Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz

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Artikel erschienen in Swiss IT Reseller 2021/07 – Seite 2
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Bei spezifischen Konfigurationen wird’s schwierig

Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz
«Je nach Komponen­tenwahl seitens des ­Kunden stellen ­bereits ­einzelne Stückzahlen ein ­Problem dar.» Simone Antonelli, Director of Axxiv ­Computing & Services, Littlebit Technology (Quelle: zVg)
Zum Thema Projektgeschäft erklärt Christoph Blankenhagen, dass dort die Verfügbarkeit weniger vom Volumen, das benötigt wird, sondern von den gewünschten Spezifikationen abhängig sei. Lenovo adressiere dies mit dem erwähnten Topseller-Portfolio, mit dem man die Marktanforderungen abbilde und mit der Distribution in der Schweiz für die entsprechenden Verfügbarkeiten sorge. Resellern im Projektgeschäft rät er denn auch: «Gehen Sie auf das aktuelle Topseller-Portfolio zu und fragen Sie einen Projektpreis, die Deal-­Registrierung und den Neukundenbonus an. Mit dieser Kombination erhalten Sie die beste Kombination von Verfügbarkeit, Preis und Produkt.» Kundenspezifische Konfigurationen jedoch könnten je nach angefragten Komponenten durchaus schwierig zu erhalten zu sein, ergänzt Lenovos Schweizer Channel-Chef. «Hier ist der Input von uns beziehungsweise unseren Partnern gefordert, den Endkunden gleich zu Beginn entsprechend zu beraten.» Dadurch ergebe sich gegebenenfalls auch gleich eine gute Chance, ein Gespräch mit dem Kunden zu führen und auf weitere Services und Dienstleistungen zu verweisen.

Stephan Ludwig antwortet auf die Volumenfrage, dass dieses bei Bestellungen für einen BTO-Spezialisten wie Fujitsu nur bedingt eine Rolle spiele. Es gebe aktuell auch keine Probleme bei höheren Stückzahlen. Resellern im Projektgeschäft empfiehlt Ludwig, ­zunächst immer über die Distribution die Verfügbarkeit gewünschter Komponenten abzuklären respektive den ­erwähnten Fujitsu Web Architekt zu konsultieren. «Hier lassen sich in der ­Regel gute Alternativen finden für Konfigurationen, die den Kundenwünschen weitgehend entsprechen.» Bei grossen ­Projekten sei es zudem sinnvoll, dass sich der Partner so früh wie möglich mit ­Fujitsu abstimme. «Der Zeitfaktor ist bei grossen Projekten immer wichtig.» Wo es möglich sei, könne der Partner Kunden auch immer auf den Einsatz von Desktops als Alternative hinweisen.

Zu den aktuellen Lieferzeiten erklärt Stephan Ludwig, dass für Lagerware in der Distribution ein Lieferversprechen von 48 Stunden gelte, ebenso für Geräte, bei denen vorhandene alternative Komponenten verbaut werden können. «Für Build-to-Order-Geräte gelten Zeiten zwischen drei Wochen bis zu drei Monaten, beispielsweise bei sehr aufwändigen Konfigurationen von Datacenter-Produkten.» Bei Lenovo beträgt die Lieferzeit für spezifische Konfigurationen derweil 12 bis 16 Wochen.

Sowohl Ludwig wie auch Blankenhagen verneinen, dass Grosskunden, die direkt beim Hersteller bestellen, im Vorteil seien – im Gegenteil. Christoph Blankenhagen erklärt, dass man bemüht sei, gemeinsam mit der Distribution eine optimale Verfügbarkeit in der Schweiz zu gewährleisten. «Diese Lagerhaltung, als eine Kernkompetenz der Distribution, ist auch ein Investment von Lenovo für unsere Reseller auf dem Schweizer Markt. Ein Direktkunde ist hier im Nachteil, da er direkt von der Verfügbarkeit unserer Werke weltweit abhängig ist.» Und Stephan Ludwig sagt zu diesem Punkt: «Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Channel-Partnern und mit unseren Distributoren ist gesichert, dass auch kleinere Partner gut versorgt werden. Das geht auch gar nicht anders: 80 Prozent unserer Kunden werden durch Channel-Partner betreut. Fujitsu lebt von diesem grossen Partnernetzwerk, Ungleichbehandlung wäre schlicht geschäftsschädigend.»

CPUs, GPUs, SSDs und mehr

Lieferengpässe bei PCs - die Situation in der Schweiz
«Wer zuerst bestellt, ­bekommt noch am ­ehesten etwas geliefert.» Fynn Wohlgensinger, Brand & Sales ­Communication, Prime Computer (Quelle: zVg)
Und wie sieht die Situation bei den PC-Produzenten hier in der Schweiz aus? Bei Littlebit Technology gestaltet sich die Situation aktuell so, dass es dank regelmässigem Austausch mit den Herstellern gelinge, «immer wieder etwas im Angebot zu haben», so Simone Antonelli, Director of Axxiv Computing & Services. Von der Knappheit betroffen sei praktisch die ganze Bandbreite an Komponenten, vom Prozessor (insbesondere «Ice Lake» und «Tiger Lake») über Arbeitsspeicher und SSDs bis hin zu Netzteilen und natürlich Grafikkarten. «Einen kleinen Trost haben wir bei Axxiv, denn unsere Workstations haben vor allem professionelle GPUs im Einsatz, welche besser verfügbar sind», fügt Simone Antonelli an. Und: Im Notebook-Segment könne man eine bessere Verfügbarkeit bieten als bei den Desktops, da man rund um Notebooks glücklicherweise früh reagiert habe.

Fynn Wohlgensinger, bei Prime Computer verantwortlich für die Brand & Sales Communication, berichtet von «teilweise grossen Lieferschwierigkeiten» seitens der Lieferanten. «Das führt zu signifikanten Einschränkungen bei der Verfügbarkeit einiger Konfigurationen unserer PCs.» Wohlgensinger präzisiert: «Uns fehlen vor allem Motherboards mit integrierten SoCs. Das betrifft nicht nur solche der neuesten Generation, sondern auch Businessboards mit SoCs aus älteren Generationen, die aber immer noch mitten im vom Lieferanten geplanten Produktionslebenszyklus sind.»

Bei Steg Electronics fehlen primär Prozessoren der aktuellen Generation – sowohl von AMD als auch von Intel. «Zusätzlich sind Grafikkarten der Serie RTX 30xx sehr rar. Dies betrifft mehr Desktops als Notebooks, im Notebook-Bereich haben Engpässe bei den Bildschirmen aber leider einen zusätzlichen negativen Impact», erklärt Benjamin Möller aus dem Kategorie Management und gleichzeitig Steg-­PC-Planungs-Verantwortlicher. Und er führt aus, dass für den Endkunden die Engpässe vor allem im Notebook-Bereich bei Gaming-Desktops und Workstations spürbar seien. «Insgesamt müssen wir einfach teurere Einkaufspreise in Kauf nehmen, um die Verfügbarkeit sicherzustellen», so Möller.

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