Distis leiden unter Franken-Stärke

31. August 2011 - IT-Distributoren profitieren nicht vom starken Franken, unter anderem deshalb, weil in der Branche Preistransparenz herrscht.

Obwohl die Schweizerische Nationalbank die Liquidität am Franken-Geldmarkt bereits zweimal massiv erhöht hat, bleibt der Schweizer Franken im Höhenflug. In den letzten Wochen sackte der Euro gar auf ein historisches Tief und kostete kurzfristig noch 1,07 Franken. Darunter leiden vor allem Schweizer Exporteure, deren Produkte für europäische Kunden immer teurer werden. Da nimmt man eigentlich an, dass zumindest die Importeure davon profitieren können. Doch bei den Schweizer IT-Distributoren herrscht alles andere als Euphorie: «Wir profitieren leider nicht vom starken Franken», erklärt Manfred Steinhardt, Managing Director der Tech Data Schweiz. Denn die Distributoren kaufen die Hardware und Software von Herstellern wie IBM oder Microsoft jeweils zu Tagespreisen ein – und verkauft sie ebenfalls wieder zu Tagespreisen. Das heisst: Von den Preissenkungen infolge tiefer Wechselkurse bleibt Firmen wie Tech Data Schweiz nicht viel übrig. Im Gegenteil: «Wir leiden unter dem starken Franken, da das Marktvolumen infolge Grauimporte zwischen 5 und 10 Prozent gesunken ist», meint Steinhardt. Dies bestätigen auch die Marktforscher von GfK Schweiz, die allein im Bereich Consumer Electronics eine Abnahme von 15 Prozent des Marktvolumens im ersten Halbjahr 2011 feststellten – unter anderem wegen des massiven Preisdrucks. (dv)


Die Preise werden zum Teil täglich angepasst

Auch der IT-Distributor Also Schweiz hat mit ähnlichen Phänomenen zu kämpfen: «Wenn die Hersteller, die uns in Schweizer Franken fakturieren, die Preise nicht schrittweise anpassen, besteht die Gefahr von Parallelimporten», meint Marc Schnyder, Managing Director von Also Schweiz. Zudem sind die sinkenden Preise eine grosse Herausforderung für das Unternehmen aus Emmen, da die Produktivität dadurch stets erhöht werden muss. Auch bei Also Schweiz werden die Preise von den Produkten, die in Euro eingekauft werden – insbesondere Supplies und Software –, fast wöchentlich den Kursen angepasst. Genauso der Distributor Littlebit Technology aus Hünenberg: «Wir berechnen unsere Preise wöchentlich neu», so Patrick Matzinger, CEO und Präsident des Unternehmens. Und weil die Preise immer direkt an die Kunden weitergegeben werden, sinken Umsatz und Ertrag. Dem will Littlebit entgegenwirken: «Wir versuchen, hochwertigere Produkte zu pushen oder das Volumen zu steigern», so Matzinger. (dv)


Lagerbestände verlieren an Wert

«Es mag in anderen Branchen anders sein, aber in der IT-Branche herrscht Preistransparenz», erklärt Tom Brunner, CEO von Alltron, das Phänomen. Händler von IT-Geräten und Unterhaltungs-elektronik wissen heute dank Plattformen wie «Concerto» genau, welcher Distributor welche Ware zu welchem Preis führt. Wer sich deshalb nicht an die Marktpreise anpasst, verliert sehr schnell Kunden. Bei Alltron kommt ein weiteres Problem hinzu. Die Tochter der Competec Holding aus Mägenwil kauft oft grosse Warenmengen auf einmal ein, damit die Produkte für Schweizer Fachhändler jederzeit verfügbar sind. «Bei manchen Produkten kaufen wir einen Vorrat für mehrere Monate ein», so Brunner. Das bedeutet, dass die Lagerbestände infolge des starken Frankens beträchtlich an Wert verloren haben. Um weitere Wertverluste zu vermeiden, will Alltron zukünftig die Lagerbestände reduzieren und dafür die Bestellfrequenz erhöhen. Dies führt wiederum zu einem höheren administrativen Arbeitsaufwand: «Egal wie man es dreht und wendet: Wir müssen immer mehr tun, um denselben Profit zu erarbeiten», so das Fazit von Brunner. (dv)

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