Pink, Neon-Grün und Neon-Quietschegelb vor mir herum. Das Material lud ein, die Farbe dann eher wieder aus. Soll ja jetzt Mode sein, aber ich bin dann halt doch eher das oldfashion girl. In der rechten Zimmer­ecke wallte eine knallrote Wühlmatratze, wo IP manchmal ein ­Nickerchen mache, bevor er wieder ein neues Standbein austüftelt. ­Darüber ein riesiger Flachbildschirm. «Da gucke ich ab und zu einen Film, wenn Sie verstehen, was ich meine!» Ja, ich verstand - wo war gleich nochmals der Notausgang? «Ich mache übrigens auch in Autos», sagt IP. Wie jetzt? Wenn keine Toilette in der Nähe ist? Ha, ha, kleiner Scherz meinerseits. Das wäre dann wohl Standbein Nummer fünf. Ich konnte es kaum erwarten, das sechste zu sehen. «Und hier mein anderes Geschäft», sagt’s und reisst ­einen weissen, grossen Vorhang auf. Dahinter Sexspielzeug, Filmchen und Erotikartikel für jeden Geschmack. «Sex geht ­immer, Krise hin oder her», ruft IP aufmüpfig und wedelt mit einem überdimensionalen, nennen wir es Gerät, vor meiner Nase herum. Vielleicht sollte ich doch zusehen, dass ich hier langsam wieder wegkomme, denke ich, nicht ohne mich ­nochmals kurz von der Vollständigkeit seiner Kollektion zu überzeugen.

Leider rückt er kein Werbegeschenk raus, da ist IP voll der Geschäftsmann. Sein neuester Coup übrigens: Eine Abwrack-Prämie für Vibratoren. Schicken Sie ein Foto Ihres alten Vibis und Sie erhalten einen neuen mit Rabatt. Man kann sagen, was man will, aber der Mann weiss Krisen zu begegnen! (Susann Klossek)

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